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Landolfshausen-Trainer Ingo Müller hört nach 23 Jahren auf

„Mein Akku ist leer“ Landolfshausen-Trainer Ingo Müller hört nach 23 Jahren auf

Beim TSV Landolfshausen geht eine Ära zu Ende. Ingo Müller, der seit 1992 mit zwei kurzen Unterbrechungen Trainer des Fußball-Landesligisten ist, räumt nach der Saison seinen Stuhl. Die Wahl seines Nachfolgers ist ebenso mutig wie überraschend: Der erst 26-jährige Yannick Schade, seit Winter Co-Trainer, beerbt Müller.

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Auf einer Wellenlänge: Ingo Müller (links) und sein Nachfolger Yannick Schade.

Quelle: Hinzmann

Landolfshausen. „Nach jahrelanger Non-Stop-Arbeit ist mein Akku leer. Ich kann nicht mehr gewährleisten, dass ich die Kraft besitze, die Trainingsqualität am Optimum zu halten“, begründet Müller seinen Rückzug. Mit Schade hat er einen Bruder im Geiste als neuen Coach installiert. Es ist unverkennbar, dass beide auf einer Wellenlänge liegen. „In unseren Gesprächen hat sich schnell gezeigt, dass Yannick eine klare Vorstellung vom Fußball besitzt, was er seit der Winterpause praktisch im Training beweist“, sagt Müller. Er will ihm künftig bei organisatorischen Aufgaben zur Seite stehen, sich aus dem sportlichen Geschehen aber weitgehend heraushalten. Dass Schade, der für den Bezirksligisten Bovender SV spielt und zunächst für ein Jahr als TSV-Trainer beschäftigt wird, über keinerlei Erfahrung im Herrenbereich verfügt, schmettert Müller ab: „Als ich 1992 angefangen habe, war ich auch erst 27 und hatte noch nie eine Männermannschaft trainiert. Außerdem ist Yannick ein qualifizierter Jugendtrainer.“

Der aus Apensen bei Buxtehude stammende B-Lizenzinhaber und Sportstudent hat sechs Jahre in verschiedenen Bereichen im Nachwuchsleistungszentrum des FC St. Pauli gearbeitet, zudem Praktika bei Aston Villa, dem FC Malaga und 1. FC Köln absolviert. Schade möchte bald die A-Lizenz erwerben, träumt von der Karriere bei einem Profiklub.

In Landolfshausen will er anfangen – und anecken. „Ich werde bestimmt anstoßen, weil ich wie Thomas Tuchel mit den gängigen Regeln brechen will“, sagt der Göttinger. Die fußballerischen Traditionen der Region sind ihm ein Dorn im Auge. „Es werden die gleichen Übungen übernommen, ohne wissenschaftlich zu hinterfragen, ob sie sinnvoll sind. Außerdem werden ehemalige Oberliga-Spieler in den Himmel gehoben, selbst wenn sie nur noch mäßige Kreisliga-Akteure sind“, erklärt Schade, der Louis van Gaal und Johann Cruyff als Vorbilder nennt. „Und warum sollte man eigentlich nur ein System spielen und nicht mehrere?“, fragt Schade.

Sein Fachgebiet sei die Entwicklung der Spielintelligenz – weg vom Schablonendenken. Müller pflichtet ihm bei: „Selbst in der Bundesliga sind viele Spielzüge vorhersehbar.“ So möchte Schade jeden Spieler in der kommenden Saison verbessern, einen agierenden und spielstarken TSV formen. Von Kampf-Parolen hält er nichts. „Mannschaften, die kämpfen, können nicht spielen. Ich habe zumindest noch nie gelesen, dass sich der FC Barcelona in ein Spiel gekämpft hat“, sagt der selbstbewusste Trainer.

Der Kern der Mannschaft, die überwiegend aus Studenten besteht, solle zusammengehalten werden. Müller ist wichtig, dass weiterhin „talentierten Landolfshäusern die Chance geboten wird, in einer funktionierenden Mannschaft auf Bezirksebene zu spielen.“ Ihm ist das zwei Dekaden lang mit Bravour gelungen.

Von Rupert Fabig

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