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“Logan – The Wolverine“ und mehr DVD-Tipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig “Logan – The Wolverine“ und mehr DVD-Tipps

Von einem finsteren Schwanengesang über einen alternden Marvel-Helden bis zu Mord und Intrigen in einem australischen Frauengefängnis, von einem unterhaltsamen Klötzchen-Batman bis zu “Fargo"-artigen Zuständen in der bayerischen Provinz: die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Quelle: Fotolia

Hannover.  

Logan – The Wolverine: Der Name Wolverine klingt cool, das Tierchen, nach dem der raubeinige Mann mit den Klingenfingern benannt wurde, heißt auf Deutsch weit profaner Vielfraß. Und ein wenig waren die Solo-Filme des Marvel-Mutanten auch so: Sie fraßen unser Geld und unsere Zeit, ohne dass uns irgendetwas Nennenswertes geliefert worden wäre außer eben Hugh Jackman in der Titelrolle – grimmig, kampfbereit, mit überdimensionierten Koteletten. James Mangolds “Logan“, dritter und letzter Film des Marvel-Franchise, ist anders - ein finsterer und ansehnlicher Schwanengesang.

Wir werden ins Jahr 2029 geführt, wo ein vom Adamantium in seinem Körper völlig erledigter Logan bärtig und zudem unter einigem Alkohol erwacht. Unser Held – ein Wrack! Die Klingen sind nicht mehr verlässlich, die Kräfte lassen nach, er wird alt und sieht sein Grab. Dann muss er noch einmal ran, der gute Killer Logan lebt in einer Welt, die tödlich feindselig gegenüber den Mutanten geworden ist. Er versteckt den 90-jährigen “X-Men“-Chef Dr. Xavier (Patrick Stewart) auf einer windschiefen Farm und er fühlt sich verpflichtet, auf die elfjährige Laura (Dafne Keen) aufzupassen, die von mitleidlosen Mutantenjägern bedroht wird.

Wie ein dystopischer Western mutet der letzte Leinwandauftritt der Kult-Comicfigur an, und die Verweise auf George Stevens‘ Cowboyfilmklassiker “Mein großer Freund Shane“ (1953) sind im Rang von Zaunpfahlwinken. Die Gewalt ist hart, gewiss, aber sie ist motiviert, und am Ende kann man kaum anders, als sich ein paar Tränchen zu verdrücken.

Logan – The Wolverine

Logan – The Wolverine

Quelle: Fox

The Lego Batman Movie: Chapeau, Lego! Der kleine, intellektuell zuweilen arg begrenzte, dabei in höchstem Maße narzisstische, aber überaus furchtlose Batman aus der Noppensteinchenwelt hat schon auf einigen DVDs und als Nebenfigur im herrlich amüsanten “Lego Movie“ (2014) weit besseren Eindruck gemacht als jüngst Ben Affleck, der sich im Kostüm der Fledermaus mit Superman in die Wolle kriegte. Jetzt hat Bruce Wayne also seinen eigenen Lego-Film, und der animierte Plastik-Vigilant füllte die Leinwand und jetzt auch den Bildschirm mit seiner Präsenz. Die ihm vom Joker streitig gemacht wird, der von seinem Gegner das Eingeständnis verlangt, dass der eine den anderen braucht – wozu Batty nicht bereit ist.

Das führt zu actionreichen Auseinandersetzungen, wobei der eigentlich größte Feind Batmans sein eigenes übersteigertes Ego ist. Ein Ego, das von dem neuen feuerrot beschopften Polizei-Commissioner Barbara Gordon, Batmans spontanem Love Interest, nicht befeuert wird: “Wir brauchen keinen unkontrollierten Mann, der arme Leute in einem Halloween-Kostüm mit Karate zerstückelt“, lehnt die Polizistin den Hilfsgesetzeshüter ab. “The Lego Batman Movie“ ist temporeich und für Kinder wie Erwachsene (die Filme wie “Die nackte Kanone“ lieben) ein erstrangiges, cleveres Vergnügen. Gern auch im englischsprachigen Original, wo Will Arnett die Batman-Stimme raspelt und Zach Galifianakes dem Joker die Stimme leiht.

