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Mit Laptop zum Top-Level?

Fußball-Experten zur Scholl-Kritik an Trainern Mit Laptop zum Top-Level?

Es waren deutliche Worte, mit denen Mehmet Scholl die aktuelle Trainergeneration im Profifußball abgekanzelt hat: „Bei denen ist Taktik oberstes Gebot, das sind Laptop-Trainer.“ Was sagen Übungsleiter aus der Region zur Scholl-Kritik?

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Davon, wie ein Spieler auf höchstem Niveau tickt, hätten die heutigen Trainer keine Ahnung, behauptete die Bayern-Legende. Bundesligatrainer haben die Anwürfe des TV-Experten entschieden zurückgewiesen, anderen sprach Scholl dagegen aus der Seele. Für Knut Nolte zahlt sich der technische Fortschritt aus. Seit die SVG in der Oberliga spielt, setzt der Trainer auf Power-Point-Präsentationen, die er am Freitagabend vor dem Spiel zeigt – und prompt spielt seine Mannschaft um den Aufstieg mit.

 
„Ich zeige darauf Stärken, Schwächen, Spielsysteme und Positionen des Gegners, gehe aber nicht zu sehr ins Detail“, berichtet Nolte. Taktik besitze in seinem Training einen hohen Stellenwert und sei unverzichtbar, sofern es nicht übertrieben wird. „Ein paar Regeln muss es geben, damit nicht alle wild herumlaufen. Es besteht aber auch das Risiko, dass zu viele taktische Zwänge Kreativspielern wie Flo Evers und Josu Vicuna ein Korsett anlegen“, erklärt der Erfolgscoach, bei dem gilt: „15 Minuten für die taktische Spielvorbereitung sind für uns völlig okay.“

 
Auch Jan Steiger, Sportlicher Leiter des Landesligisten 1. SC 05 und Teammanager des Bezirksligisten Grün-Weiß Hagenberg, findet es richtig, auf Hilfsmittel wie den Laptop zurückzugreifen. „Gewisse Dinge prägen sich besser ein, wenn sie in einer Theorieeinheit visualisiert werden. Jedoch wäre es merkwürdig, wenn der Trainer tatsächlich mit dem Laptop auf dem Platz rumläuft“, so Steiger. Allerdings: Auf die Akteure muss auch im emotionalen Bereich stets individuell eingegangen werden. „Sonst hilft die beste Strategie nichts“, weiß Steiger.

 
Wenig mit Begriffen wie „diametral abknickender Doppelsechs“ und „falscher Neun“ anfangen kann Christian Horst, Oberligaspieler des FC Eintracht Northeim: „Ich habe zwar kein Problem, wenn Trainer jetzt von der Box statt dem Sechzehner reden, um mit der Zeit zu gehen, aber ich würde sie auch so verstehen.“ Hilfsmittel wie Laptop seien dagegen vor allem in der Spielvorbereitung hilfreich. „Etwas zu sehen, hören und lesen, bedeutet jedoch nicht, es umsetzen zu können. In der Realität ist der Platz größer als auf dem Laptop“, gibt Horst zu bedenken.

 
Nicht zum Laptop, aber gelegentlich zum Tablet gegriffen wird beim TSV Landolfshausen. Trainer Yannick Schade zeige dort Systeme und Übungen auf, berichtet Mittelfeldakteur Lukas Wierzbowski, der dies „ganz gut“ findet. „Das passt zu einem jungen Trainer wie Yannick“, sagt Wierzbowski. Überbewerten möchte er die Arbeit am Tablet jedoch nicht. „Im Grunde genommen ersetzt das einfach das Flipchart. Außerdem sollten wir uns nicht zu wichtig nehmen, schließlich spielen wir Landesliga und nicht Bundesliga.“

 
Wierzbowski kann sich an einen Jugendtrainer erinnern, der mit Fachbegriffen nur so um sich warf. „Der kam sich ziemlich toll vor, aber das nervt dich als Spieler natürlich gewaltig“, berichtet er. Zumal der Erfolg überschaubar blieb: „Er wollte Meister werden, am Ende sind wir Siebter oder Achter geworden, und der Trainer wurde gefeuert.“

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Von Redakteur Rupert Fabig

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