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Ich sammle mich reich

Sammeln als Geldanlage Ich sammle mich reich

Was ist meine Micky-Maus-Erstausgabe wert? Was bringt der alte Benz in 20 Jahren? Soll ich noch ein bisschen Wald kaufen? In Deutschland ist die Sammelwut ausgebrochen. Als Alternative zu Aktien und Investmentfonds. Lohnt sich das?

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Entmachten uns die Maschinen?


Quelle: Shutterstock

Hannover.  

Professor Hutter, gesammelt haben die Leute schon immer, aber plötzlich wird mit dem Unmöglichsten Geld gemacht – von Spielzeugschachteln bis zu Turnschuhen. Warum werden aus Marotten plötzlich Märkte?

Weil es einfacher geworden ist. Ein großes Hindernis bei Märkten sind die sogenannten Transaktionskosten: Man muss erstmal herausfinden, wer das Objekt hat, das man selbst gern hätte – oder wen etwas interessiert, was ich noch im Keller habe. Das war lange so mühsam, dass es eben beim stillen Hobby blieb. Erst die digitalen Medien haben den Aufwand dramatisch gesenkt. Das ist das Ebay-Phänomen: Käufer gibt es plötzlich überall in der Welt.

Da scheint sich ein echter Boom zu entwickeln. Offenbar kann man mit vielen Liebhabereien Schätze sammeln.

Ach, da bin ich skeptisch. Man hört immer nur die Geschichten von den Spitzenobjekten. Die werden dann in den Medien verbreitet, und man bekommt das Gefühl, dass es überall passiert. Wir nehmen eben das besonders wahr, was aus dem Erwartbaren fällt. In der Kunst machen die Rekordauktionen Schlagzeilen, aber das untere und mittlere Preissegment bleibt davon weitgehend unberührt.

Wegen der niedrigen Zinsen suchen viele Menschen andere Anlagemöglichkeiten. Spürt man das im Kunstmarkt?

Wir reden jetzt von Vermögen jenseits der Million. Wohlhabende nehmen plötzlich Alternativen in den Blick und schauen mehr auf Sachwerte – Immobilien, aber auch Kunst. Außerdem ist in vielen Teilen der Welt in den vergangenen Jahrzehnten der Wohlstand gewachsen. Die Nachfrage nimmt zu, und das Angebot lässt sich schlecht steigern. Also steigen die Preise. Es ist die Spezialität mancher Kunsthändler, Objekte aufzutun und die Eigentümer zum Verkauf zu bewegen.

Das gilt bei toten Künstlern. Lebende malen weiter.

Richtig, die können das Angebot beliebig steigern. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit eines Wertgewinns bei zeitgenössischer Kunst noch geringer. Nach Renditemaßstäben überlebt kaum ein Maler das erste Jahrzehnt. Es kommen gerade viele Bilder auf den Markt, die seit den Sechzigern im Bungalow an der Wand hingen. Jetzt wollen die Erben verkaufen und stellen fest, dass der damals angesagte Künstler gar nicht gefragt ist.

Kunst ist also kein Selbstläufer?

Ich wage mal zu behaupten, dass 90 Prozent aller Kunstwerke nicht zum Anlageobjekt taugen. Da liegt der Wert allein im Dekorativen. Aber es redet natürlich niemand über seinen Wertverlust. Deswegen ist die Außenwahrnehmung des Kunstmarkts im Grunde systematisch verzerrt. Die Künstler haben kein Interesse, über Flops zu reden, die Galeristen erst recht nicht und die Käufer auch nicht. Schließlich wurde mal viel Geld für das Werk ausgegeben, und man will doch nicht blöd gewesen sein. Das ist ein bisschen wie bei Beziehungen: Man gesteht sich das Scheitern ungern ein.

Es ist bei dieser Art der Geldanlage also eine Menge Emotion im Spiel?