The Lego Batman Movie

The Lego Batman Movie

Quelle: Warner

Wentworth – Staffel 2: Mit dem Mord an der grausamen Zellenmatriarchin Jacs endete die erste Staffel über das australische Frauengefängnis Wentworth. Für Bea Smith (Danielle Cormack), die Heldin der australischen Serie, endet mit der Tat aber auch die Aussicht auf baldige Freilassung, als drogensüchtiges Wrack kehrt sie mit zwölf Jahren mehr auf dem Kerbholz aus der Einzelhaft zurück. Und wächst nach dem Entzug langsam zur Bienenkönigin heran. Getrieben von Rachegedanken, versucht sie ihren widerstrebenden Ehemann zum Mord zu verpflichten. Er soll Brayden umbringen, Jacs Sohn, den Jungen, der beider Tochter Debbie die tödliche Überdosis Heroin verabreichte. Ein Vorhaben, das gänzlich schiefgeht.

In Wentworth sind die lockeren Zeiten einer heimlich häftlingsregierten Parallelgesellschaft vorbei, denn die neue Direktorin Ferguson (Pamela Rabe) verstopft die Drogenwege, halbiert die Methadondosis, instrumentalisiert eine Journalistin und wählt sich neue Favoritinnen, um den Knast bis in die letzte Zelle kontrollieren zu können. Doreen etwa bekommt ein Feld für Beete, sogar Treibhäuser, dafür soll sie die Spionin spielen, Bea überwachen – auch für die unbedarfte Gärtnerin eine riskante Aufgabe. Und die Macht der scheinbar taffen Franky (Nicole da Silva) beginnt zu schwinden. Neues von Boomer (jetzt mit Amy-Winehouse-Bienenkorb), Liz, Kim, und den Wärtern Vera, Matthew und Will. Wäre es nicht so eng, würden wir uns mit diesen Leuten einquartieren, um mehr zu sehen.

Wentworth, Staffel 2

Wentworth, Staffel 2

Quelle: wvg

Class – Staffel 1: April (Sophie Hopkins) ist eine herzensgute, supernette, unstylishe Schülerin, die nur Gutes will und natürlich noch kein Date für die Prom Night hat. Ihre Mathelehrerin Mrs. Quill (Katherine Kelly) ist ein zynisches Biest, die ihre Klasse mit Formeln quält, Schülerhandys “versehentlich“ zu Bruch gehen lässt und ihre Schutzbefohlenen mit Vorliebe durchbeleidigt. Ganz normaler Schulalltag, nichts fürs Fernsehen – möchte man meinen. Wäre da nicht ein Schüler verschwunden, würden sich da nicht seltsame, mordlustige Schatten an den Aulawänden knäueln (die das Kino oder HBO mit ihren höheren Tricktechnikbudgets allerdingsweit besser hinkriegen, wie einen überhaupt schon die erste Inansichtnahme eines ziemlich plastikhaften Monsters fast wieder zum Abschalten bringt).

Wieso eigentlich Monster? Nun, unter der Coal High Academy befindet sich ein Riss in der Welt, durch den gleichmal der Anführer des “Schattenclans“ kriecht, ein Superschurke mit Atomisierungssäbeln, der sich nach einem nicht ganz geglückten Angriff auf April fürderhin das Herz mit ihr teilt. Wer also künftig das Monster tötet (fast unmöglich), tötet auch April, was den blonden außerirdischen Jungen Charlie (Greg Austin) vom “schönsten Planeten der Welt“ (der in seiner Schulklasse behauptet, aus Sheffield zu stammen) vom ersehnten Triumph über das Böse abhält. Verliebt er sich etwa?

