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„The Last Kingdom“ und mehr Filmtipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig „The Last Kingdom“ und mehr Filmtipps

Neulandgewinnung auf die blutige Art, und zwar gleich in Serie, Scarlett Johannsons nicht unumstrittenes Wirken im Remake von "Ghost in The Shell", außerdem Besuche auf der ISS sowie auf Skull Island und noch einiges mehr: die Filmtipps von Matthias Halbig.

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Hannover. Neulandgewinnung auf die blutige Art, und zwar gleich in Serie, Scarlett Johannsons nicht unumstrittenes Wirken im Remake von "Ghost in The Shell", außerdem ein Besuch auf dem Mars und noch einiges mehr: die Filmtipps von Matthias Halbig.


The Last Kingdom, Staffel 1: Neulandgewinnung auf die blutige Art. In Nordumbrien beginnt an der Schwelle zum Hochmittelalter der Feldzug der Wikinger gegen die Sachsen zur Eroberung Englands. Der Sohn des Fürsten Uthred von Bebbanburg wird schon bei der ersten Begegnung mit der dänischen Übermacht anno 872 um einen Kopf kürzer gemacht, der Vater folgt ihm in den Tod, der jüngere Bruder, flugs umgetauft auf den Vaternamen und damit neuer Erbe, wird Geisel der Nordmänner und wächst bei ihnen auf. Als die Sippe seines Wikinger-Ziehvaters Ragnar einer Fehde zum Opfer fällt, gerät Jung-Uthred unschuldig in Verdacht, Rache geübt zu haben und flieht ins englische Wessex, wo er nicht minder misstrauisch betrachtet wird. König Alfred stellt die Loyalität des „Heiden“ immer wieder auf die Probe. Die ersten zwei Bände von Bernard Cornwells „Uthred“-Saga bilden die Grundlage der ersten Staffel von „The Last Kingdom“, einer britischen Serie, die möglichst entlang der historischen Fakten und außerhalb ihrer möglichst plausibel vom Expansionsdrang der Wikinger und den Verteidigungsversuchen der Sachsen erzählt. Alexander Dreymon ist ein attraktiver Uthred, ein faszinierender, wiewohl beileibe nicht immer sympathischer Protagonist der für Gerechtigkeit, die Wiederherstellung seines Rufs und seine Ansprüche kämpft, der zwischen seinen beiden Identitäten hin-und hergerissen ist, und aus dem immer wieder die Härte eines Normannen hervorbricht. Die Serie wächst von Episode zu Episode, und am Ende der ersten Staffel kann man die zweite dann kaum erwarten. ALIVE

Ghost in the Shell: Na ja, der Shitstorm war beträchtlich. Animéfans zürnten, als bekannt wurde, dass Scarlett Johannson in Rupert Sanders‘ Spielfilmremake von „Ghost in the Shell“ die Hauptrolle spielen würde: Überfremdungskultur, feindliche Übernahme, Weißfärbung einer nicht weißen Figur- so lauteten die Vorwürfe. Nur, dass die Charaktere in der japanischen Trickfilmvorlage von 1995 nie sonderlich japanisch aussahen. Johannson jedenfalls zeigt, dass sie als Actionheroine einiges zu bieten hat. Ihre Androidin Major jagt den Superhacker Kuze (Michael Pitt), und stellt dabei immer mehr ihre hybride Menschmaschinennatur in Frage. Eine Sinn- und Selbstsuche in kraftvollen Actionszenen, ein Film für Leute, die gern große Augen machen. Die futuristische Stadt New Port City sieht jedenfalls überwältigend aus, Zentrum einer kalten Welt, die an Ridley Scotts „Blade Runner“ erinnert. Absolut erlebenswert! PARAMOUNT