Es fängt schon mit der Frage an: Was will ich haben? Wo gebe ich die ersten Tausender meiner Sammlerkarriere aus? Man muss eine Wahl treffen und bewusst – auch nach außen – sagen: Das ist es mir wert. Wenn die Wertentwicklung enttäuscht, bleibt dann jedenfalls der Spaß an der Sache. Von Kunst kann man jeden Tag etwas haben, das ist ein wesentlicher Teil des Ertrags. Und es hat ja auch was Glamouröses: Man kann die Errungenschaft vorführen, wird als Sammler selbst zu Kunst-Events eingeladen. Drei Prozent Rendite sind dagegen doch langweilig. Deshalb funktionieren die Kunstfonds nach meinem Eindruck auch nicht.

Wie Aktien- oder Immobilienfonds? Man kauft Anteile an Bildern?

An ganzen Sammlungen. Aber das hat eben seine Tücken. Zum einen hat man nicht die Freude am Gemälde zu Hause, zum anderen ähnelt das Prinzip eher geschlossenen Immobilienfonds. Die Anteile werden nicht an der Börse gehandelt, sondern am Ende der Laufzeit wird das Fondsvermögen verkauft und der Erlös unter den Anteilsbesitzern verteilt. Wenn der Kunstmarkt dann gerade im Keller ist oder der Sammlungsschwerpunkt aus der Mode gekommen, sieht es schlecht aus. Abgesehen davon reagiert der Markt extrem anfällig auf plötzliche Mengen. Wenn ein Fonds drei, vier Bilder des gleichen Malers oder der gleichen Kunstrichtung zu Geld machen muss, kommen die Preise schnell ins Rutschen. Darunter können auch andere Marktsegmente leiden.

Sie sprachen eben vom Glamourösen. Ist den Sammlern das Halligalli wichtiger als das Bild?

Das streut extrem. Es gibt erstaunlich viele Sammler in wenig aufregenden Gebieten – Niederländer des 17. Jahrhunderts, Grafiken einzelner Epochen.

Kein Glamour ...

Nein, aber je mehr man darüber lernt, desto interessanter wird es. Und wenn dann ein seltenes Stück auf den Markt kommt, wird das plötzlich eine ungeheuer wichtige Sache. Es sind nicht umsonst dicke Bücher über die Psychologie des Sammelns geschrieben worden. Auf der anderen Seite gibt es die Sammler, die vor allem das soziale Gefühl schätzen. Die Kunstwelt hat ein ganz feines System von Exklusivitätsstufen entwickelt. Da wird man vor Messen wie der Art Basel zur Preview eingeladen und findet das toll. Aber es gibt davor noch die Pre-Preview, und vor der kommt ein Dinner für den ganz erlesenen Kreis. Das ist dann sozialer Aufstieg in Sammlerkreisen.

Demnach machen die Bilder selbst höchstens einen Teil des Werts aus?

Es gibt bei den Sammlern ganz unterschiedliche Dispositionen. Der Statusgewinn spielt aber bei den meisten eine sehr große Rolle. Die Geschichten von spektakulären Verkäufen und Traumrenditen liefern dann eher die vermeintlich rationale Legitimation.

Lässt sich das Prinzip auf andere Objekte übertragen? Das Kunstwerk scheint in diesem Spiel ja weitgehend austauschbar zu sein.

Es geht darum, ein Gefühl von Exklusivität zu schaffen, eine Exklusivitätsbarriere, die nicht jeder beliebig überspringen kann. Die Sache muss selten sein, und sie muss etwas Anreizendes haben.

Nun kann man Bilder ansehen. Aber manche Sammlerstücke behalten ihren Wert nur, wenn sie nicht genutzt werden. Uhren liegen im Safe, Spielzeugkartons werden nicht geöffnet. Können Sie das erklären?

