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Sparkasse & VGH-Cup: Das Lokhallen-Turnier in Göttingen wird populärer

„Regios“ als das Salz in der Suppe Sparkasse & VGH-Cup: Das Lokhallen-Turnier in Göttingen wird populärer

Der Sparkasse & VGH-Cup, das internationale Hallenfußballturnier für A-Junioren in der Lokhalle, dessen 26. Auflage am Donnerstag beginnt, boomt. Grund genug zurückzublicken: Wie fing alles an, was ist aus den ehemaligen Talenten geworden, und wie geht es weiter?

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Volle Tribünen: Beim Sparkasse & VGH-Cup 2014 führt Hannover 96 gegen den HSV mit 2:0, und die Zuschauer erleben erneut einen spannenden Finaltag.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Was 1989 klein anfing, ist im Jahr 2015 ein fester Bestandteil des Sport-Terminplans der Region – und weit darüber hinaus: Beim Sparkasse & VGH-Cup, dessen 26. Auflage von Donnerstag bis Sonntag in der Lokhalle ausgespielt wird, sitzen regelmäßig Talentscouts der besten deutschen Fußballklubs auf der Tribüne, um die möglichen Stars von morgen unter die Lupe zu nehmen.

Clarence Seedorf, später bei Real Madrid und den beiden großen Mailänder Klubs zum Idol geworden, war da, ebenso Patrick Kluivert, später beim FC Barcelona und einer der bekanntesten Stürmer weltweit. Manuel Neuer und Mesut Özil, die für Schalke 04 in der Lokhalle aufgelaufen sind, holten sich 2014 mit Deutschland den Weltmeister-Titel.

Doch es sind nicht nur die Stars, die das Turnier für A-Junioren ausmachen. Die Nachwuchsspieler aus der Region messen sich in der Vorrunden mit den großen Nachwuchstalenten und stehen vielleicht das einzige Mal in ihrer Fußballerkarriere im Rampenlicht. Lutz Renneberg, zusammen mit Holger Jortzik Initiator des Hallenspektakels, bezeichnet die „Regios“ gern als das „Salz in der Suppe“. Denn gelingt eine Überraschung, schlägt ein „Kleiner“ den „Großen“, steht das Publikum Kopf.

In der Anfangszeit veranstalteten Renneberg und Jortzik das Turnier zusammen mit der SVG Göttingen in der Godehardhalle. Zu den Helfern zählte in dieser Zeit auch der damalige SVGer Thomas Oppermann, heute Fraktionschef der SPD im Bundestag. Später, 1998, setzte er sich dafür ein, dass nach dem Bruch zwischen Renneberg und der SVG das Turnier erhalten blieb. Renneberg und Jortzik zogen mit ihrem neuen Verein SCW in die frisch sanierte Lokhalle um, so dass es 1998 zwei Turniere gab: eins in der Godehardhalle unter der Regie der SVG, das andere in der ehemaligen Bahn-Immobilie.

„International was Besonderes“

„Wir haben die Bande selbst gebaut“, erinnert sich Renneberg an die Anfangszeit in der Lokhalle. Zwar war bereits zuvor unter anderem der FC Bayern, damals mit Gerd Müller, zu Gast gewesen, doch jetzt wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Es kamen europäische Topteams wie Barcelona und Inter Mailand, der Cup stieg zu einem der führenden A-Juniorenturniere Deutschlands auf.

Den nächsten Einschnitt gab es 2006, als der Namenssponsor, der Sportwettenanbieter Oddset, sein Engagement aus rechtlichen Gründen zurückziehen musste. Zwar sprang die Jeansmarke Mister Lady ein, doch nun war für die Veranstalter zunächst einmal sparen die Devise.

Heute, mit den Klubs JSG Lenglern/Harste und FC Grone als Partner, steht der Cup besser da, denn je. Der Großteil der Tickets für die 26. Auflage war innerhalb von wenigen Minuten vergriffen und der Ansturm auf den Online-Vorverkauf so groß, dass der Server zusammenbrach.

