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Trainer Daniel Otto sucht die stärksten Spieler des Jahrgangs 2005

„Hier sind die Besten der Besten“ Trainer Daniel Otto sucht die stärksten Spieler des Jahrgangs 2005

Es ist ausgesprochen ruhig in der Dransfelder Sporthalle. Nur auf dem Hallenboden tippelnde Füße sind zu hören, gelegentliche Anweisungen des Trainers Daniel Otto. Und ein paar Geräusche von den Kindern, die auf der Tribüne sitzen – und die noch ein bisschen jünger sind als ihre Fußball spielenden Geschwister, denen wiederum die tippelnden Füße gehören.

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Traineransprache: Daniel Otto (hinten links) gibt den Auswahl-Anwärten Anweisungen.

Quelle: Theodoro da Silva

Dransfeld. Die Ruhe ist bemerkenswert, denn für die 26 Nachwuchsfußballer steht viel auf dem Spiel: die endgültige Berufung in die Göttinger Kreisauswahlmannschaft des Jahrgangs 2005.

„Hier sind die Besten der Besten“, sagt Jens Herwig, der seit vier Jahren Trainer beim JFV West und einer von einem guten Dutzend zuschauender Vereinstrainer ist.

Genau so wie die anderen 40 Zuschauer müssen sich die Vereinstrainer in Zurückhaltung üben und dürfen keine Tipps geben. „Wir wollen ja das Talent der Kinder bewerten und nicht das Taktikverständnis der Vereinstrainer oder Eltern“, erklärt Otto. „Das Reingerufe ist beim Fußball oft nicht konstruktiv, sondern demotivierend.“

Kinder sind sehr diszipliniert

Daher folge man bei Auswahltrainings und -turnieren schon lange der Grundregel, das Coaching allein den Trainern zu überlassen.

Ute Borchard, die ihrem Sohn Max zusieht, kann das nachvollziehen: „Eltern haben oft andere Ansichten als Trainer – und wenn der Trainer hü sagt und die Eltern hott, wird es schwierig“, verdeutlicht sie – und ihr Mann Bastian findet: „Im Gegensatz zum Vereinstraining läuft das hier wirklich sehr ruhig ab, die Kinder sind sehr diszipliniert.“

Phasenweise gehen die Nachwuchsfußballer aber gänzlich aus sich heraus – zum Beispiel beim Eins-gegen-Eins, das im Mittelpunkt der dreistündigen Trainingseinheit steht. Übersteiger,  Drehungen und viele weitere Finten werden getestet. Als Stürmer Tempo aufnehmen und als Verteidiger das Tempo herausnehmen – genau das wollen die Auswahltrainer sehen.

Von ursprünglich 100 nominierten Spielern aus 22 Vereinen wird nach und nach ausgesiebt, am Ende sollen 20 Kinder übrig bleiben. „Die besten zehn Spieler hat man schnell gefunden. Danach wird es sehr schwierig, weil die Leistungsdichte sehr hoch ist“, erklärt Otto, der großen Wert auf „neutrale Beobachtung“ legt.

„Die Jungs wissen schon ganz genau, was richtig und was falsch ist“

Statt Namensschildern tragen die Kinder daher farbige Leibchen mit Nummern. Fast unweigerlich weckt das Sichtungstraining Erinnerungen an TV-Castingshows.

„Wenn man es in die Auswahl schafft, spielt man gegen andere Kreisauswahl-Mannschaften. Zum Beispiel gegen die von Hannover“, wirkt Moritz Ernst motiviert, den Sprung ins Göttinger Team zu schaffen. Das Training empfindet der Neunjährige als „viel intensiver“ als das Vereinstraining, wo eher Torschusstraining oder Abschlussspiele im Fokus stünden. Und dass sich die Eltern zurückhalten? „Das ist sehr angenehm“, sagt er.

In manchen Situationen können sich die Eltern dann aber doch nicht zurückhalten: „Langsam angreifen!“, gibt ein Erwachsener einen Tipp. Und ein anderer: „Luca, pass auf: Übersteiger.“ Dabei wäre das laut Otto, der gemeinsam mit Lars Kreitz und Anna-Mareike Höltkamp das Trainergespann bildet, gar nicht nötig.

„Die Jungs wissen schon ganz genau, was richtig und was falsch ist“, sagt er. Dass er seine Schützlinge trotz ihres jungen Alters bereits für sehr reif hält und sie ernst nimmt, wird immer wieder auch am Ende seiner Ansprachen deutlich: „Okay, Männer?“, fragt er dann jeweils nach.

Von Timo Holloway

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