Manches Bild liegt auch im Safe oder in einem Zollfreilager in Genf oder Hongkong, weil die Einfuhr extrem teuer wäre. Da kann der Besitzer hingehen und es sich anschauen. Das Spielzeug liegt ehrlich gesagt ein bisschen außerhalb meiner Beobachtung, aber man könnte es in der Kunst mit der Provenienz vergleichen: Wenn man die Geschichte eines Werks genau kennt und weiß, wo es vorher war, steigert das die Seltenheit. Es schafft auch einen persönlichen Bezug. Wie wertvoll der ist, sehen Sie auch bei Oldtimern.

Die Menschen verbinden damit mehr?

Die Preise alter Autos sind in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Kunstpreise. Ich glaube, das liegt daran, dass zum Beispiel mittelständische Unternehmer mit entsprechendem Vermögen mehr Affinität zu Autos haben. Mit Uhren ist das ähnlich. Es spielen auch traditionellere Wertvorstellungen eine Rolle. Sie finden nachprüfbare technische Eigenschaften, die die Wertentwicklung wahrscheinlich beeinflussen werden.

Man kann die exotische Geldanlage also auch etwas konservativer angehen.

Wenn Sammler an einen Wertzuwachs glauben, tun sie das in einer simplen Annahme: Es müssen auch in Zukunft Menschen da sein, die ähnlich ticken wie sie. Das ist bei grundlegenden Errungenschaften wie Kunst und Technik wahrscheinlich. Der Rest ist vergänglich.

Schlechte Aussichten also für Lego-Sammler.

Bei den günstigeren Objekten spielt die eigene Biografie eine wichtige Rolle. Die Menschen wollen etwas nachholen, was sie früher nicht hatten, oder sich an bessere Zeiten erinnern. Das ist generationsspezifisch und kann sich entsprechend lang halten. Aber am Ende bleiben es Geschmacksphänomene.

Ist die aktuelle Blüte solcher Sammlermärkte ein Zeitphänomen?

Sicher spielt auch die Digitalisierung eine Rolle, vieles ist nur noch virtuell. In der Musik steigt die Nachfrage nach Live-Events, die Leute suchen Inszenierungen und wollen Teil davon sein. Digital kann man alles haben, live nicht.

Eins müssen wir jetzt noch klären, Herr Hutter: Sammeln Sie selbst?

Ich habe eine kleine Sammlung afrikanischer Masken und einige Bilder befreundeter Maler. Die haben so zwischen 500 und 1000 Euro gekostet und werden sich wohl nicht mit Gewinn verkaufen lassen. Ich würde eher von Gelegenheitsfunden sprechen.

Auch wenn der Einsatz überschaubar ist: Bei afrikanischen Masken ist nun wirklich viel Ramsch unterwegs. Liegt man da nicht leicht daneben?

Man bekommt relativ schnell einen Blick dafür, das ist für mich der eigentliche Gewinn beim Sammeln. Ich habe vor Jahren mal einen Trödler in Amsterdam erlebt, der hat sich an einen Spaß draus gemacht, an alle Masken das gleiche Preisschild zu kleben – egal, ob echt oder falsch. Und dann hat er beobachtet, wer die echten nimmt und wer den Flughafenschrott.

Zur Person: Michael Hutter

Ein Ökonom und Freund der Kunst

Ein Ökonom und Freund der Kunst: Michael Hutter

Quelle: privat

Michael Hutter, Professor emeritus des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, beobachtet den Kunstmarkt seit Jahrzehnten – unter ökonomischen Gesichtspunkten. Zuletzt als Direktor der Abteilung “Kulturelle Quellen von Neuheit“ hat sich der Ökonom und Soziologe intensiv mit der welchselseitigen Abhängigkeit von Wirtschaft und Kunst befasst. Hutter, Jahrgang 1948, ist gebürtiger Münchner, hat zunächst Mathematik und Wirtschaft in München und in Seattle, Washington, studiert. In Forschung und Lehre unter anderem an der Universität Witten/Herdecke hat er sich für Grenzüberschreitungen starkgemacht – und Recht, Soziologie sowie Kunstgeschichte in einen Kontext mit der Wirtschaft gestellt. Sein jüngstes Buch “Ernste Spiele. Geschichten vom Aufstieg des Ästhetischen Kapitalismus“ ist 2015 erschienen.