“Class“ ist ein Spin-off des britischen Sci-Fi-Evergreens “Dr.Who“ und erinnert dabei schwer an das, was Vampirkillerin Buffy an der Sunnydale High erlebte (auch diese Schule lag an einem Dämonen-Entree in unsere Welt). Wenn überhaupt einer auszumachen ist, so liegt der Reiz der amerikanisierten Britserie “Class“ gewiss nicht im albern realisierten Übernatürlichen, da sind selbst die Aliens aus Captain Kirks alten Enterprise-Irrfahrten gruseliger. Sondern wie die Teenies unter diesen absonderlichen Umständen und überhaupt mit dem Großwerden klarkommen, wie sie über sich selbst hinauswachsen, und wie das bleischwere Pathos immer wieder ganz schnell in Brithumor aufgelöst wird.

Class, Staffel 1

Class, Staffel 1

Quelle: Polyband

Profiling Paris, Staffel 6: Die Profilerin Chloé Saint-Laurent (tragische Familiengeschichte, der Vater brachte die Mutter um) scheint nach den schlimmen Ereignissen der fünften Staffel völlig vogelig geworden zu sein. Die Zeit in der Psychiatrie unter dem Verdacht der Schizophrenie hat ihre gemäßigte Schrulligkeit befördert, mit den roten Haaren und den knallbunten Klamotten wirkt Chloe (Odile Vuillemin) mehr denn je wie eine andersweltige Pippi Langstrumpf der Pariser Polizei.

Trotz der vielen vorherigen Erfolge wird sie nicht mehr mit Verhören beauftragt, sondern muss ins Archiv, als Gehilfin der drakonischen Aktenhexe Madame Viviane. Aber schon die erste Episode der sechsten Staffel von “Profiling Paris“ führt Saint-Laurent, die sich natürlich nicht vom Ermitteln zurückhalten kann, zu einem jungen Mann, der seine im Kindesalter verschwundene Schwester sucht, und zu dessen sadistischem Vater, der seine Ehefrauen mit krankhafter Pedanterie in den Wahnsinn treibt.

Die Geschichten von “PP“ sind klassisch Krimi, die Psychologie ist manchmal milchmädchenhaft simpel, die Komik wirkt nicht selten überzogen, aufgesetzt. Was die Serie auch in der sechsten Staffel noch sehenswert macht, ist das menschliche Moment, das Miteinander der Figuren. Der Polizeichef kommt einem zuweilen wie der Leiter eines Sanatoriums vor, muss sich außer um Chloé auch noch um den Computerexperten Hippolyte kümmern, der auf eigenwillige, selbstzerstörerische Art um die in der vorigen Staffel verstorbene Kollegin und Ex-Geliebte Frédérique trauert.

Profiling Paris, Staffel 6

Profiling Paris, Staffel 6

Quelle: Polyband

Union Pacific: Cecil B. De Mille ragt mit seinem Monumentalfilm “Die Zehn Gebote“ (1956) noch halbwegs in unsere Zeit. Dabei lieferte er seit der Stummfilmära Filmklassiker in Serie. Einer davon ist “Union Pacific“ (1939), der Mammutwestern über den Bau der transkontinentalen Eisenbahn, ein Stoff, den Freunde gegenwärtigerer Bildgebung aus der Serie “Hell on Wheels“ kennen (deren letzte Staffel als DVD-Veröffentlichung übrigens längst überfällig ist). Joel McCrea (als Held, der die Vollendung des Bauprojektssicher stellen soll) und Barbara Stanwyck (als junge Irin und potenzielle Braut des Helden und seines Sabotage-lustigen Gegenspielers) spielen die Hauptrollen.

Patriotismus wird mit Witz gekontert, der heute noch unterhaltsame Film war eine der letzten Hollywoodproduktionen, die vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in deutschen Kinos anliefen. Heute liegt er in einer restaurierten Version vor, die so plastisch ist, dass man glaubt, durch den Bildschirm den amerikanischen (Wilden) Westen betreten zu können. Die spektakuläre Wirkung des (zweiten) Zugunglücks auf das damalige Publikum ist auch heute noch nachvollziehbar. De Mille setzte Maßstäbe und nur ein Western jenes Jahrgangs konnte da mithalten – John Fords “Ringo“ alias “Stagecoach“, mit dem damals der Stern John Waynes aufstieg.

