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Mode & Stil Frau, Ü50, Stilvorbild
Sonntag Mode & Stil Frau, Ü50, Stilvorbild
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20:01 13.10.2017
Elegant, aber gemütlich: Diane Keaton wird zum Stilvorbild. Quelle: dpa
Hannover

Wenn nur dieser scheußliche Name nicht wäre! Menocore, das klingt nach Hitzewallung und Johanniskraut, hat aber nur am Rande mit den mühseligen Erscheinungen des Alterns zu tun. Und dafür ganz viel mit den tollen Nebeneffekten der Menopause. Mit Gelassenheit. Mit Selbstbewusstsein. Mit Wissen. Mit Neuanfängen ohne Hektik und mit Selbstironie. Kurz, mit allem, worum jüngere Frauen die Generation Ü50 zu Recht beneiden.

Erst haben sich diese jungen Frauen die Haare grau gefärbt, und es sah an ihnen falsch, aber sehr schick aus. Jetzt kleiden sie sich auch noch so wie die coolsten Frauen ihrer Müttergeneration – und diesmal sehen sie einfach nur großartig aus: in flatternden Leinenhosen mit Zugband, formlosen Kleidern bis über die Wade, weiten Pullovern mit Bewegungsfreiheit, robusten Tretern, je nach Jahreszeit einem praktischen Sonnen- oder Regenhütchen und einem lockeren Überwurf. Alles in Sand- und Khakifarben, mit Weiß und Zartgrau zur Aufmunterung. Alles aus feinen Materialien, Kaschmir, Leinen, Biobaumwolle. Und alles ohne Botschaft außer dieser: Ich bin mit mir im Reinen. Sexy und preiswert war gestern. Menocore und edel ist heute.

Einfach gemütlich machen

Erfunden hat den Trend des Spätsommers und Herbstes 2017 niemand. Es ist ein bisschen so wie mit der dänischen Gemütlichkeit: Wir wussten alle schon lange vor Hygge, wie man eine Kerze anzündet und damit Stimmung macht. Und zumindest wir Älteren wussten schon lange bevor die Bloggerinnen von ManRepeller dem Ganzen einen Namen gaben, wie angenehm das Leben ist, wenn einfach alles locker bleibt.

Menocore ist kein Trend, sondern Lebensweisheit: Eine Frau sollte das tragen, worin sie sich wohlfühlt und einen vielfältigen Alltag bewältigen kann. Und genau das schauen sich die Jüngeren gerade von den Älteren ab. Die Modebloggerin Harling Ross schreibt auf ManRepeller, dass das Geheimnis von Menocore seine Einfachheit sei: “Unbefangen und cool. Stell dir eine Frau über 50 vor, die es nicht schert, was andere Leute denken, und die es sich schlicht höchst gemütlich macht.“

Entspannt, elegant und aus feinen Materialien: Selbst auf der Fashion Week sind plötzlich Wohlfühloutfits angesagt. Quelle: Maxppp

Eine komplette Menocore-Kollektion bietet trotzdem niemand an. Wer sich so anzieht, der nimmt mal dieses, mal jenes Lieblingsteil und setzt alles so zusammen, wie’s gerade passt. Das Stilvorbild ist klar: US-Schauspielerin Diane Keaton, die mit ihren Schlabberhosen, offenen Jacken und losen weißen Hemden immer ein bisschen anders war als der Großteil ihrer Hollywood-Glamour-Kolleginnen.

Der Mangel an erkennbaren Busen-Beine-Po-Linien unter ihrer Kleidung hat ihrer Präsenz nie geschmälert, weder im Film noch auf dem roten Teppich. Es gibt Leute, die sagen: Was Frauen wie Keaton an Dekolleté verbergen, machen sie durch Sichtbarwerden von Persönlichkeit mehr als wett.

Ganz nebenbei übrigens ist Menocore auch noch so etwas wie eine Hommage an die starken Frauen zwischen 50 und 65 Jahren, die gemeinhin als unsichtbar gelten. Nein, nicht die Mütter, die so enervierend “jung geblieben“ sind, dass sie rein modisch in nichts von ihren Töchtern zu unterscheiden sind. Die meisten Töchter aber wollen sich unterscheiden. Vielleicht ist das der wahre Grund, warum sie sich so begeistern können für einen so zurückhaltenden Stil. Weil es in politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie jetzt ganz guttut, einfach nur erwachsen sein zu dürfen.

Von Susanne Iden

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