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Der 1. SC Göttingen 05 bleibt beim 1:5 im Kellerduell alles schuldig

Resignation statt Abstiegskampf Der 1. SC Göttingen 05 bleibt beim 1:5 im Kellerduell alles schuldig

Es war nicht so schlimm, wie es die größten Pessimisten erwartet hatten – es war schlimmer: Beim schmeichelhaften 1:5 im Kellerduell zwischen dem Schlusslicht und dem Tabellenvorletzten hat Fußball-Oberligist 1. SC 05 im Spiel gegen den Rotenburger SV den Nachweis der Ligatauglichkeit deutlich verpasst.

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Krisengipfel, Teil zwei: Die Anhänger des 1. SC 05 suchen nach dem Spiel das Gespräch mit den Spielern, die sich den Fragen der Fans stellen.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Selbst die Geduld der bewunderungswürdig treuen 05-Anhänger war nach der Schmach aufgebraucht: Sie zitierten das Team lautstark zu sich, und die Spieler mussten Rede und Antwort stehen.

Selbst Trainer Martin Wagenknecht, erst seit rund zwei Wochen im Amt, war erschüttert und sprach von einem „kollektiven Versagen“, von einem „Hühnerhaufen“ in der Abwehr und „einigen Spielern auf dem Platz, die kein Oberliga-Niveau haben“. Vor allem aber schwang in seinen Worten bereits ein wenig Resignation mit: „Wenn es nicht geht, dann müssen wir zumindest in der Landesliga eine schlagkräftige Truppe haben.“

Ist das Kapitel Oberligasaison 2014/15 bei 05 bereits im November abgehakt? Legt man den Auftritt gegen Rotenburg zugrunde, liegt dieser Gedanke nah. Bereits in der 2. Minute hat 05-Keeper Niklas Grujo einen kuriosen Auftritt, als er eine Flanke an die eigene Latte lenkt und sich dabei verletzt.

„Die A-Junioren hatten angeblich personelle Probleme“

Der Rotenburger Treffer im Nachschuss wird vom Schiedsrichter glücklicherweise nicht anerkannt. Engagierter Abstiegskampf ist bei 05 mit Ausnahmen wie dem unermüdlichen Daniel Washausen nur in den ersten 15 Minuten zu sehen.

Die Abwehr bricht regelrecht auseinander, jeder Angriff der biederen Rotenburger ist brandgefährlich. Teilweise wird der Gastgeber vorgeführt, und Grujo gibt den Anti-Neuer, indem er im Fünf-Meter-Raum kleben bleibt, statt zu klären. So spielt ein Absteiger.

Allerdings ist die Personalsituation auch gruselig: Mit Marco  Akcay sitzt nur ein einsatzbereiter Feldspieler auf der Bank, nach Washausens Verletzung wird das Spiel im eigenen Stadion zu zehnt beendet.

„Die A-Junioren hatten angeblich personelle Probleme“, sagt Martin Wagenknecht vieldeutig. „Wir hatten selbst angeschlagene Spieler“, wehrt sich U-19-Trainer Arunas Zekas. Dazu sei gekommen, dass er selbst ferienbedingt kaum auf die U 17 habe zurückgreifen können, dass die Spiele am selben Tag stattgefunden hätten, und dass man nicht 400  Kilometer nach Emden zurücklegt, um mit einer Rumpfelf anzutreten. 

Schlechte Situation

„Es war eine schlechte Situation, und ich habe genauso Not gehabt wir Martin.“ In Zukunft müsse Abteilungsleiter Jan-Philipp Brömsen entscheiden.

„Der Mannschaft fehlen noch zwei, drei herausragende Oberligaspieler“, war im Stadionheft vom Sportlichen Leiter Jan Steiger zu lesen – das Team hat diesen Befund gegen Rotenburg anschaulich bestätigt. Vor allem in der Abwehr drückt der Schuh, zumal Kapitän Alexander Burkhardt noch für drei Spiele gesperrt ist, und Florian Steinhauer trotz Shuttle-Service von 05 nicht zum Training erscheint.

„Was soll ich denn mit solchen Spielern? Die kann ich nicht gebrauchen“, stellt Wagenknecht klar. Es ist nur eine Baustelle von vielen, die der Trainer hat.

►Kommentar: Führung steht vor Dilemma

„Die Spieler haben gesagt: Du hast aus der Mannschaft mehr rausgeholt, als man rausholen kann“: Die Worte des Ex-Trainers Najeh Braham nach seiner Entlassung Mitte Oktober scheinen sich zu bewahrheiten.

Nach dem desolaten Auftritt der 05er in einem richtungsweisenden Spiel um den Klassenverbleib stellt sich mehr denn je die Frage, ob das Team Oberliga-Ansprüchen genügt. Eigentlich hat das Schlusslicht die Antwort bereits auf dem Platz gegeben. Sie lautet: Nein!

Der Unterschied zu den 05-Auftritten unter dem vor rund zwei Wochen gefeuerten Braham und dem neuen Trainer Martin Wagenknecht besteht darin, dass der Neue ruhig auf der Bank sitzen bleibt, während der andere 90 Minuten an der Außenlinie getobt hat. Und dass die Mannschaft unter den lautstarken Anfeuerungsrufen von Braham auch noch das letzte bisschen Kampfgeist mobilisieren konnte.

Die sportliche Führung steht vor einem Dilemma: Will das Team die Möglichkeit auf den Klassenverbleib wahren, muss es in den kommenden zwei Heimspielen punkten – und nicht erst mit Verstärkungen in der Rückrunde. Die Spieler stehen aber komplett neben sich. Sehen die Zuschauer noch weitere Auftritte wie den gegen Rotenburg, absolviert 05 seine Rückrunde als feststehender Absteiger vor leeren Rängen.

Eduard Warda

Eduard Warda

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