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Top-Thema Es geht nicht nur um Roboter
Sonntag Top-Thema Es geht nicht nur um Roboter
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12:52 01.04.2017
Flexibles, eigenverantwortliches Arbeiten ohne strenge Hierarchien – oder ein immer härterer Kampf um die Jobs, die noch nicht durch Roboter und Algorithmen ersetzt sind? Ein Blick auf die Arbeitswelt von morgen. Quelle: Microsoft
München

Selja Felkeneyer hat es sich auf der knallroten Couch bequem gemacht und beugt sich konzentriert über ihren Laptop. In einem Regal hinter ihr reihen sich Auszeichnungen aneinander, bunte Bälle in kleinen Röhrchen markieren den aktuellen Fortschritt eines Projekts. Locker verteilt sitzen Kollegen, im Sessel, am langen Gruppenschreibtisch, auch in der Kaffeeecke wird über aktuelle Aufgaben und künftige Vorhaben debattiert.

Fließend gehen Arbeitsbereiche, offene Räume, Verbindungsgänge ineinander über. 1900 Mitarbeiter suchen sich hier jeden Morgen einen neuen Arbeitsplatz. Keiner hat ein festes Büro, einen festen Schreibtisch oder gar feste Arbeitszeiten. In der Deutschlandzentrale des Computergiganten Microsoft im Münchner Stadtteil Schwabing wird die Zukunft bereits gelebt. Ist das schon die neue Welt des Arbeitens?

Heimatlos und doch aufgehoben

“Unsere Philosophie ist es nicht, die Mitarbeiter möglichst lange im Büro zu halten, sondern ihnen eine flexible Arbeitsumgebung zu bieten, damit sie ihre Zeit im Büro so effizient und produktiv wie möglich nutzen“, erklärt Personalchef Markus Köhler das Microsoft-Konzept. Heimatlos auf entindividualisierten 26 000 Quadratmetern – und doch aufgehoben in durchgestylten, hellen Räumen.

Entsprechend den wechselnden Anforderungen eines Arbeitstages herrscht auf den Etagen – die übrigens von den Experten des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation gestaltet worden sind – reges Treiben. Mitarbeiter huschen mit Laptop oder Tablet durch die Gänge, manche telefonieren in gläsernen Kabinen mit Kunden, andere lassen sich zum entspannten Austausch in einer Lounge mit weichen Sofas nieder.

Keine festen Büros aus Prinzip: Marketingmanagerin Selja Felkeneyer ist überzeugt, dass die flexiblen Arbeitszeiten und -plätze bei Mircosoft für mehr Produktivität sorgen. Quelle: Microsoft

Auch die 27-jährige Selja Felkeneyer zieht um, eine Teambesprechung am Stehtisch ist angesetzt. Der fließende Wechsel zwischen den Arbeitsplätzen ist gewollt: Jeder soll genau die Umgebung zur Verfügung haben, die gerade benötigt wird. Für spontane Meetings stehen Konferenzräume bereit, auf überall verteilten “Surface Hubs“ – Bildschirmen, die etwa als Whiteboard oder Videowand dienen – werden die nächsten Projekte skizziert. Auch der Chef muss so leben, selbst die höheren Führungsetagen verfügen über keine eigenen Büros, pendeln je nach Aufgabenlage zwischen Arbeitsplätzen hin und her.

Die Gestaltung des Tages bleibt den Angestellten selbst überlassen, feste Arbeitszeiten sind nicht vorgeschrieben. “Es gibt heute keine klare Trennung mehr, die Work-Life-Balance ist das alte Modell“, sagt Markus Köhler. Microsoft setzt stattdessen auf den Work-Life-Flow: Arbeit und Alltag sollen optimal ineinandergreifen, den Mitarbeitern viel Flexibilität gestatten, auch das Arbeiten vom Wohnzimmer aus ist ausdrücklich erlaubt. Entsprechend arbeiten zwar manche nach wie vor von 9 bis 17 Uhr, der Großteil ist jedoch nur sporadisch vor Ort.