The Affair, Staffel 2: Ein Mann wurde überfahren, der Schriftsteller Noah Solloway hat ein Motiv, der Tote hatte seiner Tochter Drogen angedreht. Und so muss er vor Gericht. In Rückblenden (in der ersten Staffel waren es Polizeiverhöre, diesmal Vorbereitungen des Prozesses) werden die Erinnerungen von Noah (Dominic West), seiner Ehefrau Helen (Maura Tierney), seiner Geliebten Alison (Ruth Wilson) und deren Ex Cole (Joshua Jackson) ausgebreitet, dessen Bruder Shaun der Tote ist. Eigentlich erzählt „The Affair“, wie sich das wirklich Passierte im Kopf der vier Betroffenen zu subjektiven Wahrheiten umformt, die zum Teil deutlich voneinander abweichen. Die Serienschöpfer Hagai Levi und Sarah Treem erzählen diesmal, wie sich die Liebenden Noah und Alison über den unerwarteten Erfolg von Noahs zweitem Roman wieder fremder werden. Eine eigentlich alltägliche Geschichte, die durch den Todesfall zu etwas Existentiellem erhoben wird, sickert in den Zuschauer ein wie ein Thriller und er muss auf der Suche nach Schuld überdies einiges Unangenehmes über die Flüchtigkeit des großen Gefühls Liebe und seinen größten Widersachers, des Egoismus, erfahren. PARAMOUNT

Kong – Skull Island: Als King Kong zum letzten Mal im (japanischen) Kino der Sechzigerjahre gegen das Drachenmonster Godzilla antrat, steckte unter dem Affenfell – Überraschung - ein riesiger Roboter mit niedlichen Kulleraugen. Der Zweikampf der bekanntesten prähistorischen Fantasymonster der Filmgeschichte soll in zwei Jahren wiederholt werden, diesmal mit einem echten Monstergorilla. Weil Peter Jacksons 25-Fuß-großer Kong von 2005 gerade ausreichen würde, um dem 300-Fuß-Echsenbiest aus Nippon die Füße zu pediküren, hat Hollywood jetzt einen 100-Meter-Affen erschaffen, der gegen Godzi zumindest den Hauch einer Chance haben könnte, und der in „Kong – Skull Island“ riesige Hubschrauber mit bloßen Händen zerknautscht. Der neue Superriesenaffe ist zweifelsohne ein Prachtkerl, der in der Zeit des späten Vietnamkriegs von Forschern, Militärs und einer Fotografin auf seiner Schädelinsel besucht wird, und den Kontakt mit zivilisierten Menschen wie alle seine Vorgänger bereut. Die Augen rollt in diesem Fall vor allem Samuel L. Jackson als Kommandant der rapide dezimierten Soldaten. Eine Actionsause liefert Regisseur Jordan Vogt-Roberts, die ansehnlich ist, aber erzählerisch allerdünnste Bretter bohrt. Dem Vergleich mit der klassischen, tragischen Kong-Geschichte von Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack hält diese Action-Adaption bei weitem nicht stand. WARNER

The Girl with all the Gifts: Colm McCarthy hat bislang vornehmlich Sachen fürs Fernsehen gedreht, Folgen von „Sherlock“, „Die Tudors“, „Ripper Street“, „Spooks“, „Doctor Who“ und „Peaky Blinders“. Sein zweiter Spielfilm nach „Outcast“ (2010) ist erneut ein Horrorstoff. Ein Pilz hat weite Teile der Menschheit in „Hungries“ verwandelt, zombieartige Lebewesen, die stundenlang wie narkoleptisch in den Straßen und Landschaften abhängen, bei lauten Geräuschen oder dem Duft des Lebendigen aber zähneklappernd und blitzschnell auf Tier- und Menschenjagd gehen. Eines Tages wird auch die Militärbasis von einem Heer Hungries überrannt, in der Miss Justineau (Gemma Arterton) eine Schar besonderer Kinder unterrichtet, die an Rollstühle gekettet im Klassenzimmer sitzen - kleine Zombies, denen intellektuelle Fähigkeiten geblieben sind. Mit Justineau, der kaltherzigen Laborleiterin Caldwell (Glenn Close) und Soldaten unter der Leitung des abgebrührten Sergeant Parks (Paddy Considine) flieht das freundliche Hungrie-Mädchen Melanie (Sennia Nanua in ihrem ersten Film) aus dem Chaos. Ein Mädchen, das von den Soldaten wie ein Ungeheuer behandelt, von der Wissenschaftlerin aber als möglicher Schlüssel für eine Therapie betrachtet wird – was sie nicht überleben würde. Der Weg in eine sichere Zone hält Grauenhaftes für den kleinen Trupp bereit. Das Horror-Subgenre Zombiefilm schien keine Überraschungen mehr bieten zu können, hier nun ist eine wahnsinnig spannende Ausnahme. Ein Film, der die Monster in neuem Lichte zu zeigt und der für den Zombiefilm das werden könnte, was „So finster die Nacht“ für den Vampirfilm ist. UNIVERSUM