Dabei hat sich in den vergangenen Jahren das internationalen Starterfeld kaum verändert. Ideen hat Renneberg genug, „international was Besonderes“ in die Wege zu leiten. So war St. Etienne im Gespräch, „vielleicht gibt es noch eine andere Lösung“, sagt er. Doch vor allem liegt dem Fußballmanager ein deutscher Klub am Herzen: der FC Bayern. Doch der spielt seit geraumer Zeit kaum noch Hallenturniere. „Vielleicht“, sagt Renneberg, „findet ja unter Hoeneß ein Umdenken statt“.

An der Tageskasse sind für den jeweiligen Turniertag noch Stehplatzkarten zu haben. Für Donnerstag gibt es auch noch einige Sitzplatztickets.

Superstars fingen in der Lokhalle klein an

Es war 2006, und der Sparkasse & VGH-Cup hieß noch Oddset-Junior-Cup, als ein Spieler von Schalke 04 mit auffällig großen Augen für ein kollektives Raunen der Zuschauer sorgte. Das Tageblatt schrieb damals: „Zwei gefährliche Situationen entschärfte 04-Torwart Ralf Fährmann, alles in allen hatten jedoch die Schalker die klareren Chancen. Eine davon verwertete gewohnt trocken und elegant einer, der den Partien des Revier-Clubs seinen Stempel aufdrückte.“

Gemeint war Mesut Özil, „einer der besten  Spieler des Turniers und mit 16 Treffern Torschützenkönig“.

Auch Fährmann hat seinen Weg gemacht, steht heute zwischen den Pfosten der Königsblauen in der Bundesliga. Özil aber ist zum Weltstar aufgestiegen, wechselte 2013 von Real Madrid zu Arsenal London und wurde im vergangenen Jahr Weltmeister – genauso wie ein anderer Knappe, der 2006 auf der Talentbörse in der Lokhalle vorspielte und heute noch für Schalke aufläuft: Benedikt Höwedes.

Der dritte aktuelle Weltmeister und ehemalige Schalker heißt Manuel Neuer, hütet das Tor des FC Bayern und gilt als bester Torhüter der Welt. Die Reihe der heutigen Idole des Fußballsports ließe sich fast endlos fortsetzen, weshalb die Tageblatt-Redaktion anlässlich der 26. Auflage des Turniers eine Top-Elf der Lokhallen-Stars zusammengestellt hat.

Lokhallen-Top-Elf

„Das Niveau ist besser geworden“

Turnier-Veranstalter Lutz Renneberg im Tagblatt-Interview über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Turniers.

Wie entstand die Idee zum Sparkasse & VGH-Cup?
Ich wurde 1989 Trainer der A-Junioren der SVG, und wir hatten zwei Tage lang die Godehardhalle, die damals einzige große Halle in der Region gebucht. Also stellte ich ein Turnier zusammen und blätterte das Kicker-Jahresheft nach Adressen durch. Die angeschriebenen Bundes- und Zweitligisten sagten aber ab. Dann kam die Grenzöffnung. Eigentlich war ich als damaliger Lehrling der Sparkasse Göttingen damit beschäftigt, Begrüßungsgeld auszuzahlen.

Als ich einen Anruf aus der DDR erhielt und der 1. FC Magdeburg zusagte, überschlugen sich die Ereignisse, denn andere DDR-Vereine schlossen sich an. Es war alles noch ganz klein, und Magdeburg brachten wir im Naturfreundehaus Grone unter. Die Resonanz war überwältigend. Wir hatten an zwei Tagen 1000 Zuschauer.

Wie kam es, dass später Teams wie Inter Mailand und der FC Barcelona aufliefen?
Es gab schnell den Ruf nach Bundesligavereinen, und bereits 1990 sagten Hannover 96, St. Pauli, Werder Bremen oder auch Borussia Dortmund zu, weil wir erstmals ein Startgeld zahlten. 1991 nahmen dann unter anderem der FC Bayern und Ajax Amsterdam teil, in der Jugendarbeit der damals führende Klub in Europa. Amsterdam machten wir ein Angebot, dass die Verantwortlichen nicht ablehnen konnten.