Selja Felkeneyers Arbeitstage beginnen manchmal erst zur Mittagszeit. Den Vormittag nutzt die Marketingmanagerin für einen Abstecher ins Fitnessstudio, macht sich dann im Büro an die Arbeit – und setzt sich am Abend zu Hause noch einmal hinter den Laptop. “Ich möchte meine Zeit nicht mit Stempelkarte absitzen, sondern die Arbeit flexibel einteilen“, sagt sie. “So bin ich deutlich produktiver.“

“Die Arbeit wird überall sein“: Markus Köhler, Personalchef bei Microsoft in München. Quelle: Alex Schelbert

Einen Chef im eigentlichen Sinne hat Felkeneyer nicht. “Wir arbeiten, wo möglich, hierarchieübergreifend“, sagt Markus Köhler, auch wenn strategische Entscheidungen noch klassisch im Führungszirkel getroffen werden. Im Tagesgeschäft zählt aber vor allem der individuelle Beitrag jedes Mitarbeiters.

Die große Flexibilität und die weltweite Tätigkeit bedeuten aber auch, dass die Mitarbeiter fast durchgängig verfügbar sind. Wenn in München der Feierabend eingeläutet wird, hat die Arbeit in den USA schließlich gerade erst begonnen. Allerdings, so schränkt Köhler ein: “Einen Always-On-Zwang lehnen wir ab.“ So kann auch der 47-Jährige abends die Kinder ins Bett bringen, ohne ständig Mails auf dem Smartphone zu checken.

Die Digitalisierung sieht Köhler eher positiv – nicht nur wegen seiner Anstellung bei einem IT-Konzern. Für die Büroarbeit sei sie jedenfalls ein Gewinn. “Jede Entwicklung, die uns alltägliche Dinge abnimmt, schafft mehr Raum für Kreativität.“ Aber er weiß auch: Das Konzept des permanenten Umzugs bei Microsoft funktioniert nur, weil es hier rein baulich sehr viel Raum gibt – und weil in diesem Geschäft keiner mehr als Laptop und Mobiltelefon zum Arbeiten braucht.

Erstmal lernen, wie es geht

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: „Wir stehen erst am Anfang der Veränderungen.“ Quelle: dpa

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat ein genaues Bild davon, wie die Arbeit im Jahr 2050 aussehen wird: “Da ist der kreative Wissensarbeiter, der am See sitzt, den Laptop auf dem Schoß. Oder die Arbeiterin in der Produktion, die per App ihre gewünschten Schichtzeiten für die nächste Woche in den Organisationsplan einträgt“, schreibt die Sozialdemokratin im Vorwort ihres Weißbuchs zum Thema Arbeit 4.0.

Für das Weißbuch hat das Arbeitsministerium Verbände, Gewerkschaften und Unternehmen um Stellungnahmen zur Zukunft der Arbeit gebeten und in zahlreichen Workshops und Themenveranstaltungen auch die Meinung der Bürger eingeholt. Genaue Antworten gibt es bislang aber nicht. Drängende Fragen seien, wie sich Betriebe in Zukunft aufstellen müssten, wie Menschen ihre Arbeitszeit organisieren wollen und wie faire Verträge aussehen könnten, sagt Nahles.

Man stehe allerdings erst am Anfang der Veränderung, gibt die Ministerin zu. Noch kneife das Arbeitszeitgesetz, die Wünsche nach flexiblen Zeiten und Arbeitsorten könnten noch längst nicht erfüllt werden. “Wir arbeiten an passgenauen Regelungen für die Betriebe“, sagt Nahles. Die Arbeitnehmer müssten aber immer am Entwicklungsprozess beteiligt werden. “Wir lernen vor Ort, in unseren Betrieben, wie wir mit neuen Technologien und der Digitalisierung arbeiten“, so die Ministerin. Für die Weiterbildung gebe es zwar noch keine einheitliche Strategie, aber: “Viele Betriebe entwickeln schon jetzt Einzelinitiativen.“

Wir arbeiten, um ein Teil der Gesellschaft sein

Zukunftsforscherin Cornelia Daheim: „Arbeit wird nicht mehr Mittel zum Zweck oder Statuserwerb sein.“ Quelle: Arnd Drifte