Life: Der Mars. Gebannt schauen wir jedesmal auf Bilder seiner Oberfläche. Wir interpretieren Felsen, die wie Figuren aussehen, als Lebewesen. Wir glauben jenen Forschern gern, die in länglichen Vertiefungen ehemalige Flussbette sehen und daraus schlussfolgern: „Dort war Wasser, da war Leben.“ Der schwedischstämmige Regisseur Daniel Espinosa („Kind 44“) muss Ridley Scotts „Alien“ mehrfach gesehen haben, bevor er an die Arbeit zu „Life“ ging. Ablauf, Atmosphäre, Personal sind ähnlich, auch wenn die Leute auf der Internationalen Raumstation (ISS) kultivierter sind als weiland die Streithähne auf Scotts düster-rostigem Raumfrachter „Nostromo“. Sie fangen die Sonde „Mars Pilgrim“ auf, analysieren Bodenproben und finden einen borstigen Einzeller, der unter Glukose aus dem Jahrtausendschlaf erwacht. Dem ersten Alien begegnet die Menschheit also beim Blick auf den Objektträger eines Mikroskops. Schon bald ist der unsichtbare Winzling eine sichtbare, in der Petrischale tänzelnde Glasblume geworden, niedlich - bis der Organismus, den sie Calvin nennen, in den Verdrängungsmodus wechselt und mit der Eliminierung der Besatzung beginnt. Gut besetzt ist diese Raumstation: Hier fürchten unter anderem Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson und Ryan Reynolds um Leib und Leben. Und eine Vermutung steigt in ihnen auf, dass diese Spezies einst alles Sein auf dem Mars ausgelöscht haben könnte. Es geht ab jetzt nicht nur ums eigene Fortbestehen, sondern darum, dass Calvin unter keinen Umständen auf die Erde gelangen darf. Ist die erste Hälfte des Films noch gruselig und spannend, gelingt es Espinosa aber bald schon nicht mehr, sich vom großen Vorbild „Alien“ abzusetzen. Er beginnt Standardsituationen aneinanderzureihen: Ständig schweben seine Helden schwerelos in Lebensgefahr, es gibt die üblichen kleinen Fluchten durch die Schotts und immerfort klebt ihnen Calvin am Raumanzug. Im Weltraum nichts Neues – gegen Ende hängt der Film mangels Originalität schwer durch, und der Zuschauer gleich mit. Da kann der Weltuntergangssoundtrack von Jon Ekstrand auch noch so unheilvoll tröten. SONY

Once upon a Time, Staffel 4: Es war einmal eine unterhaltsame Serie vom Disneysender ABC, die hieß „Once upon a Time“, in der tummelten sich die Stars aus den großen Märchen in unserer Welt, verbannt durch die böse Königin aus Schneewittchen. Darunter befindet sich auch das von Robert Carlyle gespielte Rumpelstilzchen. Dieser jenseits des Märchenlandes Mr. Gold genannte Giftzwerg tut sich in der vierten Staffel mit den Fairytale-Finsterfrauen Ursula (Merrin Dungey), Cruella de Vil (Victoria Smurfit), and Maleficent (Kristin Bauer van Straten) zusammen, um von dem mysteriösen Märchenerzähler Henry ein Happy End verabreicht zu bekommen. Als diese Allianz geschmiedet wird, und die böse Königin Regina (Lana Parrilla)– wieder mit wahrsagendem Spiegel – noch einmal zu finsterer Form aufläuft, ist „Once“ über den Berg, und beinahe wieder so überraschungs-und intrigenreich wie in den Anfängen der Serie. Dagegen hängt die erste Hälfte, in der das Städtchen Storybrooke von den Eisschwestern Elsa und Anna heimgesucht und mit einer Eismauer umrundet wird, richtig durch – von schlaffen Dialogen bis hin zu tricktechnischen Effekten, die beinahe so plastikhaft aussehen wie die Planetenoberflächen und Monster in „Raumschiff Enterprise“. Zwar sind wir am Ende mit „Once“ versöhnt, nichts destotrotz müsste die Serie auf den Schlussatz aller Märchen zusteuern: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. TOUCHSTONE