Was lohnt sich, was nicht: Sammelobjekte mit Potenzial

Witzige Wertpapiere: Comics

Alte Comics müssen nicht blütenweiß und unberührt aussehen,um viel Geld wert zu sein. Als sie auf noch stark holzhaltigem Gilbpapier veröffentlicht wurden, dachte keiner an eine Wertanlage, die Heftchen wurden von ganzen Schulklassen gelesen, von einem zum anderen weitergereicht, eher achtlos behandelt und mit Eselsohren bestückt. Trotzdem gilt natürlich auch hier: je besser erhalten (von „mint“, also wie unbenutzt, bis „poor“, also in schlechtem Zustand) und je niedriger die Nummerierung, desto wertvoller das Exemplar.

Hefte aus der Spitzenklasse kosten kleine, manchmal sogar große Vermögen: 2006 wollte ein amerikanischer Comicladen 14 400 Dollar für das erste Heft der “Fantastischen Vier“ von 1961 haben. Für die erste Ausgabe der “Action Comics“ vom Juni 1938 (mit dem ersten Auftritt von Superman) muss man heute sogar 3,3 Millionen Dollar hinblättern. Ordentliche Wertsteigerungen für die einstige Groschenware – gäbe es so etwas wie einen verlässlichen Markt. Die Preise in Katalogen sind eher Schätzungen; gelegentlich werden – vor allem in den Vereinigten Staaten, wo Comics als Kunstform gelten – tatsächlich astronomische Summen eingestrichen, in Deutschland eher selten. Bei uns gilt: Comics sammelt man, weil man sie liebt, nicht weil man Rendite machen will.

Laufend investieren: Sneaker

Begehrte Sammlerstücke

Begehrte Sammlerstücke: Turnschuhe können – wenn Modell und Hersteller stimmen – hohe Renditen bringen.

Quelle: Hersteller

Sie heißen Air Jordan oder Yeezy Boost, werden in Museen ausgestellt und sind mittlerweile sogar zum Anzug akzeptiert – oder zumindest geduldet: Sneaker haben sich vom bloßen Turnschuh zum Kultobjekt entwickelt. Sie sind nicht nur bei Sportliebhabern begehrte Sammlerstücke. Auch Anleger setzen auf das modische Schuhwerk – und erreichen Renditen im hohen zwei- oder sogar dreistelligen Bereich. So wurden etwa die alten Sportschuhe des ehemaligen US-Basketballprofis Robert Parish mit Autogramm für 38 000 Dollar gehandelt. Neben den sogenannten Sneakerheads, den leidenschaftlichen Turnschuhsammlern, mischen auch professionelle Händler im Wettbewerb um die wertvollsten Treter mit.

Vor allem die Neuauflagen von Klassikern wie dem Nike Airmax werden auf Sneakerbörsen hoch gehandelt. Dazu verkaufen die wichtigen Marken ihre neuen Modelle in ausgesuchten Shops in limitierter Anzahl – und die landen umgehend ungetragen im Internet. Hier werden sie für ein Vielfaches weiterverkauft. Der jährliche Umsatz dieser Wiederverkäufer wird auf bis zu 6 Milliarden Euro weltweit geschätzt. Der Tummelplatz der Sneakerheads und Turnschuhinvestoren ist die Onlinebörse Stockx. Die Plattform, in die längst auch Leute wie Hip-Hopper Eminem, Schauspieler Mark Wahlberg und US-Footballstar Joe Haden investiert haben, ist wie eine Investmentbörse aufgebaut. Hier kann man sehen, welcher Schuh gerade hoch im Kurs steht – und welcher Hersteller.