Wir arbeiten nicht mehr für Geld. Zumindest nicht für Geld, das unsere Existenz sichert. Nur für Geld, das uns zusätzlichen Luxus erlaubt. Vor allem aber arbeiten wir, um uns selbst weiterzuentwickeln, Erfüllung zu finden, uns sinnvoll zu betätigen. “Arbeit ist 2050 in einem positiven Szenario nicht mehr Mittel zum Zweck oder zum Status, sondern orientiert sich an persönlichen Interessen, an einem Beitrag zum Gemeinwohl“, sagt Zukunftsforscherin Cornelia Daheim. Eine schöne Utopie? “Das ist eins der radikalen Szenarien, aber eines, das sich traut, so weit zu denken“, sagt Daheim. “Arbeit ist dann etwas, das ich aktiv aussuche, weil ich verbunden sein will mit einer Gemeinschaft. Damit das so eintreten kann, bräuchte es aber eine ganz andere Organisation von Grundsicherung.“

Sollte es ein Grundeinkommen geben, wird es zwar immer noch Menschen geben, die nicht arbeiten – diese sind dann aber trotzdem versorgt. Bleiben Arbeitsformen und Sozialsysteme aber bestehen wie heute und entwickeln sich nicht weiter, könnte die Arbeitslosigkeit bis 2050 schrittweise auf 24 oder mehr Prozent steigen, prognostiziert die Delphi-Studie “2050: Die Zukunft der Arbeit“, an der 298 internationale Experten, darunter Daheim, mitgearbeitet haben. Allerdings: Auch in Zukunft werden sich durch die Digitalisierung neue Jobs entwickeln und nicht nur alte wegfallen.

Dass auch Arbeitsformen und -werte von heute nicht stagnieren, sondern sich weiterentwickeln, sei allein schon an der jüngeren Generation – den sogenannten Millennials – erkennbar, sagt Daheim: “Schon denen sind Sinn und Erfüllung in der Arbeit wichtiger als ein schneller Aufstieg und hohe Gehälter.“ Mit dem Grundgehalt bekäme jeder einen fixen Geldbetrag, der sein Überleben sichert – ob er arbeitet oder nicht. Fehlt dann nicht die Motivation, überhaupt etwas zu tun? “Man sieht in den meisten Industrieländern, die schon eine Art Grundsicherung haben, und aus den Erfahrungen mit Grundeinkommenstests, dass die meisten Menschen an der Gesellschaft teilhaben und sich weiterentwickeln wollen“, sagt Daheim.

Vom Tagelöhner zum Crowdworker

Den frustrierenden Stapel an monatelang angesammelten Projekten und Aufgaben gibt es nicht mehr. Was es zu tun gibt, zerlegen die Unternehmen im Jahr 2050 in kleine Häppchen, die sie auf Internetplattformen einer weltweit allzeit bereiten Masse von Selbstständigen anbieten. Ob die Putzhilfe für einen Tag oder der IT-Fachmann für die Datensammlung – für jedes Projekt und jede kurzzeitige Beschäftigung lässt sich auf diesem Weg der am besten geeignete Mitarbeiter finden. Doch nicht nur wer Arbeitskraft sucht, wird fündig.

Selbstständige – und von denen wird es immer mehr geben – können sich in diesem System je nach Zeit und Fachkompetenz auf Projekte bewerben. Diese sogenannten Crowdworker hat Karl-Heinz Brandl von der Gewerkschaft Verdi schon heute im Blick. Es gebe immer mehr Plattformen, die in den Weiten des Internets nach Reinigungskräften, Umzugshelfern, Projektmanagern oder einfach nur nach guten Ideen suchten, sagt der Leiter des Bereichs Innovation und gute Arbeit.

Karl-Heinz Brandl von Verdi: “Wir brauchen vernünftige Regelungen, sonst wird Lohndumping betrieben." Quelle: Verdi

Das klingt verlockend nach Unabhängigkeit – bleibt da womöglich die Loyalität gegenüber dem Arbeitnehmer auf der Strecke? “Man braucht für die internetbasierten Aufträge vernünftige Regelungen. Sonst wird Lohndumping betrieben“, sagt Brandl. Es dürfe nicht der Grundsatz gelten: “Wer am wenigsten verlangt, bekommt den Job.“ Da ist auch die Gesellschaft insgesamt in der Pflicht. Die Politik, glaubt Brandl, müsse sich darum kümmern, dass die Plattformen mit ihren Crowdworkern faire Kurzzeitverträge aushandelten.

