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Göttinger bei Blindenfußball-Weltmeisterschaft in Tokio

Titelkämpfe Göttinger bei Blindenfußball-Weltmeisterschaft in Tokio

Wenn am Sonntag in Japan die Fußball-Weltmeisterschaft der Blinden beginnt, hat sich Deutschland nicht nur das erste Mal dafür qualifiziert.

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Das ewig junge Duell: Szene aus einem Länderspiel der deutschen Mannschaft (weiße Trikots) gegen England im Juli in Mannheim.

Quelle: EF

Göttingen/Tokio. Es ist auch ein Göttinger dabei, und das in einer Doppelrolle: Rolf Husmann, in den 70er-Jahren Fußballer bei 05 und der SVG und später Dozent am Göttinger Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF), fungiert als Teammanager und während der WM-Spiele – in Vertretung von Ulrich Pfisterer – auch als Bundestrainer. Der 63-Jährige schlüpft sozusagen in die Rolle eines Jogi Bierhoff.

Husmann füllt in Japan notgedrungen die Rolle des Bundestrainers aus. Mit dieser Maßnahme sollen Interessekollisionen vermieden werden, weil Pfisterer auch Vorsitzender des Blindenfußball-Weltverbandes und bei der WM Turnierleiter ist.
Bei seiner WM-Premiere hat Deutschland eine schwere Gruppe erwischt. Gegner sind in Tokio der Europameister Spanien (18. November) und der Vize-Weltmeister Argentinien (20. November). So kommt der ersten Partie gegen Südkorea am kommenden Montag bereits entscheidende Bedeutung zu, qualifizieren sich doch auch die beiden besten Gruppendritten für das Viertelfinale.

Zum Blindenfußball kam Husmann über einen Dokumentarfilm, den er 2013 gedreht hat. Von da an sei er „nah dran gewesen an der Nationalmannschaft“. Seinen Job als Teammanager, der sich mit kleinem Etat (rund 20 000 Euro jährlich) um Lehrgänge und Länderspiele kümmert, trat der Göttinger am 1. Januar an – als „seriöses Altershobby“, wie er augenzwinkernd sagt.

Krasser Außenseiter

Mittlerweile ist ein Freundeskreis der Nationalmannschaft ( fdbfn.de) ins Leben gerufen worden, prominente Förderer sind die Politiker Claudia Roth (Grüne), Thomas Oppermann (SPD) und Fritz Güntzler (CDU). Bekannte Fußballstars oder Ex-Profis sollen folgen. Ziel ist es, 200 Mitglieder zu gewinnen, die pro Jahr für die Nationalelf 50 Euro spenden. Bekanntmachen will Husmann das Projekt auch mittels eines Auftritts des Nationalteams beim Göttinger Sparkasse & VGH-Cup im Januar.

In Tokio geht das deutsche Team als krasser Außenseiter an den Start. Während es in anderen Verbänden bereits professionelle Strukturen gibt und in Brasilien ein Blindenfußball-Profi bis zu 5000 Euro im Monat verdient, fristet die Sportart in Deutschland noch ein Schattendasein. „Bei uns ist das amateurhaft, die Spieler haben bei uns alle ganz normale Jobs“, sagt Husmann. Immerhin gebe es eine Bundesliga, in der unter anderem St. Pauli und Eintracht Braunschweig vertreten sind. Nur lasse die Akzeptanz durch den DFB zu wünschen übrig, kritisiert der Göttinger.

So habe er gebeten, dass die deutsche Elf beim Spiel gegen Gibraltar auf die Blindenfußball-WM aufmerksam macht, indem sie – wie die Brasilianer bei der WM – mit der Hand auf der Schulter des Vordermannes einläuft. So machen es nämlich die Blindenfußballer. Eine Reaktion habe es aber nicht gegeben.

Rolf Husmann wird exklusiv für das Tageblatt von der WM berichten.

Von Eduard Warda

 
Spielregeln

Blindenfußball wird von gemischtgeschlechtlichen Teams gespielt, die aus vier Sehbehinderten mit Maske und einem sehenden Torwart bestehen. Der Ball hat eine integrierte Klingel.

Der Platz ist so groß wie ein Handballfeld, hinter den Toren stehen „Guides“, die mit ihrer Stimme die Richtung eines möglichen Torschusses anzeigen.

Wichtig ist für den ballführenden Spieler, „Voy“ (spanisch: „Ich komme“) zu rufen. Tut er dies nicht, zählt das als Foul.

 
Zur Person

Rolf Husmann (63) war von 1970 bis 72 Fußballprofi des 1. SC 05, von 1976 bis 79 spielte er für die SVG in der Verbandsliga.

Später arbeitete der promovierte Ethnologe 23 Jahre lang bis 2010 am Institut für den wissenschaftlichen Film (IWF).

Als Teammanager der Nationalelf wird er heute als „Bierhoff des Blindenfußballs“ bezeichnet.

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