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Wann muss ein Trainer auf die Tribüne?

Sperre gegen Coach Roger Schmidt Wann muss ein Trainer auf die Tribüne?

Eine Beleidigung und eine Brandrede sorgen aktuell für Diskussionsstoff. Roger Schmidt, Trainer des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen, war zu einer Sperre verurteilt worden, weil er einen Trainerkollegen unter anderem als "Spinner" bezeichnet hatte. Freiburgs Coach Christian Streich verteidigte Schmidt nun.

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Bayer-Trainer Roger Schmidt verfolgt die Partie gegen Hoffenheim nach seinem Platzverweis von der Tribüne aus.

Quelle: dpa

Göttingen. Göttingen. Eine Beleidigung und eine Brandrede sorgen aktuell für Diskussionsstoff. Roger Schmidt, Trainer des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen, war zu einer Sperre verurteilt worden, weil er einen Trainerkollegen unter anderem als „Spinner“ bezeichnet hatte. Freiburgs Coach Christian Streich verteidigte Schmidt nun.

„Wir sind auf dem Kickplatz, und da wird auch mal vulgärer gesprochen, und da rummst es ab und zu“, sagte Freiburg-Coach Streich auf einer Pressekonferenz, die zu einer Wutrede avancierte. Die Frage lautet: Gehört vulgäre Sprache einfach dazu - oder muss sie derart bestraft werden? Wir haben uns bei Trainern der Region umgehört.

„Ich will mich nicht als Engel bezeichnen und habe auch schon mal falsche Worte gewählt“, sagt Wendelin Biermann, Trainer des Frauenfußball-Oberligisten FFC Renshausen. „Das darf eigentlich nicht passieren, aber es passiert eben doch.“ Fehl am Platze seien ihm zufolge „persönliche Beleidigungen“. Deshalb kritisiert er weniger die vielzitierten Aussagen, die Schmidt an den Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann richtete („Spinner“, „Schnauze halten“), sondern eine andere: „Du denkst wohl, Du hast den Fußball erfunden.“

Andreas Riedel, Coach des Bezirksligisten Bovender SV, betont: „Schmidt hätte andere Worte finden müssen, um das auszudrücken, was er sagen wollte. Grundsätzlich gehören Emotionen im Fußball aber mit dazu, man sollte sie nicht verbieten.“

Riedel steckt mitten im Thema, unter anderem weil gegen seinen Spieler Helge Kaden kürzlich eine Sperre verhängt wurde. Der Angreifer war von einem Gegner gefoult und danach leicht angegangen worden. Kaden sagte: „Verpiss dich!“ - und sah dafür Rot.

„Grundsätzlich wird jede Beleidigung geahndet“, erklärt Christian Rahlfs, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Fußballkreis Göttingen-Osterode. „Voraussetzung ist natürlich, dass die Beleidigung vom Schiedsrichter gehört wird - und sie klar gegen jemanden gerichtet ist.“ Auch böse Sprüche gegen eigene Teamkollegen oder Zuschauer führten zu Strafen.

Bei Beleidigungen stehen dem Schiedsrichter die gelbe Karte (für unsportliches Verhalten) sowie die rote (für grob unsportliches) zur Verfügung. Die Entscheidung liege im Schiedsrichter-Ermessen, unterstreicht Rahlfs: „Es kommt auf Wortwahl, Situation, Tonlage, Lautstärke an - und auch darauf, was zuvor passiert ist.“

Kommentar: Der Spinner bleibt ein Spinner

Die Wutrede von Christian Streich birgt große Gefahr: Sie verteidigt Roger Schmidt und dessen beleidigende Aussagen mit dem Argument, dass vulgäre Sprache auf dem Fußballplatz doch nicht unüblich sei. Das aber darf ihren Gebrauch auf keinen Fall rechtfertigen. Die Beleidigung „Spinner“ bleibt eine Beleidigung – egal ob im Kinderzimmer, Gefängnis oder auf dem Fußballplatz. Falsches Verhalten nicht oder nur unzureichend zu bestrafen, wäre falsch. Wohin es im Fußball führt, wenn Strafen zu gering ausfallen, zeigt ein Blick auf einen anderen Bereich: taktische Fouls. Auf Kosten einer gelben Karte wird ein gefährlicher gegnerischer Angriff unterbunden. Vom Leistungsprinzip her verständlich, wird das Fairplay hier jedoch mit Füßen getreten. Und das ist auch bei jeder Beleidigung der Fall.

Von Timo Holloway

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