Rundum reich: Schallplatten

Musikalisch mögen Streamingdienste dem Vinyl den Rang abgelaufen haben – als Investition aber längst nicht. „Wer Musik liebt und Ahnung hat, für den können Schallplatten durchaus eine Wertanlage werden“, weiß Karsten Seifert (52), der seit seiner Jugend Tonträger sammelt. Klar wurde ihm das vor einigen Jahren in einem Plattenladen in Groningen, als er ein Vinyl-Exemplar von Neil Youngs Album “Harvest“ von 1972 in der Auslage fand: Topzustand – 75 Euro. Das einzige Album der britischen Band Jerusalem aus demselben Jahr, das jahrelang für fünf Euro auf allen Grabbeltischen lag, erwarb er für 120 Euro. Inzwischen wird das englische Original zwischen 690 und 900 Euro gehandelt. So hohe Preise erzielen freilich nur Vinyl-Erstpressungen im “Mint“-Zustand – wenn die Platte selbst, das Cover und eventuell beigefügte Gimmicks so erhalten sind, als hätte man das Album gestern im Laden gekauft. Bewahrt man diesen Zustand, steigt es, meint Seifert, vom Kauftag an im Wert.

Das heißt nun nicht, dass man diese Platten nie abspielen kann; aber es braucht dazu gute Tonabnehmer und vorsichtige Finger. Echte Schnäppchen werden allerdings weniger, die Preise auf der weltweiten Internet-Datenbank Discogs werden immer mehr auch von den Second-Hand-Plattenhändlern als Richtschnur genutzt. Auch der Ruf der CD als Ramschware wandelt sich derzeit übrigens zum Sammlerobjekt. Je nach Titel und Pressung können auch hier schon stattliche Preise erzielt werden.

Garagengold: Oldtimer

Wertanlage für Experten und finanzkräftige Liebhaber

Wertanlage für Experten und finanzkräftige Liebhaber: Das Mercedes-Benz 190 SL Cabrio.

Quelle: Wikipedia/Aida200400

Es gibt sie noch, die Autos mit Charakter, einem Motor, der ziemlich viel Benzin schluckt, und Stoßstangen aus Chrom, die nicht den kleinsten Kratzer haben dürfen. Oldtimer gelten als Liebhaberobjekte von Hobbyschraubern, die ihre Wochenenden im ölverschmierten Blaumann und mit Politurtuch in der Hand verbringen. Doch Oldtimer können auch eine Wertanlage sein. Allerdings ist nicht jeder Wagen, der älter als 30 Jahre ist und somit ein H-Kennzeichen tragen darf, auch automatisch wertvoll. So mancher liebevoll gehütete Mercedes 123 oder Audi 80 frisst dem Halter eher die Haare vom Kopf, als dass er an Wert gewinnt.

Allerdings: 2015 stiegen die Preise für Oldtimer nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) um durchschnittlich 5,6 Prozent. 2016 lag der Preisanstieg bei 4,4 Prozent. Wobei der Mercedes-Benz W 121 “Ponton“ 190 seinen Wert im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent steigern konnte, gefolgt vom Toyota MR-2 Coupé aus den Achtzigern und dem Mercedes-Benz 190 SL Cabrio (Bild) aus den Jahren 1955–1963.

Wer in einen Oldtimer investieren möchte, sollte zwingend Fachwissen mitbringen oder sich von Fachleuten beraten lassen. Denn nicht jede Roststelle und jede Motormacke ist für den Laien sofort zu erkennen. Ein Grundkapital sollte nach VDA-Angaben ebenfalls vorhanden sein. Als Faustregel gelte: Ein altes Fahrzeug, das weniger als 50 000 Euro kostet, ist keine Wertanlage.

