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05: Handkammer und Lamschus hören auf

Fußball-Landesliga 05: Handkammer und Lamschus hören auf

Präsident Jens Handkammer und Vizepräsident Neels Lamschus ziehen sich aus der Klubführung des Fußball-Landesligisten 1. SC Göttingen 05 zurück. Das teilte Handkammer im Interview mit dem Göttinger Tageblatt mit - in dem er auch über seine Bilanz an der Vereinsspitze und die 05-Aussichten sprach.

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Zieht sich aus der Klubführung des 1. SC Göttingen 05 zurück: Präsident Jens Handkammer.

Quelle: Pförtner/Archiv

"Zügig nach den Sommerferien" soll nach dem Willen Handkammers auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand gebildet werden. Bisher sei es allerdings nicht gelungen, potenzielle Kandidaten zu finden. Dabei kann sich Handkammer durchaus vorstellen, dass sich Mitglieder der 05-Fanszene einbringen. Er selbst müsse das Präsidentenamt abgeben, weil er beruflich zu sehr eingespannt sei - aus diesem Grund war der Geschäftsführer eines Göttinger Unternehmens bereits seit vergangenem Herbst in den Hintergrund getreten.

Handkammers Selbstkritik: "Die Ehrenamtlichen im Verein müssen zukünftig deutlich mehr Unterstützung vom Vorstand erfahren." Sein Verdienst sei, findet der Präsident, dass er "Altlasten" des Klubs beseitigt habe. "Wir haben Strukturen gelegt und damit den Erhalt des Vereins betrieben. Die Rettung ist erledigt." In seiner beruflichen Situation sei es nur schwierig gewesen, für Kontinuität zu sorgen. Handkammer engagiert sich seit November 2013 für 05, seit 2014 als Präsident. Der Klubführung weiterhin angehören wird demgegenüber Finanzvorstand Thorsten Richter. Handkammer geht davon aus, dass auch die Seuchensaison 2015/16 mit einer "schwarzen Null" abgeschlossen wird.

"Wir sind auf keinen Fall auf Rosen gebettet, aber um den Spielbetrieb muss man sich keine Sorgen machen", unterstreicht der Präsident. So gebe es langfristige Vereinbarungen mit den Sponsoren Einbecker Brauerei und AOK. Die Erkenntnis aus der sportlichen Talfahrt mit einem Last-Minute-Klassenerhalt in der Landesliga ist laut Handkammer, dass im Vorstand eine Art Regulativ für die sportlich Verantwortlichen installiert werden muss - im Optimalfall ein ehemaliger 05-Spieler, der seine Erfahrung einbringt. Denn: "Es ist mir nicht erklärlich, warum die Truppe so ins Trudeln geraten ist. Wir waren auf sportlicher Seite nicht gut sortiert, da ist auch der Vorstand in der Verantwortung. Aber der Kader war nicht optimal zusammengestellt, das muss einfach besser werden." 

Das weist Jan Steiger, Sportlicher Leiter der Schwarz-Gelben, von sich: "Individuell hatte jeder Spieler Landesliga-Niveau. Es ist nur wie beim Puzzle: Jedes Teil muss ins andere greifen, und das war nicht der Fall." Es habe sich außerdem keine klare Hierarchie herausgebildet, und vielleicht habe es auch zu wenig Reibung gegeben. Steiger bestätigte, dass Trainer Oliver Hille seinen Abschied verkündet habe. Ein Nachfolger, "kein Spielertrainer", wie geunkt worden war, werde zeitnah, vielleicht schon nächste Woche vorgestellt. In Handkammers Augen wäre es bei allen Rückschlägen "nicht klug, 05 aufzugeben. 05 ist eine Marke, ein Teil von Göttingen. Es geht jetzt darum, den nächsten Schritt in die nächste Ebene zu machen." Dafür müsse man jedoch "Kapital generieren".

Kommentar: Bräutigam gesucht

Von Eduard WardaDie Braut ist nicht hübsch, bringt aber einen bekannten Namen mit: Wer Lust hat auf eine gemeinsame Zukunft mit dem 1. SC 05, kann jetzt zuschlagen. Der Haken: Eine Mitgift gibt es nicht.Nachdem 05 zwei Spielzeiten lang mehr oder weniger ohne Sieg ausgekommen ist, verirren sich zu den Heimspielen nur noch rund 150 Zuschauer in den Maschpark. Der Eindruck ist: Die Luft ist raus beim wiederbelebten Traditionsklub. Denn was ist der 1. SC 05 ohne seine Fans, ohne ehrenamtliche Kräfte und ohne begeisterte Rentner, die den alten Zeiten hinterherjubeln wollen und nicht nur Niederlagen verdauen möchten?Wenn nicht jetzt, wann dann: Dem scheidenden Präsidenten Jens Handkammer ist zu danken, dass er in schwierigen Zeiten dem Klub geholfen hat, doch nun muss es vorangehen. Eine relativ intakte Jugendabteilung und das Know-how des Sportlichen Leiters Jan Steigers sind gute Argumente in eigener Sache. Fest steht: Wenn nicht bald etwas passiert, wird der Neustart des 1. SC 05 endgültig als Etikettenschwindel in die Annalen eingehen - und damit die Braut als Heiratsschwindlerin.

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