Das “Crowdsourcing“ – das Auslagern interner Arbeit ins Internet – finde schon heute in unterschiedlichen Branchen statt. Der Onlineshop Zalando etwa sucht über die Plattform Jomondo nach Textern, die Deutsche Bank hat einen Design-Wettbewerb auf der Plattform Jovoto durchgeführt, und die Deutsche Telekom AG hat ihr Produkt Entertain-TV mit Unterstützung von Crowdworkern testen lassen.

Kollege Roboter und die Fabrik der Zukunft

Vergessen ist die mühsame Plackerei im Akkord, die Arbeiter im Jahr 2050 arbeiten Hand in Hand mit Robotern. Der mechanische Kollege reicht Werkzeuge an, hebt schwere Bauteile rückenschonend in genau die richtige Position und Höhe. Autonom fahrende Transportsysteme und Drohnen bringen die benötigten Teile punktgenau zur jeweiligen Montagestation. Per Datenbrille lässt sich der Mitarbeiter Bauteile, Baupläne und Trainingsvideos bei der laufenden Montage anzeigen, ein 3-D-Metall-Drucker fertigt nach Bedarf neue Teile.

All das wird bereits heute beim Autobauer Audi erprobt und soll mittelfristig seinen Weg in die alltägliche Produktion finden. “Irgendwann werden die kooperierenden Roboter so selbstverständlich sein wie ein Akkuschrauber“, glaubt Werksleiter Albert Mayer. Das stellt auch neue Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung der nachwachsenden Arbeitergenerationen. Denn verdrängt werden soll der Mensch von der Technik nicht, wie auch Zukunftsforscherin Cornelia Daheim betont: “Es braucht immer jemanden, der die Maschinen steuert und überwacht.“

Entsprechend schulen die Azubis bei Audi schon jetzt nicht nur ihr mechanisches, sondern auch ihr digitales Verständnis – und lernen mobil. Per Tablet werden nötige Informationen genau an dem Ort abgerufen, an dem sie gerade relevant sind. Fachinformatiker greifen den Mechatronikern zusätzlich unter die Arme. Auch Experten in den Bereichen maschinelles Lernen, Cloud-Computing oder Datenanalyse sollen vermehrt in den Fabrikhallen zu finden sein – damit die Symbiose von Mensch und Maschine gelingt.

Neue Berufe, neue Chancen

Neue Raumkonzepte für neue Arbeitsmethoden: Bei Unitymedia spiegeln sich die agilen Arbeitsprozesse auch in einer flexiblen, bedarfsorientierten Einrichtung wieder. Quelle: AKIM photography

“Trifft ein Ethik-Algorithmiker auf einen Virtual Designer…“: Das ist kein Witz, sondern ein gar nicht so unwahrscheinliches Szenario der näheren Zukunft. Die Digitalisierung ändert nicht nur Arbeitsbedingungen, sie schafft auch neue Berufsfelder. Der Ethik-Algorithmiker etwa würde Algorithmen nicht nur übersetzen, sondern sich auch unter ethischen Gesichtspunkten mit ihnen auseinandersetzen: Wer passt darauf auf, dass Daten über meine Internetabfragen, meine Einkäufe, meine Reisebuchungen nicht weitergereicht werden an die Menschen oder Firmen, denen ich nie im Leben Persönliches anvertrauen würde? Wo wird der Mensch durch mathematische Formeln ersetzt?