Holz in der Hütte: Bonsai

Empfindliche Pflänzchen als lebende Wertanlage

Empfindliche Pflänzchen als lebende Wertanlage: Bonsai.

Quelle: Mitteldeutscher Bonsai Regionalverband

Die meisten Anlageobjekte werden allein durch die Lagerung wertvoller. Bei Gold oder Aktien braucht man in der Regel Geduld, auch Wein wird mit der Zeit wertvoller. Wer sein Geld mit Bonsai-Bäumen machen will, braucht natürlich auch jede Menge Geduld. Aber es reicht nicht, das Pflänzchen irgendwo abzustellen und die Hände in den Schoß zu legen.

Ein Investment in Bonsai will gepflegt werden. Und das ist nicht einfach. Ausgangspunkt ist ein sogenannter Rohling, den man auf speziellen Fachmessen – zum Beispiel in Laarne in Belgien – für mehrere Tausend Euro erstehen kann. Der alternative Weg in den Baumarkt empfiehlt sich nicht. Den Rohling schickt der Investor am besten nach Japan zu einen Bonsai-Meister, der die Vorarbeit leistet, den Grobschnitt sozusagen. Auch danach ist es mit Gießen nicht getan. Wer keinen grünen Daumen hat, der kann auch hierzulande professionelle Hilfe bei der Baumpflege in Anspruch nehmen – bis zu 60 Euro kostet die Stunde im Bonsai-Beautysalon.

Wenn das lebendige Kunstwerk überlebt, kann es nach Jahren tatsächlich 10 000 oder gar 30 000 Euro Erlös bringen. In Japan sind sogar bis zu 100 000 Euro drin. Doch das Risiko ist groß, dass die an ihrer natürlichen Entfaltung gehinderten Bäume an Schädlingen oder Krankheiten eingehen. Wer Pech hat, verliert am Ende viel Geld. Und selbst als Brennholz taugt ein toter Bonsai kaum.

Steinreich mit Baukasten: Lego

Preissprung von 500 auf 6500 Euro

Preissprung von 500 auf 6500 Euro: Der Lego-"Millenium Falcon"

Quelle: Lego

Die bunten Klemmbausteine aus Dänemark scharen eine wachsende Käuferschicht von Erwachsenen um sich. Denen liegt der Gedanke nicht so fern, Lego weniger als Spielzeug denn als Anlageobjekt zu betrachten. Tatsächlich erleben einzelne Bausteinkästen enorme Wertsteigerungen. So kann man für das 51 Jahre alte und noch recht schlichte Lego-Modell einer Shell-Tankstelle heute 15 000 Euro verlangen. Allerdings auch nur, wenn der Karton noch verschlossen und in gutem Zustand ist. Einmal geöffnet und – Gott bewahre! – gar zusammengebaut, sinkt der Wert von Lego-Spielzeug rasch auf Flohmarktniveau. Wer es dennoch versuchen möchte, sollte sich auf Bausätze aus den Nullerjahren konzentrieren. Der im Jahr 2007 für 500 Euro angebotene 5197-teilige “Ultimate Collector’s Millennium Falcon“ aus der Star-Wars-Reihe von Lego kann es heute schon auf 6500 Euro bringen!

Doch eigentlich bewegen wir uns hier im Reich der Spekulation. Welches Lego-Set wirklich wertvoll werden wird, ist schwer vorherzusehen. Seltene, saisonabhängige Baukästen und solche, die nur über einen kurzen Zeitraum hergestellt wurden, versprechen zwar die größten Wertsteigerungen – aber dann muss man auch noch einen Liebhaber finden, der bereit ist, den gewünschten Preis für den Kasten zu zahlen. Sonst bleibt es nur Lego.

Bäume statt Beton: Privatwald

Zahlt sich Bauernschläue am Ende aus? Seit Generationen sind viele Landwirte Besitzer von Privatwald – und es ist im Augenblick fast unmöglich, einem Bauern diesen Schatz abzuluchsen. “Wald verkauft man nicht, den vererbt man“, so lautet der hehre Grundsatz der meisten privaten Waldbesitzer in Deutschland.

