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Kritik an Watzke-Äußerung

BVB-Chef bemängelt, Amateurfußball sei unsexy, und erntet Unverständnis Kritik an Watzke-Äußerung

Nicht gerade beliebt hat sich BVB-Chef Hans-Joachim Watzke mit einer Meinungsäußerung gemacht, nach der Amateurfußball nicht sexy sei – weil es ihm am Eventcharakter mangelt, sei er für Zuschauer unattraktiv. Vertreter von Göttinger Klubs halten diese Aussage für völlig verfehlt.

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Hans-Joachim Watzke

Quelle: dpa

Göttingen. Watzke hatte sich mit seiner Einschätzung in die Diskussion um ein zusätzliches Sonntagsspiel in der Bundesliga eingebracht. Beobachter der Szene befürchten, dass ein solches zulasten des Amateurfußballs geht. Der erste Borusse aus Dortmund sieht das allerdings anders: Der Amateurbereich sei seit 15 Jahren rückläufig, der „allerkleinste Grund“ dafür sei die Bundesliga am Sonntag, sagte er im Fachmagazin „Kicker“. Die Ursache dafür liege vielmehr im „kleinen Fußball“ selbst.

In Südniedersachsen reichen die Reaktionen von Unverständnis bis zu einem offenen Brief an Watzke, den der Buchautor und Journalist Hardy Grüne aus Langenhagen bei Duderstadt im Internetauftritt seines Fußball-Magazins „Zeitspiel“ veröffentlicht hat. „Wenn wir mal bei dem von Ihnen aufgezeigten Bild bleiben“, heißt es darin, „können wir feststellen, dass es im Fußball wie im Leben ist. Im ,Leben‘ gibt es ,da draußen‘ viele Menschen, die sich durchaus gerne mal einen sexy Mann oder eine sexy Frau anschauen – um dann zu erkennen, dass da häufig ganz schön mit Photoshop nachgeholfen wurde. Bei der Figur, beim Six-Pack, beim Augenaufschlag. Und dann sind sie enttäuscht. Vielen langjährigen Fußballfans geht es ähnlich.“ Viele Anhänger lehnten mittlerweile eine solche „glitzernde Scheinwelt“ ab.

Reinhold Napp, Vorsitzender des Oberliga-Aufsteigers SVG, möchte zwar seinen Klub attraktiver für Zuschauer machen. Er glaubt aber nicht, dass die Amateurvereine selbst schuld sind an rückläufigen Zuschauerzahlen. „Das hängt doch ganz klar mit dem Wust an Fernsehübertragungen zusammen. Der Zuschauer ist einfach fußballsatt“, sagt er. Richtig sei, dass in der heutigen Zeit für die Fans etwas Besonderes geleistet werden müsse. Die SVG gehe beispielsweise auf Frauen zu, indem sie Kaffee und Kuchen für einen besonderen Preis anbietet. Im Übrigen solle sich Watzke um die eigene Baustelle kümmern und sich mal Gedanken um die schlechte vergangene Saison der Dortmunder kümmern.

„Ich glaube nicht, dass der Amateurfußball so unsexy ist“, sagt Jan Steiger, Sportlicher Leiter des Landesligisten 1. SC 05. „Das Beispiel 05 zeigt, dass es auch in Amateurspielklassen aktive Fans gibt, die einen großen Anteil am Event- und Erlebnischarakter von Spielen haben.“ Dazu komme in unteren Ligen, dass viele Zuschauer persönliche Bindungen zu Spielern haben. „Das ist bei den Bundesliga-Profis nicht so.“ 05 profitiere auch vom Kulturticket, mit dem Studenten kostenlosen Eintritt haben.

"Werbung direkt nach dem Schlusspfiff"

Auch Daniel Vollbrecht, Fußball-Abteilungsleiter des Bovender SV und Autor des Tageblatt-Fußballportals Sportbuzzer, haben Watzkes Äußerungen auf den Platz gerufen – in gewohnt ironischem Tonfall. Hier seine „vermutlichen Top 10 der Charakteristika eines echten Fußball-Events“:
 10. 35 Euro Eintritt für einen Sitzplatz mit Sichtbehinderung
 9. Tanzende Yoga-Esoteriker, die in der Halbzeitpause den Rasen im 4/4-Takt schön gleichmäßig zertrampeln.
 8. Moderiertes Torwandschießen vor Anpfiff, in dem eine 47-jährige Mutter in Stöckelschuhen ein kleines Loch in der OBI-Wand treffen muss, die vor der Max-Bahr-Tribüne steht.
 7. Vier Euro für eine Currywurst, auf Wunsch für 50 Cent extra auch mit Curry.
 6. Die Nichtraucher-Tribüne im Wolfsburger Stadion, die in der Ferienzeit mit jenen VW-Praktikanten besetzt wird, die eine Woche später zur Formierung des „Telekom-Ts“ in die Allianz-Arena weitergereicht werden.
 5.  Franz Beckenbauer als TV-Analyst, der sich mit dem Kollegen Hitzfeld stets darin einig ist, sich immer einig zu sein.
 4. Fernsehsender, die direkt nach Schlusspfiff einen Werbeblock einschieben.
 3. Ellenlange Staus auf den Zufahrtsstraßen zum Stadion.
 2. 79 Euro für das Trikot des Lieblingsspielers, der zwei Wochen später „seinem Herzen“ zu „seinem Herzensclub“ folgt.
 1. Weltmeisterschaften in Katar bei 53 Grad Celsius.

Mehr zum Thema auf
gt-sportbuzzer.de.

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