Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 9 ° heiter

Navigation:
„Alkohol war die einzige Konstante“

BG-Profi Waleskowski hat Sucht nach fünf Jahren überwunden „Alkohol war die einzige Konstante“

Der 17. Februar 2012 sei der Tag gewesen, an dem er die beste Entscheidung seines Lebens getroffen habe, sagt Adam Waleskowski im Blick zurück. Nie wieder Vollrausch, die Welt endlich nicht mehr durch getrübte Augen sehen. Ein Profi-Basketballer entsagt dem Alkohol.

Voriger Artikel
Van der Zweep neuer NBBL-Trainer
Nächster Artikel
BG Göttingen schlägt Ludwigsburg mit 84:75
Quelle: Archiv

Göttingen. Rückblende: Was ist letzte Nacht passiert? Wie geht es weiter? Waleskowski weiß die Antworten darauf nicht. Er weiß nur: „Alkohol ist die einzige Konstante in meinem Leben.“ Seit er 2005 seine professionelle Laufbahn begonnen hat, ist das Suchtmittel sein Begleiter. „Anfangs waren es nur die Drinks mit dem Team nach Spielen, Alkohol war mit Spaß verbunden. Dann ist es langsam immer mehr geworden“, erinnert sich der heute 34-Jährige.

Aus einem Bier am Abend werden zwei. „Als großer Kerl vertrage ich doch mehr“, denkt sich der in Missouri geborene US-Amerikaner mit deutschem Pass. Schließlich wird es zum Ritual: Trinken vor lauter Langerweile, trinken nach jedem Training, trinken zur Frustbewältigung. Mit Freunden, alleine, egal. Lieblingsgetränk? „Was ich im Kühlschrank zuerst gegriffen habe.“

„Meine Freunde und College-Kumpels haben zu der Zeit Familien gegründet, richtige Jobs begonnen. Meine Karriere ging nirgendwohin, ich hatte kein Ziel“, sagt Waleskowski. Die Mitspieler hätten es allenfalls geahnt, dass er ein Problem habe, glaubt der Power Forward. Wie die meisten Alkoholiker kann er seine Sucht sehr gut verschleiern. Zumal sie sich auf dem Spielfeld nicht bemerkbar macht. „Ich war trotzdem erfolgreich und habe mich fit gefühlt“, betont der 2,03-Meter-Schrank.

Nur seine Aggressionen bekommt er zunehmend nicht unter Kontrolle, weshalb er bei einer Mannschaft schließlich rausfliegt. Bei einer anderen erneut. „An meinen Emotionen zu arbeiten, war ungeheuer schwierig und unter Alkoholeinfluss unmöglich. Selbst heute ist es noch harte Arbeit.“

Am Tiefpunkt, dem Morgen des 17. Februar nach einer nächtlichen Sauftour mit Filmriss, wendet sich das Blatt. Waleskowski entschließt sich zu einem Test: „Wie lange schaffe ich es ohne Alkohol?“ Und er führt Tagebuch darüber. „Ich wollte mit fortschreitender Zeit nachlesen, wie sich meine Gefühle verändern, ob der Entzug mir guttut.“ Er tut gut. Und wie. „Auf einmal habe ich die Welt nicht mehr getrübt gesehen.“

Der Wunsch nach einem Drink ist groß, doch Waleskowskis Wille ist stärker: „Ursprünglich war ein Monat ohne Alkohol veranschlagt. Als ich das geschafft hatte, war ich motiviert, 50 Tage zu schaffen, dann 100, dann ein Jahr. Dass es fünf Jahre werden, hätte ich aber niemals für möglich gehalten.“ Die Kette ist gesprengt.

Das Leben als trockener Alkoholiker gestaltet sich schwierig. „Auf Partys habe ich mich plötzlich total komisch gefühlt ohne Flasche in der Hand, wusste gar nicht mehr, wie ich mit anderen sprechen sollte“, sagt er. Der Besuch in einer Pool-Bar, wo fast alle anderen trinken, gerät zur Herausforderung. „Manchmal hatte ich ernsthafte Diskussionen mit anderen, die partout nicht akzeptieren wollten, dass ich kein alkoholisches Getränk ausgegeben bekommen möchte, bis ich von meiner Vergangenheit als Trinker erzählt habe.“ Die Gefahr eines Rückfalls schätzt Waleskowski als sehr gering ein. „Einmal habe ich ein alkoholfreies Bier bestellt, aber ein richtiges bekommen. Es ist mir beim ersten Schluck aufgefallen, ich fand es widerlich und habe es zurückgegeben.“

Heute wirkt der älteste BG-Akteur aufrichtig zufrieden und befreit. Mit seiner Freundin Denise, die immer zu ihm gehalten habe, gehe er gern ins Café Hemer, wo er genüsslich Käsekuchen mit Sahne verspeist. „Ich interessiere mich sehr für Fitness, habe neun Kilo abgenommen.“ Hund Barry ist nun ein treuer Begleiter, der dafür sorgt, dass er täglich im Freien unterwegs ist. Adam Waleskowski kann sich kein schöneres Leben vorstellen. fab

Vor dem Spiel gegen Ludwigsburg

„Ludwigsburg ist ein komplett anderes Team als das, was wir zu Saisonbeginn besiegt haben“, sagt Adam Waleskowski. Dem überraschenden 74:71-Auswärtstriumph im Hinspiel misst der Routinier vor dem erneuten Duell mit seinem Ex-Klub am Montag um 18 Uhr in der Sparkassen-Arena keinerlei Bedeutung zu.

Wie üblich hat MHP-Riesen-Trainer John Patrick während der Saison mehrere Änderungen am Kader vorgenommen. Während Ende September unter anderem der jetzige Veilchen-Star Alex Ruoff noch das schwarz-gelbe Trikot überstreifte, ist mittlerweile Defensivklette Cliff Hammonds (8,8 Punkte im Schnitt/5,3 Assists) wichtigster Akteur. Vor Kurzem kehrte zudem Flügelscorer DJ Kennedy (11,0 Zähler) zu den Schwaben zurück. Lediglich der gewichtige Center Jack Cooley (12,9/7,0 Rebounds) liefert seit Saisonbeginn konstant ab.

Das favorisierte Ludwigsburg kämpft mit Gießen und Oldenburg um die Playoffplätze sieben und acht, muss nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions-League keine Doppelbelastung mehr verkraften. Sollte die Partie mit dem finalen Wurf entschieden werden, kann sich BG-Coach Johan Roijakkers bei Waleskowski nach der passenden Strategie erkundigen. „Dann spielen wir ein Pick&Roll mit Alex und mir, und einer von uns beiden wirft den Gamewinner rein.“ Zwei Ex-Riesen sollen Goliath zu Fall bringen. Tickets gibt es noch ab 16.30 Uhr an der Arena-Kasse.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Wer auf die Live-Atmosphäre bei den Bundesligapartien der BG Göttingen verzichten muss, hat trotzdem die Möglichkeit einen Blick in das aktuelle Spieltagsheft zu werfen. Schon vor Öffnung der Halle ist es auch online als E-Paper zu lesen. mehr

BG Göttingen - Das Team 2016/17
Spielplan der BG

Teamlogos

Die Logos der Beko-Basketball-Teams aus der aktuellen Saison 2016/17.