Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Trainer des SCW Göttingen über die Relegation des Hamburger SV

„Wir sollten der Dino bleiben“ Trainer des SCW Göttingen über die Relegation des Hamburger SV

Marc Zimmermann war in Malente, im Trainingslager des Hamburger SV. Der Meistertrainer des SCW Göttingen und HSV-Fan nutzte ein paar Tage an der Ostsee für einen Ausflug und machte sich sein eigenes Bild.

Voriger Artikel
Fußball-Landesliga: Torjäger soll Landolfshausen zum Ligaverbleib schießen
Nächster Artikel
Bezirksliga: Bilshausen will Schützenhilfe leisten

Ungewisse Zukunft: Pierre-Michel Lasogga, Gojko Kacar und Nicolai Müller (v.l.) im Trainingslager in Malente.

Quelle: dpa

Göttingen. Sein Fazit: „Das war, wie man es aus der Bundesliga kennt: Lange Bälle spielen, klatschen lassen und die zweiten Bälle erobern“ – der HSV wird sich nur mit der Brechstange in der Bundesliga halten können. Wenn am Donnerstag um 20.30 Uhr das erste von zwei Relegationsspielen gegen den Karlsruher SC angepfiffen wird, geht bei HSV-Anhängern wie Zimmermann das große Kribbeln los: Kann Stürmer Pierre-Michel Lasogga die stolzen Hamburger nach einer unterirdischen Saison erneut in einer Relegation zum Klassenerhalt schießen?

„In der Relegation“, glaubt Zimmermann, „geht es nur darum, wer seine Angst am besten unterdrücken kann“. Kann der HSV mit dem Druck umgehen? Ist Karlsruhe in der Lage, seinen Respekt vor dem Bundesliga-Dino abzulegen? Von einer Ehrenrunde in der 2. Liga, wie von einigen Experten quasi als Selbstreinigung verordnet, hält der 41-Jährige  allerdings nichts: „Niemals! Die 2. Liga kennen wir nicht, und die wäre auch nicht heilsam, zumal die Schulden nicht weniger würden.“ Außerdem ginge dem HSV sein Markenzeichen verloren: „Wir sollten der Dino bleiben.“

Zimmermann konstatiert seinem Klub vor der ersten von zwei Relegationspartien, über die gesamte Spielzeit hinweg kein Offensivkonzept gehabt zu haben. „Lange Naht nach vorn, und dann half manchmal der Zufall. Es gab doch kaum mal einen einstudierten Angriff.“ Wenn der HSV mit 25 in der regulären Saison erzielten Treffern die Liga halten würde, wäre das durchaus eine Farce, räumt der Weender Trainer ein.

Stichwort Jugendarbeit

Überhaupt kann er sich mit der Hamburger Taktik nicht identifizieren. „Da wird auf Fehler gewartet, statt aggressiv den Ball zu erobern“ – das mag Zimmermann gar nicht. „Ich bin da mehr bei Klopp“, sagt der 41-Jährige. Den Neuanfang unter Beiersdorfer will er aber nicht durch die miserable Saison in Frage gestellt wissen. „Ich bin total für Beiersdorfer. Wir benötigen ein paar Konstanten im Verein, und man muss ihm einfach ein paar Möglichkeiten lassen.“

Stichwort Jugendarbeit: Das Scouting-System, das Beiersdorfer in seiner Zeit als Manager beim HSV bis 2009 aufgebaut hat, sei damals ein Vorzeige-Modell gewesen und heute nicht mehr vorhanden. „Beim Lokhallen-Turnier ist es doch zu beobachten: Talente aus Göttingen gehen nach Hannover oder Wolfsburg, aber nie zum HSV“, unterstreicht Zimmermann. Das müsse nun mit dem Bau des Campus, des Nachwuchsleistungszentrums, besser werden. „Wir haben mit Beiersdorfer wieder eine gute Perspektive“, glaubt Zimmermann.

Auch wenn er kein Fan von HSV-Trainer Bruno Labbadia ist, habe dieser dem Team doch Leben eingehaucht. Und darum gehe es in den Spielen gegen Karlsruhe. Wenn Heiko Westermann, der immer für einen Fehler gut ist, am Donnerstag etwas anderes vorhätte, hätte Zimmermann nichts dagegen. Im Übrigen gelte: „Die Jungs schießen Lasogga zweimal auf den Kopf, und wir gewinnen.“ Außerdem – das hätten die Hamburger bereits vor einem Jahr unter Beweis gestellt – „sind wir viel zu blöd, um abzusteigen“.

Von Eduard Warda

►Kommentar: Der HSV muss erstklassig bleiben   ►Kommentar: Der HSV muss erstklassig bleiben

Als HSV-Fan hat man es nicht leicht – und das seit fast 30 Jahren, als die Hamburger den DFB-Pokal gewannen. Seitdem besteht das Problem im Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Der Anspruch ist, in Erinnerung an die frühen 80er-Jahre Nord-Süd-Gipfel-mäßig der größte Konkurrent des FC Bayern zu sein. In Wirklichkeit ist der HSV seit Jahren aber eine Lachnummer, und das nicht erst seit dem 2:9 gegen die Bayern 2013.

Doch aufgeben gilt nicht. Dem HSV-Nostalgiker muss nur ein alter Filmausschnitt mit Magath, Kaltz und Hrubesch gezeigt werden, dann weiß er wieder, warum er sich das alles antut. Irgendwann muss Schwarz-Weiß-Blau doch die Kurve kriegen! Eine heilsame Ehrenrunde in der 2. Liga? Totaler Quatsch. Man kann sich auch in der Bundesliga regenerieren.

Vielleicht trägt das Elend auch zum Reiz der Aufgabe bei: Während beim FC Bayern nach einer Saison mit nur einem Titel fast die Welt untergeht, klammert sich der leidgeprüfte Anhänger der Rothosen an jeden noch so kleinen Strohhalm und spielt im Geist die strahlende Zukunft des Klubs durch. Der HSV-Fan lebt von der Hoffnung. Und zwar von der Hoffnung, Großes zu erreichen. Nicht von der Hoffnung, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen.

 

Es wird Zeit für einen Schnitt. Die chaotisch agierende Führung eines Vereins, der in sechs Jahren zwölf Trainer verschleißt und zig Millionen Euro für abgehalfterte Altstars verbrennt, hat eine Denkpause verdient. 

Nach der Zitter-Relegation mit glücklichem Ende in der vergangenen Saison (0:0 und 1:1 gegen Greuther Fürth) ist ein vorläufiger Schlussstrich unter die ruhmreiche Geschichte des Bundesliga-Dinos Hamburger SV die gerechte Strafe für einen Klub, der seit einer Dekade orientierungslos durch die deutsche Eliteklasse taumelt.

Mit einem Neuaufbau in der zweiten Liga bekommt der sechsmalige Deutsche Meister und zweifache Europacup-Gewinner die Chance, sich neu zu strukturieren und die Zielstrebigkeit und den Biss zurück zu gewinnen, der den HSV in früheren Jahrzehnten ausgezeichnet hat. Sehr viel mehr als die Hamburger hat es der Karlsruher SC verdient, wieder in der höchsten Klasse zu spielen, aus der er 2009 abgestiegen war.

Der Deutsche Meister von 1909 und zweimalige DFB-Pokalsieger hat sich von Tiefschlägen nicht  entmutigen lassen und sich innerhalb von drei Jahren aus der 3. Liga in die Bundesliga-Relegation gekämpft.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
BG Göttingen spielt gegen Bayreuth
Noch mehr Fußball