Resident Evil – The Final Chapter: Damit die Geschichte auch im soundsovielten Aufguss interessant bleibt, ist jetzt alles ganz anders und der Zuschauer muss einiges an Widersinn schlucken. Der böse Dr. Isaacs (Iain Glen) ist doch noch am Leben, seine irrsinnig eindimensionale Boshaftigkeit ist jetzt mit religiösem Wahn überzuckert. Und die „Red Queen“, der Computer der Umbrella Corporation, die einst den Zombievirus in die Welt brachte, entpuppt sich als geheime Widerständlerin. Sie verrät der Heldin Alice, dass die 4872 überlebenden Menschen auf der Welt gerettet werden können, weil – simsalabim - die Umbrellas natürlich doch einen Gegenvirus erschaffen hatten. Der ist in den Tiefen des „Hive“ (Korb) genannten geheimen Herzgebäudes der Corporation verborgen – nahezu unmöglich zu erreichen. Ein temperamentvolles Actionfest bricht sich Bahn, „das letzte Kapitel meiner Geschichte“ wie Alice eingangs verrät. Die von Milla Jovovich gespielte, schöne Heroine ist bereit, sich selbst zu opfern für das Überleben der Menschheit. Zuvor hat sie wieder gegen Heerscharen von untoten und mutierte Raubtiere zu kämpfen. Es geht dabei über Stock, Stein und 50 Meter hohe Klippen. Und damit auch der Neueinsteiger im Publikum weiß, was ihm da im Kinosessel Schnappatmung verschafft, gibt es ein ausführliches „Was bisher geschah“. Ein Spektakel für Armageddonfreunde mit dünner, von Logiklöchern perforierter Story. „Du bist zwar schnell, aber unglaublich dumm“, sagt Alice einem Widersacher, bevor der ihrer Rache zuteil wird. Wenn Zuschauer mit Filmen sprechen würden, wäre das auch eine Anrede für „Resident Evil: The Final Chapter“. Und am Ende sind die Weichen gestellt für ein „last final chapter“. Na prima! CONSTANTIN

John Wick 2: Der frühere Auftragskiller John Wick will seinen Camaro wieder. Und als er ihn wieder hat sind Schüsse gefallen, Knochen gebrochen und dem wunderschönen schwarzen Wagen Wicks wurden sämtliche Knautschzonen geknautscht und die Fahrertür ausgerissen. Bis Wick dem osteuropäischen Mobster „mir“ (Russisch für „Frieden“) angeboten hat, sind 15 Minuten reiner Action an uns vorbeigezogen. Danach ist Wick fix und fertig, erinnert sich an seine schöne, verstorbene Frau und streichelt seinen Hund. Am nächsten Tag besucht ihn ein gefährlich aussehender Mann namens Santino D’Antonio und schiebt Wick ein silbernes Scheibchen rüber. „Wenn ein Mann die Schuldmünze einem anderen überreicht“, raunt der , „dann bindet er seine Seele an einen Blutschwur.“ Wick hält nichts von Bindungen, lehnt das Schuldbegleichen (die Ermordung von D’Antonios Schwester) ab, bekommt dafür umgehend das schöne Haus abgefackelt und lenkt ein. Die Erfüllung des Auftrags indes zieht nur neue Sorgen nach sich. Für Keanu Reeves ist die Figur des Ballermanns John im schussfesten Anzug eine Art Comeback gewesen. Wer allerdings außer Bleispuckereien auch mal gesprochenes Wort hören will, der geht nahezu leer aus. John Wick liquidiert und liquidiert und liquidiert. Die Gegner fallen um wie Pappkameraden, der Held (gewiss kein Sympathieträger) kriegt lange Zeit nur ein paar Kratzer ab oder wird auf eine Motorhaube geladen, was einem echten Kerl wie ihm höchstens zwei Beulen macht. So lächerlich männlich wie ein offener Hosenstall ist diese Gewaltorgie ab 18 zuweilen. Man muss sich schwer zusammenreißen, nicht laut loszuprusten. CONCORDE

Von Matthias Halbig

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