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17 Chinesen für Roringen am Ball

Kicker aus dem Reich der Mitte 17 Chinesen für Roringen am Ball

Vor vier Jahren nahm Phillip Oberdorfer seinen chinesischen Promotions-Kollegen Rui Hu zum Training der Turnverein-Freizeitkicker mit. Hu war so begeistert, dass er TV-Mitglied wurde und in der Folge immer mehr seiner Landsleute dazu brachte, es ihm nachzutun.

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Quelle: Pförtner

Roringen. Heute jagen 17 Chinesen und ein Taiwanese beim TV dem runden Leder hinterher. Sowohl für sie als auch für den Verein ein absoluter Gewinn: „Der Fußball trägt unheimlich zur Integration bei“, sagt Hu (36), während TV-Vorsitzender Dirk Wolff betont, dass es die Sparte ohne die Chinesen vielleicht gar nicht mehr gäbe: „Aber mit ihnen floriert sie.“

Wozu die Kicker aus dem Reich der Mitte auch beitragen, ist das spielerische Niveau. „Sie können den Ball eng am Fuß führen und schön kombinieren“, lobt Wolff.  Nur mit dem Abschluss hätten sie es nicht so: „Vorm Tor spielen sie immer noch mal quer, anstatt abzuziehen.“  Die Chinesen bestätigen das, und Chun Hu (32) liefert eine kulturelle Erklärung: „Wir wollen dem Mitspieler den Vortritt lassen.“ Überhaupt würden sie sich auf dem Platz anders verhalten als die Deutschen. Die grätschten schon mal – sie dagegen spielten weitestgehend ohne Körperkontakt. Und wenn doch mal ein Gegenspieler hinfiele, folge sogleich eine Entschuldigung. Wolff kann das bestätigen: „Sie sind sehr höflich und extrem hilfsbereit. Trägst du eine Getränkekiste, nimmt das kaum ein Deutscher wahr – ein Chinese dagegen geht dir gleich zu Hand.“

Fußball ist in China – neben Basketball –zwar die populärste Mannschaftssportart, wird jedoch nur auf Profiebene organisiert gespielt. Amateurligen gibt es nicht; wer in Großstädten wie Peking oder Shanghai kicken möchte, muss in der Regel sogar Platzmiete bezahlen: „rund 100 Euro pro Spiel“, so Chun Hu. Viele Mütter und Väter  wollen auch gar nicht, dass ihre Söhne kicken, wie Jiang Feng Wang (36) erzählt: „Die meisten berühmten Spieler, zum Beispiel Maradona, sind klein, weshalb viele Eltern glauben, dass Fußballspielen das Wachstum hemmt.“ Dass ihre Söhne klein bleiben, möchten die Eltern also nicht – aber auch nicht, dass ihre Töchter zu muskulös werden, wie Yong Gang Hu (28) erklärt: „Weil Mädchen keine dicken Waden kriegen sollen, darf kaum eines von ihnen Fußball spielen.“

Wer sich in China für Fußball interessiert, kennt sich in aller Regel gut mit der deutschen Bundesliga aus, die Spiele werden im Fernsehen übertragen. Die meisten Roringer Kicker sind dann auch einem Verein treu ergeben, häufig Dortmund oder Bayern. Peng Xiang Qiu allerdings unterstützt einen Club, der in China nicht so bekannt ist. „Ich hab ein Jahr in Bielefeld studiert“, erklärt der 27-Jährige, „seitdem bin ich Arminia-Fan.“ Aber egal, welchem Verein sie die Treue halten, alle sind sie Fan der deutschen Nationalmannschaft. Und darum sind zwei von ihnen, Nan Yang und Jia Qi Huang, am Mittwoch auch nach Köln gereist, um die DFB-Auswahl im Spiel gegen die USA lautstark zu unterstützen. 

Von Hauke Rudolph

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