Wer in Konkurrenz zu Adel, Landwirten oder Kirche treten will, braucht also einen langen Atem. Und auch viel Geld zum Investieren. Ab 75 Hektar mit eigenem Jagdrecht (Kaufpreis: mindestens 750 000 Euro) wird die Angelegenheit jedenfalls wirtschaftlich richtig interessant. Aber auch bei kleineren Flächen gibt es ein Anlageobjekt mit hohem Freizeitwert, gesellschaftlichem Ansehen und einer kleinen, aber soliden Rendite. Denn nicht nur für Landwirte gilt: Der eigene Wald garantiert kostenlosen Brennstoff in Zeiten steigender oder zumindest unkalkulierbarer Energiepreise. Und er liefert einen nachwachsenden Rohstoff, der zuletzt enorm an Wert gewonnen hat. Darum hat sich der Preis für Wald in den vergangenen 20 Jahren glatt verdoppelt. Wer da mit Holzaktien liebäugelt, sollte allerdings gute Nerven haben. Anders als der Wald selbst waren die Aktien von Holzunternehmen an den Börsen in den vergangenen Jahren großen Kursschwankungen unterworfen.

Stilvoll und teuer: Vintage-Uhren

Ein neuer Besitzer für 11 Millionen Euro

Ein neuer Besitzer für 11 Millionen Euro:

Quelle: Patek Philippe

Gerade mal 13 Minuten dauerte die Auktion beim Genfer Auktionshaus Phillips, dann erhielt ein anonymer Bieter den Zuschlag – und eine Patek Philippe Typ 1518 (Bild), der Welt erster Handaufzugschronograph mit ewigem Kalender, hatte für 11 Millionen Euro einen neuen Besitzer gefunden. Derartige Sensationsmeldungen machen Laien glauben, am Uhrenmarkt seien fast märchenhafte Renditen möglich.

Falsch, meint der Uhrenexperte Walter Castillo: „Leider wird der Uhrenmarkt längst nicht mehr von Liebhabern, sondern von Spekulanten bestimmt. Das Preisniveau bei Vintage-Uhren ist extrem hoch, Schnäppchen, die man mit sattem Gewinn weiterverkaufen könnte, gibt es fast nicht mehr“, sagt Castillo. Gerade begehrte Marken wie Rolex, Omega, Tag Heuer und Patek Philippe seien derzeit hoch eingepreist und überdies rar. Zudem würden Fälschungen immer häufiger. “Nennenswerte Gewinne lassen sich nur mit Geduld und großer Sachkenntnis erzielen“, mahnt Castillo. Immerhin bis zu 6 Prozent jährlicher Wertsteigerung traut der Experte gesuchten Vintage-Uhren wie einer Rolex Submariner oder einer Omega Seamaster zu – vorausgesetzt, die Stücke sind in tadellosem Sammlerzustand. “Was in der Praxis dann aber auch bedeutet, dass die Uhr eher für den Tresor als fürs Handgelenk bestimmt ist“, sagt Castillo. Grundsätzlich beurteilt der Fachmann Uhren als recht verlässliches, aber keineswegs krisenfestes Investment: “Uhrenkäufer sind in erster Linie Konsumenten, erst in zweiter Investoren. In Krisenzeiten schwächelt der Konsum, das tangiert auch den Uhrenmarkt – zuletzt 2008 im Zuge der Finanzkrise.“

