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Hans-Jörg Ehrlich verlässt die Trainerbank des 1. SC Göttingen 05

Chimiuc übernimmt Hans-Jörg Ehrlich verlässt die Trainerbank des 1. SC Göttingen 05

Hans-Jörg Ehrlich ist nicht mehr Trainer des Fußball-Oberligisten 1. SC 05. Das bestätigte Vizepräsident Jens Handkammer am Sonnabend auf Tageblatt-Nachfrage. Der bisherige Chefcoach bleibe aber Präsident, betonte Handkammer. Das Training übernimmt vom Montag an zunächst der 05-Torwarttrainer Dorin Chimiuc.

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Verlässt die Trainerbank des 1. SC 05: der bisherige Coach Hans-Jörg Ehrlich (M.). Seine Nachfolge tritt interimsweise der Torwarttrainer Dorin Chimiuc (l.) an.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Ein neuer Trainer soll jedoch schon bald vorgestellt werden: „Stand heute ist, dass wir in den nächsten zwei Wochen einen neuen Trainer präsentieren“, sagte Handkammer.

Der Mannschaft wurde der Schritt auf einer Sitzung am Freitagabend mitgeteilt, die anstelle des Trainings stattfand. Ehrlich, betonte Handkammer, sei enttäuscht von der Situation, die ihm und seiner Familie sehr nah gegangen sei. „Ich habe ihm dazu geraten, sich zum Schutze von ihm persönlich und seiner Familie vom Traineramt freistellen zu lassen“, sagte Handkammer.

Ehrlich werde zukünftig jedoch „mehr denn je“ als Präsident wirken. Die Frage nach einem Rücktritt Ehrlichs vom Präsidentenamt stelle sich nicht. „Er wird die Sache von 05 weiter vorantreiben.“ Mit möglichen Trainer-Nachfolgern gebe es momentan „intensive Gespräche“, Bewerbungen lägen „aus ganz Deutschland“ vor.

In diesem Zusammenhang bestätigte Marc Zimmermann, Trainer des Bezirksligisten SCW, eine Anfrage von 05: „Ja, das stimmt“, es sei sich erkundigt worden, ob er einspringen kann. „Ich habe abgesagt, weil ich nicht innerhalb der Saison wechsle. Ich lasse meine Mannschaft nicht im Stich.“

„Die Mannschaft sieht das komplett anders“

Die Entwicklung bei 05 hatte sich am vergangenen Mittwoch zugespitzt: In einem Tageblatt-Artikel hatte sich Ehrlich herablassend über seinen Assistenten Jan Diederich geäußert. Dieser legte daraufhin sein Amt nieder.

Am Donnerstag erreichte dann ein Brief der Spieler an den Trainer aus dem Dezember die Tageblatt-Redaktion, in dem 14 von ihnen sich für einen Rückzug von Ehrlich aussprechen und Diederich als Nachfolger vorschlagen. Außerdem berichteten drei Spieler, die nicht genannt werden wollten, von einem Klima der Einschüchterung und griffen Ehrlich massiv an.

„Wir als Vorstand würden nie einer Forderung der Mannschaft nach einem Trainerwechsel nachkommen, auch nicht einer Forderung der Fans“, betonte Handkammer in Bezug auf den Brief. „Sie können sich das gern wünschen, aber der Vorstand entscheidet.“

Vielmehr sei für die Demission als Trainer Ehrlichs persönliche Situation mit Angriffen auf seine Person ausschlaggebend. Im Übrigen hätten sich „90 Prozent der Mannschaft entsetzt über die Berichterstattung geäußert. Die Mannschaft sieht das komplett anders“, beteuerte der Vizepräsident. In einer im Internet geteilten Erklärung bezeichnete Ehrlich unterdessen die Tageblatt-Berichterstattung zur Entwicklung der vergangenen Woche als weitgehend frei erfunden.

„Für uns Spieler ist die Hauptsache, dass der Spaß wiederkommt“

Handkammer zeichnete ein optimistisches Bild von der 05-Situation: „Wir sind trotz der Rückschläge mit den Rücktritten im vergangenen Jahr gut aufgestellt. Wir sind schuldenfrei, und der Spielbetrieb der Mannschaften ist gesichert.“ Einzig die sportlichen Herausforderungen müssten nun gemeistert werden. Im Februar soll es einen Dialog mit den Fans geben.

„Für uns Spieler ist die Hauptsache, dass der Spaß wiederkommt“, sagte Kapitän Christian Horst am gestrigen Sonntag auf Tageblatt-Nachfrage. „Im November und Dezember war der Spaß nicht da, und wir haben daraufhin den Brief verfasst.“ Dass Mannschaftsinterna der Presse zugespielt worden sind, empfindet Horst als unpassend und unglücklich.

Die 14 Spieler, die den Brief unterschrieben haben, stünden jedoch immer noch zu ihrer Entscheidung. Allerdings stehe die Mannschaft nicht hinter der auf den Aussagen von drei Spielern beruhenden Darstellung im Tageblatt-Artikel. Nun sei es jedoch an der Zeit, zur Tagesordnung überzugehen und sich aufs Training zu konzentrieren.

►Kommentar: Abtritt mit Getöse

Es ist kein Fall bekannt, in dem eine einzelne Tageszeitung einen Trainer zum Rücktritt auffordert, und dieser sich mit der Begründung zurückzieht, dass der Druck auf ihn und die Familie zu groß geworden ist. Beim bisherigen 05-Trainer und Klub-Präsidenten Hans-Jörg Ehrlich ist aber genau dies geschehen.

Wäre die Tageblatt-Berichterstattung mit protokollierten Aussagen und einem dokumentierten Brief der Spieler an den Trainer, wie von Ehrlich behauptet, weitgehend frei erfunden gewesen, hätte er nicht die Trainerbank verlassen müssen. Er hätte die Dinge aus seiner Sicht darstellen, Fehler benennen und bleiben können.Das hat er nicht getan.

Die 14 05-Spieler, die sich im Dezember in dem Brief an Ehrlich für seinen Rückzug und zudem für seinen Assistenten Jan Diederich als Nachfolger ausgesprochen haben, stehen nach wie vor zu ihrer Forderung, wie 05-Kapitän Christian Horst dem Tageblatt bestätigte. Letztlich mag das die Entscheidung mitbeeinflusst haben.

Ein Lichtstreif am Horizont ist, dass es plötzlich wieder mehrere Trainer-Kandidaten für die Nachfolge gibt. Als Präsident tritt Ehrlich nicht zurück und muss nun beweisen, dass er das 05-Schiff nach einer Reihe von Rücktritten wieder auf Kurs bringen kann. Ihm und seinem Stellvertreter Jens Handkammer ist das zu wünschen – zum Wohle des Klubs und seiner Fans.

Von Eduard Warda

 
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