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Vom „Mädchen für alles“ bis zum Reha-Zentrum

Fußball Vom „Mädchen für alles“ bis zum Reha-Zentrum

Wie werden die Fußballer der Region bei Verletzungen versorgt? Das Tageblatt hat bei Betreuern und Physiotherapeuten nachgefragt

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Im Einsatz für seinen Verein: Hermann Jung, Betreuer des  Kreisligisten TSV Seulingen.

Quelle: Schneemann

Göttingen. Wer kennt sie nicht, die in der Regel älteren Herren, die bei einer Verletzung mit einem Eis-Köfferchen auf den Platz sprinten, um einen Spieler zu versorgen. Hermann Jung vom Kreisligisten TSV Seulingen ist einer von ihnen, ebenso wie Frank Bernasek der bei der SVG Göttingen im Einsatz ist. Der 68-Jährige Bernasek ist seit vier Jahren Betreuer der ersten Mannschaft, die vor kurzem in die Oberliga aufgestiegen ist. „Er ist der beste Neuzugang, den wir je bei der SVG hatten und haben werden“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Thorsten Tunkel. Aber was ist eigentlich das Aufgabengebiet eines Betreuers wie Bernasek, der neben den Spielern auf der Bank Platz nimmt?

 
Zunächst einmal wird keine gesonderte Ausbildung benötigt. „Wichtig ist, Eisbeutel dabei zu haben. Es muss verpflastert und getaped werden, alles, was es so gibt“, sagt Bernasek. Erst war er bei der SVG nur Zuschauer, dann wurde er gefragt, ob er nicht den Job eines Betreuers machen wolle.

 
Er sagte zu. Zu Beginn seiner Tätigkeit schaute er sich hier und da etwas ab, dann ging es auch schon los. Heute ist er außerdem für Trikots und Getränke zuständig, füllt bei den Schwarz-Weißen die Position eines „Mädchens für alles“ aus. Auch Auswärtsfahrten macht er mit und unterscheidet sich dadurch von der SVG-Physiotherapeutin Mara Wissmann. „Sie ist zweimal pro Woche bei uns, tauscht sich mit dem Trainer aus und gibt schließlich grünes Licht fürs Wochenende“, berichtet Tunkel. Kann sie keine Diagnose stellen, wird ein Arzt aufgesucht.

 
Bei Spielen ist sie allerdings relativ selten dabei. Eine dauerhafte Unterstützung durch die Physiotherapeutin Wissmann wäre wünschenswert, die SVG kann sich das aber nicht leisten. Hier kommt Bernasek ins Spiel. Den SVG-Trainer Knut Nolte kennt er „von Kind auf“, spielte bereits mit dessen Vater zusammen Fußball. Mittlerweile ist er fester Bestandteil der SVG-Familie. „Wenn wir einen wie ihn nicht im Verein hätten, würde nichts laufen“, sagt Tunkel.

 

Das Rehazentrum
„Die klassischen Verletzungen, mit denen Fußballer zu uns kommen, sind Verletzungen des Knies, muskuläre, Leisten- und Adduktorenprobleme“, sagt Rainer Junge vom gleichnamigen Göttinger Rehazentrum. Beim Knie handele es sich in der Regel um Kreuzbandrisse und Meniskusverletzungen. Este Hilfe sei „super wichtig“, nach einer Verletzung müsse möglichst schnell ein Kompressionsverband angelegt und mit Eis gekühlt werden. „Breitet sich ein Hämatom nicht aus, geht es mit der Rehabilitation schneller.“ In der Nachsorge sei es wichtig, beispielsweise nach einem Kreuzbandriss nicht zu früh ins Training einzusteigen, „nur weil Trainer das fordern“. Im Alltag beim Sportverein gelte für Fußballer, „wachsam zu sein, nichts zu verschleppen und im Zweifelsfall Kontakt mit uns aufzunehmen“. Betreuer sollten sich nicht überschätzen, Physiotherapeuten prinzipiell bei Training und Spiel dabei sein. war
 
Der Jugendfußball
Wie sieht die Situation bei den Junioren aus, beispielsweise in einem Jugend-Fußball-Verein (JFV), in dem mehrere Junioren zu versorgen sind? Rüdiger Schmiedekind, Sportlicher Leiter des JFV Eichsfeld, würde es sehr begrüßen, wenn bei den Spielen oder auch Trainingseinheiten ständig ein Arzt oder ein Physiotherapeut dabei wäre. Die Realität aber sieht anders aus. „Alles, was ehrenamtlich ist, ist sehr schwer zu regeln, denn wer stellt sich immer ohne Bezahlung zur Verfügung“, fragt Schmiedekind, der durchaus Verständnis für die Gegebenheiten im Juniorenbereich aufbringt, dafür, dass sich im Regelfall die Verantwortlichen der einzelnen Teams selbst helfen. Für die Erstversorgung, unterstreicht er, haben wir „alles, was man so braucht“. Für die weitere Behandlung bei schwerwiegenderen Verletzungen nutze er seine guten Kontakte zum Rehazentrum Rainer Junge in Göttingen. vw
 
Physiotherapeut
Frank Reese unterhält nicht nur die Göttinger Praxis Physio Fitness für Sportphysiotheraphie und Osteopathie, er ist auch Physiotherapeut beim Fußballklub Grün-Weiß Hagenberg. Wie früher unter anderem bei 05 handele es sich jedoch um eine „Good-Will-Aktion“, wie er sagt. Denn in unteren Spielklassen habe kein Klub die Mittel, sich einen Vollzeit-Physiotherapeuten zu leisten. „Eine exklusive Physiotheraphie gibt es im Göttinger Fußball nicht“, stellt der 46-Jährige klar. Selbst bei Hagenberg stehe er nicht ständig an der Seitenauslinie, Grün-Weiß habe aber das Vorgriffsrecht, wenn Spieler betroffen sind. „Schwierig ist es, keinen Ansprechpartner zu haben, wenn am Wochenende eine Verletzung passiert ist. Am Montag müsste eigentlich schnellstmöglich ein Termin gemacht werden, denn einer in 14 Tagen nützt dir nichts mehr. Der Montag ist extrem wichtig“, unterstreicht Reese. Die Behandlung läuft in der Regel über „normal verordnete Heilmittel“ – der betroffene Spieler sucht einen Arzt auf, der ihm ein Rezept ausstellt und den Patienten zur Physiotherapie schickt. „Dann ist es wichtig, eine genaue Diagnose zu stellen: Kann der Patient wahrscheinlich in drei Tagen wieder laufen, oder ist eventuell ein Eingriff nötig?“ Im Optimalfall ergebe sich eine Art Meldekette, bei der ein „Physio“ Hand in Hand mit einem Arzt zusammenarbeitet. „Dann ist es okay.“ Für die Erstversorgung gelte „das gute alte PECH“, die Erfolgsformel für die ersten Stunden nach der Verletzung: Pause, Eis, Compression und Hochlagern. Im Anschluss dann „möglichst schnell“ ein Termin beim Physiotherapeuten. Besser wäre noch, wie es auch Rainer Junge fordert, ein Physiotherapeut beim Training oder beim Spiel, aber da sei den Klubs der sportliche Erfolg stets näher als die Versorgung der Spieler, sagt Reese. „Es wird immer am Physio gespart und lieber der 18. oder 19. Spieler des Kaders verpflichtet.“ war
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