Union Pacific

Union Pacific

Quelle: Kochmedia

Marseille, Staffel 1: Der Bürgermeister ist im wahrsten Sinn des Wortes ein gewichtiger Mann. Er hat in Marseille, der schwer regierbaren Stadt, lange erfolgreich die Fäden gesponnen. Abtreten will der Patriarch nun, das Amt seinem Ziehsohn und Wunschnachfolger übertragen, aber nicht ohne vorher die Weichen zu stellen, auf denen Marseille “die Hauptstadt Südeuropas“ werden kann. Bei einer Abstimmung über ein Hafencasino stellt dieser Brutus sich allerdings gegen seinen Caesar. Und so beschließt der alte Mann, doch noch einmal anzutreten. Und das organisierte Verbrechen, interessiert wie stets an Wahrung und Mehrung seines Profits, sorgt mit Mord und Totschlag dafür, dass diese erste französische Netflix-Serie nicht dröge wie eine Stadtratssitzung daherkommt.

Der große Gerard Depardieu spielt seinen Part des kampfbereiten, Marseille besessen liebenden Robert Taro gewohnt souverän, Benoit Magimel als sein jüngerer Widersacher Lucas Barrès dagegen ist schon kaum mehr zu ertragen in dümmlicher Aufgeblasenheit, die restlichen Schauspieler bleiben blass wie die Geschichte, steif wie die gestelzten Dialoge. Und dass alle naselang Sex zu sehen ist, erfreut allenfalls die Voyeure, die sonst nichts zu lachen haben. Das französische “House of Cards“, das angekündigt wurde, ist eins aus Beton.

Marseille, Staffel 1

Marseille, Staffel 1

Quelle: Polyband

Hindafing – Miniserie: Am Anfang dieser Serie steht ein Mord à la “Fargo“. Der Mann in der Kühltruhe lebt noch, und als sich der Schlüssel im Schloss dreht, hofft er auf Gnade und Befreiung durch seinen Kerkermeister. Dann aber wird der Gefangene nur mit Wasser besprüht, damit das Erfrieren noch a bisserl g‘schwinder geht. Da im nächsten Bild der Altbürgermeister Zischl beerdigt wird und der kokainschnupfende Juniorbürgermeister Zischl (Maximilian Brückner) die Umsetzung des großen Bio-Shoppingzentrums Donau Village verkündet, liegt der Verdacht von Parricida nahe – Vatermord. Schließlich war der Alte strikt gegen Bio. Doch am Ende der ersten Episode gibt es diesbezüglich eine echte Überraschung, nichts war, wie es schien.

Die sechsteilige Serie “Hindafing“ führt uns in eine Filmversion des Amigolands Bayern, wo Vetternwirtschaft der oberste Ausdruck des politischen “Mir san mir“-Gefühls darstellt, alle Korruption ein “passt scho“ ist. Wobei die vom Landrat Pfaffinger (Jockel Tschiersch) verordneten 50 Flüchtlinge vom wahlkämpfenden Jung-Zischl nicht passen, sondern als “politischer Super-Gau“ empfunden werden. Brückner ist hinreißend als agiler Zischl, der gern an Vaters Schwarzgeldkonten kommen würde und dafür jeden Pakt zu schließen bereit ist. Bald herrschen Mord und Totschlag im Hinterwäldlerischen, Sportheime brennen und sogar eine Ölpest bricht aus.

Autor Niklas Hoffmann, Regisseur Boris Kunz und Produzent Rafael Parente lösen den Anspruch weitgehend ein, den amerikanischen Qualitätsserien Paroli zu bieten - die countrybluesige Erkennungsmusik würde auch zu “Fargo“ passen - und liefern eine richtig böse Politsatire, die ob ihres südlichem Zungenschlags vielleicht nicht ganz bis zur Waterkant verständlich ist. Aber: Passt scho!

Hindafing

Hindafing

Quelle: Eurovideo

Von Matthias Halbig

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