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Schiedsrichter-Schwund ist „gewaltig“

Fußball Schiedsrichter-Schwund ist „gewaltig“

278 Schiedsrichter sorgen derzeit auf den Fußballplätzen des Kreises Göttingen-Osterode für Ordnung. Viele davon sind noch jung. Nachwuchs zu rekrutieren, sei nicht das Problem, sagt Reinhard Plüschke, stellvertretender Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses.

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Schiedsrichter - wie hier das Gespann mit Nicolas Ficks (l.) - werden zunehmend mit aggressivem Verhalten konfrontiert.

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Göttingen. Junge Leute dauerhaft als Referee zu gewinnen, dagegen schon, weiß „Teddy“ Plüschke, der zu Hause seine eigene Schiedsrichterdatenbank, die bis ins Jahr 1999 zurückreicht, akribisch pflegt. „Viele besuchen die Lehrgänge und bleiben dann für ein paar Monate dabei, hören dann aber wieder auf“, erklärt der gebürtige Groner, der inzwischen in Landolfshausen wohnt. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Einige finden schnell für sich heraus, dass es für sie doch nichts ist. Andere haben mit Beruf oder Schule viel zu tun“, erklärt Plüschke, der mit 64 Jahren selber noch in den unteren Herrenkreisklassen sowie Jugend- und Frauenspiele pfeift. Diese Problematik greift nicht nur beim Nachwuchs. Beim jüngsten Lehrgang in Gieboldehausen wurden zwar 22 neue Referees ausgebildet. Allerdings hörten alleine im vergangenen Jahr auch 50 auf. „Von den knapp 40 Schiedsrichtern, die wir im Jahr ausbilden, bleiben nur drei oder vier hängen“, berichtet Plüschke.

Der Umgang mit den Spielleitern mache gerade Nachwuchsschiedsrichtern zu schaffen. Der Druck komme nicht nur von den Spielern. „Beschimpfungen gab es auch früher, aber heute ist alles hasserfüllter. Das macht vor allem jungen Schiedsrichtern Angst“, weiß Plüschke. Auch die Spieler würden ihre Vorbildfunktion mehr und mehr vernachlässigen. „Aggressivität gehört dazu, aber heute gibt es keine Grenzen mehr“, warnt der gelernte Realschullehrer, der sein Geld später als Versicherungsfachwirt verdiente. „In Köln habe ich mal erlebt, dass ein Schiedsrichter verprügelt wurde“, gibt Plüschke zu bedenken.

Der Rückgang an Referees sei in den letzten Jahren schon „gewaltig“, gibt Plüschke zu. Er liege am gesteigerten Agressionspotenzial auf den Plätzen, glaubt der Kreisvorsitzende des Fußballkreises Hans-Dieter Dethlefs: „Viele stellen sich deshalb die Frage: Warum tue ich mir das noch an?“. Dass ein Jungschiedsrichter - das Mindestalter liegt bei 14 Jahren - nicht auf dem Rasen steht, hat manchmal aber auch ganz pragmatische Gründe, hat Plüschke erkannt:„Wenn einer, der noch keinen Führerschein hat, in Adelebsen wohnt, aber in Göttingen pfeifen muss, muss er von den Eltern gefahren werden oder im Notfall öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Daran scheitert es dann manchmal schon.“

Nach fünf Jahren ist meistens Schluss

Im Jahr 2003 pfiffen im Fußballkreis Göttingen noch 311 Schiedsrichter. Dreizehn Jahre später sind nur noch 278 Referees aktiv, und das, obwohl der Raum Osterode noch dazugekommen ist. Bedeutend gestiegen ist der Anzahl der Schiedsrichter über 70 Jahre. Waren es 2003 nur zwei und 2008 gar nur einer, sind es heute immerhin zwölf. Fast die Hälfte aller Unparteiischen, nämlich 131 von 276, hört – Stand 1. Oktober 2016 – nach spätestens fünf Jahren wieder auf. Nur knapp 40 Prozent aller Spielleiter sind länger als zehn Jahre im Einsatz. Von den 131 Schiedsrichtern, die höchstens fünf Jahre pfeifen, beenden 52 schon nach einem Jahr wieder ihre Tätigkeit, 28 nach zwei Jahren.cro

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