Beim Umzug in die Lokhalle brauchten wir ein Zugpferd, und Mailand und Barcelona sagten innerhalb von einer Stunde zu. Da haben wir dann doch kalte Füße bekommen, denn die kosteten viel Geld. Immerhin mussten die Flüge bezahlt werden, und Barcelona fliegt nicht Ryan Air.

Heute ist der Cup ein Selbstläufer. Wir erklären Sie sich das?
Seit vier bis fünf Jahren ist das sportliche Niveau besser geworden, die Nachwuchsleistungszentren der Bundesligavereine haben sich beträchtlich gesteigert. Aber auch die Arbeit in den Klubs der Region ist besser geworden, es gibt viel mehr Überraschungen. Außerdem versuchen wir, abseits des sportlichen Geschehens die Attraktivität stetig zu steigern. Diesmal bieten wir beispielsweise Fußball-Billard an.

Die Tickets waren diesmal in kürzester Zeit fast völlig vergriffen. Wie ist eine Steigerung noch möglich?
Sportlich versuchen wir, neue internationale Teilnehmer zu verpflichten, aber das ist nicht so einfach. Was die Größe der Veranstaltung betrifft, ist bautechnisch in der Lokhalle nicht mehr viel möglich. Immerhin bietet die Stehplatztribüne seit dem vergangenen Jahr zusätzliche Zuschauerplätze.

In diesem Jahr erledigen wir die große Nachfrage zum ersten Mal mit einem Live-Stream. Dennie Klose wird der Kommentator sein, als Experte steht ihm der ehemalige A-Juniorentrainer von Austria Wien, Herbert Gager, zur Seite, den wir extra einfliegen lassen.

 Das Interview führte Eduard Warda

▶ Kommentar: Breit aufgestellt

Das kann über kaum eine andere Sportveranstaltung in der Region gesagt werden: Der Sparkasse & VGH-Cup ist ein wirtschaftlich florierendes Turnier, das zudem noch den Leistungsstand in der betreffenden Sportart widerspiegelt.

Dafür gebührt Lutz Renneberg und Holger Jortzik, den Veranstaltern des internationalen A-Juniorenturniers in der Lokhalle, Anerkennung. Trotz einiger Rückschläge wie dem Verlust eines Sponsors oder eines Partnervereins haben sie nicht aufgegeben. Heute ernten sie die Früchte ihrer Arbeit und bieten Spitzensport.

Auch andere profitieren vom Erfolg des Lokhallen-Turniers: Die Göttinger Hotels benötigen nicht die FDP, um schwarze Zahlen zu schreiben, denn der Cup sorgt für zusätzlichen Umsatz. Renneberg spricht nicht ohne Stolz von 1100 Übernachtungen und sieht sich damit sogar gegenüber den Händel-Festspielen im Vorteil.

Der Vergleich Sport und Kultur im Hinblick auf Subventionen ist ein Lieblingsthema des Lenglerner Sportfunktionärs, der sich hier im Nachteil wähnt. Zum Status Quo gehört aber auch, dass das Turnier breit aufgestellt und in der Region verankert ist – vielleicht das größte Verdienst von Renneberg und Jortzik.

2015 ist der Sparkasse & VGH-Cup an seine Grenzen gestoßen. Die Veranstalter hätten für vier Turniertage leicht 15 000 Tickets absetzen können, doch mehr Platz ist in der Lokhalle nicht zu finden. Ein Umzug nach Kassel oder Braunschweig scheidet aus Gründen der Identität wohl aus, so dass es nur einen Ausweg gab: den Livestream. Aber eine melkende Kuh, die absehbar noch lange Milch gibt, ist ja auch etwas.

Eduard Warda

Eduard Warda

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