Die Aufgabe des Virtual Designer wäre es, virtuelle Räume zu gestalten. “Realistisch sind auch Psychologen, die an der Schnittstelle zwischen Maschine und Mensch arbeiten, das emotionale Verhalten des Menschen in Technik übersetzen“, sagt Zukunftsforscherin Cornelia Daheim. Was es schon gibt: Scrum Masters und Agile Coaches. Sie arbeiten bereits bei Unternehmen wie bei Unitymedia, einem großen Kabelnetzbetreiber und sollen die immer schnelleren, innovativen Verfahren im Projektmanagement aktiv begleiten – nicht erst am Ende das Ergebnis überprüfen, sondern zwischendurch Fortschritte austesten , erklärt Karl-Heinz Reitz, Leiter für Organisationsentwicklung in dem Unternehmen.

Schon jetzt fransen die Grenzen aus, klare Jobbeschreibungen gibt es immer seltener. “Ich bin Personaler, aber gleichzeitig Unternehmensgestalter“, sagt Reitz. Ganz schön verwirrend. So stellt denn auch die Delphi-Studie die These auf, dass in 30 Jahren Metakompetenzen enorm wichtig sein werden, die beim Navigieren durch die unbeständigen Arbeitsmärkte helfen. Spinnt man das weiter, könnten sich auch Berufe wie der Steuerverwalter oder der Bundespolizist so verändern, dass sich das Beamtentum auflöst. Immerhin: “Bei uns im Callcenter sitzen noch echte Menschen, die mit den Kunden sprechen“, sagt Reitz. Dass das 2050 immer noch so ist, kann er nicht versprechen.

Der Chef ist ein Mann von gestern

Martin Herrndorf, Mitgründer des Co-Working-Spaces Colabor: “In der Gruppe kann man einander helfen, in der neuen Arbeitswelt zurechtzukommen.“ Quelle: Colabor

Erst mal den Chef fragen, ob das so geht? Das hierarchische Modell ist schon jetzt in der Auflösung begriffen. Jedenfalls in manchen Unternehmen. 2050 wird es kaum noch existieren. “Der Chef fällt dann weg“, sagt Zukunftsforscherein Cornelia Daheim. Das Verständnis traditioneller Führung werde immer mehr infrage gestellt. Was 2050 Normalität sein wird, ist in Ansätzen schon bei Kabelnetzbetreiber Unitymedia erkennbar. “Wir haben uns 2012 für flache Hierarchien entschieden“, sagt Organisationsentwickler Karl-Heinz Reitz. In der Firma gehe es nicht mehr um den Titel eines Mitarbeiters, sondern um Kompetenzen, sagt er.

Gearbeitet wird überwiegend auf Projektbasis, mit wechselnden Teams. Eine “servant leadership“ (deutsch: dienende Führung) werde praktiziert, die Führungspersonen – ganz weggefallen sind sie noch nicht – stehen im Dienst der Mitarbeiter, indem sie deren Kompetenzen fördern, sie zu Leistung motivieren. Der Abteilungsleiter sitzt wie alle anderen in einem offenen Arbeitsraum, hat kein eigenes Büro.

Der Arbeitsmarkt wird spannend, aber ungemütlich

Offene Räume gehören auch zu Co-Working-Spaces wie dem Kölner Colabor: Darin kommen Menschen aus verschiedenen Arbeitsbereichen zusammen, vom Freiberufler bis zum Unternehmensmitarbeiter. Während Erstere ihr eigener Chef sind, haben Letztere zwar noch einen Vorgesetzten, doch die Strukturen lösen sich auf. “Statt der klassischen Kultur des Abarbeitens von Aufträgen wird freier und kreativer agiert“, sagt Martin Herrndorf, Mitbegründer des Co­labors.

Der Arbeitsmarkt werde spannender, aber auch ungemütlicher, weil er weniger Halt biete. Eine Möglichkeit, das abzupuffern, bieten die Co-Working-Spaces: “In der Gruppe kann man sich austauschen und einander helfen, in der neuen Arbeitswelt zurechtzukommen“, sagt Herrndorf – und sieht sie als Zukunftsmodell an. “Es wird eine Mischung vieler verschiedener Arbeitsmodelle eintreten“, prognostiziert auch Daheim für 2050. Traditionelle Unternehmen, Firmen mit aufgelösten Strukturen, Co-Working-Spaces werden nebeneinander existieren.

Von Linda Tonn, Hannah Schweiwe und Bastian Fischer

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