Charme der Kindheit: Käthe-Kruse-Puppen

Der Name Käthe Kruse ist für Generationen von Mädchen nur eins: meine Puppe. Die Puppenkinder aus Donauwörth faszinieren bis heute viele Menschen, bei Auktionen erzielen seltene Exemplare bisweilen Preise, die ein Vielfaches über dem Kaufpreis liegen. Im Auktionshaus Wendl im thüringischen Rudolstadt kennt man den Grund für den Wert der Puppen: “Wiedererkennung und ein ganzheitliches Kunstwerk von A bis Z aus einer Hand“ – so beschreibt Expertin Anke Wendl die Besonderheit der Kruse-Puppen. In einer Auktion kam 2014 beispielsweise eine Babypuppe vom Typ V, “Du Mein“, aus der frühen Nachkriegszeit für 2600 Euro unter den Hammer. Es sei keine Seltenheit, dass sogar mehr als 8000 Euro geboten werden, sagt Wendl. Käthe-Kruse-Puppen gelten als besonders wertstabil. Dennoch meint Tobias Meints vom Magazin “Puppen und Spielzeug“: “Als Geldanlage sehe ich sie eher nicht, es steht mehr der persönliche Bezug zur Puppe im Vordergrund.“ Grund für die Beliebtheit ist laut Meints eine Kombination aus Handwerkskunst und Emotionalität, die viele an die eigene Kindheit erinnere. Dieses Erfolgsrezept funktionierte auch bei der leidenschaftlichen Sammlerin Kathrin Finn aus Hamburg. “Man sieht sie und man liebt sie.“ Sie habe sich, wie viele Mädchen in ihrer Kindheit, eine Puppe von Käthe Kruse gewünscht. Für ihre Eltern war das Spielzeug lange zu teuer, so dass sich Finn mit ihren Schwestern aus einem Katalog die Figuren ausgeschnitten hat. Weihnachten 1960 fand sie dann ein “Däumlinchen“ – den Klassiker der Kruse-Kollektion – unterm Christbaum. Heute besitzt sie eine große Puppensammlung, auch ein 55 Puppen zählendes “Däumlinchen-Orchester“.

Edel und stark: Luxushandtaschen

Lange Warteliste für eine tragbare Geldanlage

Lange Warteliste für eine tragbare Geldanlage:

Quelle: PA WIRE

Luxusfashion ist für Experten wie Franz Eppli, Chef des Stuttgarter Auktionshauses Eppli, das regelmäßig hochwertige Designermode und -accessoires versteigert, eine “Wertanlage mit enormem Potenzial“. Vor allem Taschen bringen Rendite. Mit einer klassischen Birkin Bag hat man ausgesorgt: Nach einer Studie des amerikanischen Online-Händlers “Baghunter“ im vergangenen Jahr ist die nach der Sechzigerjahre-Ikone Jane Birkin benannte Tasche aus dem Hause Hermès mittlerweile wertbeständiger als Gold und Aktien.

Der reale Wert der Tasche nahm seit ihrer Markteinführung 1984 niemals ab, dagegen sind Edelmetall und Aktien weniger immun gegen Marktunsicherheiten und Börsenturbulenzen, was sich negativ auf die Rendite auswirkt: Während der Aktienindex zwischen 1980 und 2015 einen Mittelwert von 8,7 Prozent abwarf und Gold sogar 1,5 Prozent verlor, lag die Rendite für die Birkin Bag bei mehr als 14 Prozent. Wer sich heute also das preisgünstigste Modell für etwa 8000 Euro leistet, kann in zehn Jahren mit einem Wiederverkaufswert rechnen, der doppelt so hoch ist. Im Zweifel bringt das Luxusaccessoire sogar noch mehr ein. Vor allem, wenn es mit Extras ausgestattet ist.

So wurde 2015 eine Sonderanfertigung für umgerechnet 205 000 Euro in Hongkong versteigert. Bisher gilt diese aus fuchsiafarbenem Krokodilleder und mit Beschlägen aus 18-karätgem Weißgold mit eingelassenen Diamanten gefertigte “Diamond Bag“ als teuerste Tasche der Welt. Zuvor war ebenfalls eine Birkin Bag Rekordhalter.

Von Stefan Winter

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