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BG-Siegesserie reißt gegen heimstarke Ulmer

Basketball-Bundesliga BG-Siegesserie reißt gegen heimstarke Ulmer

Die Voraussetzungen waren alles andere als optimal: Dennoch hatte die stark ersatzgeschwächte BG 74 vor 2700 Zuschauern in Ulm die Chance, den siebten Sieg in Serie einzufahren. Dass Ulm das stärkere Team war und mit 76:69 (53:51, 38:30, 18:15) gewann, lag aber nicht ausschließlich an seiner spielerischen Klasse. Eine Kampagne verfehlte ihr offensichtliches Ziel nicht.

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Topscorer mit Licht und Schatten: Rocky Trice markierte 19 Zähler, übertrieb aber das Eins-gegen-Eins. 

Quelle: CR

Für Kyle Bailey muss es sehr überraschend gewesen sein, welche Welle der Antipathie ihm in der Schulsporthalle am Kuhberg entgegenschlug. In einem Interview mit einer großen in Ulm erscheinenden regionalen Tageszeitung hatte er noch erzählt, dass er sich auf das Gastspiel bei seinem Ex-Verein freue, allein wegen der tollen Ulmer Fans. Die Ulmer Basketball-Macher hatten indes ein anderes Interesse. Eine komplette Seite gönnten sie Baileys Rückkehr - es war eine Generalabrechnung, irgendwo zwischen Verschwörungstheorie und Schmierenkomödie. Unter der Überschrift "Die unendliche Geschichte" drosch der Club auf Bailey ein, weil er nach einem Daumenbruch - trotz medizinischer Gutachten, die einen guten Heilungsverlauf bescheinigten - erst wieder spielen wollte, wenn er schmerzfrei ist. In dem mit Gerüchten gespickten Text wird Bailey nicht nur unkollegiales Verhalten vorgeworfen, der Artikel suggeriert auch, dass Bailey die Schuld daran trage, dass der Club nicht das Pokal-Halbfinale in Hamburg erreicht habe - weil eben nur ein Point-Guard zur Verfügung stand. Volkes Zorn in der Schulsporthalle am Kuhberg war entbrannt.

Und Bailey ließ sich beeindrucken. Der Point-Guard hielt weder dem künstlich erzeugten psychischen Druck noch dem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert der Ulmer Zuschauer stand. An alter Wirkungsstätte fand der Captain nicht in seine Führungsrolle. Das war der Anfang vom Untergang der veilchenfarbenen Hoffnungen auf den siebten Sieg in Serie.

Zu allem Überfluss bekam er aufgrund eines - nicht mehr rückgängig zu machenden - Anschreibefehlers bereits in der 15. Minute sein viertes Foul gepfiffen. Fälschlicherweise schrieben sie ein von Charles Lee begangenes Offensiv-Foul Bailey zu. "Wir hätten es sofort anzeigen müssen, dann wäre es möglich gewesen, den Fehler rückgängig zu machen. Wie das allerdings gehen soll, wenn die Anzeigetafel im Rücken der Funktionäre und praktisch nicht einzusehen ist, soll mir mal jemand erklären", schimpfte der BG-Verantwortliche Kai Winkler. Hohn- und Spott-Gesänge der Ulmer Fans begleiteten Bailey auf dessen Weg zur Bank, auf der er bis ins vierte Viertel Platz nahm.

Um seinen Team-Leader in Schutz zu nehmen, lehnte BG-Headcoach John Patrick Interviewwünsche mit Kyle Bailey ab. "Er soll das alles in Ruhe verarbeiten. Ein derart untragbares Verhalten habe ich in 18 Jahren Profi-Basketball noch nie erlebt. So etwas hat auch keinen Platz in unserem Sport", sagte Patrick, der Ulm zu einem "verdienten Sieg" gratulierte.

Sensationelle Dreier-Quote

Trotz eines sehr stark aufspielenden John Little und eines erneut mehr als solide agierenden Marco Grimaldi, dem viele mehr Spielzeit wünschen, war die Hypothek, ihre beiden etatmäßigen Point-Guards nicht einsetzen zu können, letztlich zu groß. Ohne den an einem Magen-Darm-Virus erkrankten Ben Jacobson und Banksitzer Bailey gelang es der BG zum einen nicht, mit ihrer Ganzfeldpresse den gewohnten Druck zu erzeugen, zum anderen fehlte in der Offense ein wirklicher Führungsspieler. Charles Lee agierte solide, aber auch er war gesundheitlich angeschlagen. Wie Jacobson musste auch Center Jason Miller in Göttingen bleiben, auch er ist am Magen-Darm-Virus erkrankt. Auch wenn Miller derzeit nicht in Top-Form ist, er hätte den Veilchen sicher geholfen, die Reboundschwäche zu minimieren.

Große Probleme hatte die BG vor allem auch damit, die Ulmer Distanzschützen Humphrey und Co. zu verteidigen. In der 24. Minute stand eine sensationelle Bilanz von acht Treffern bei zwölf Versuchen für die Ulmer zu Buche. Deswegen wäre es für die BG vermutlich auch in Bestbesetzung schwer gewesen, diese heimstarken Ulmer zu schlagen.

Ulm - BG 74

BG: Lee (13 Punkte/3 Dreier/3 Rebounds/2 Assists/3 Steals), Kulawick (2/0/1/0/0), Welzel (0/0/1/0/0), Bailey (9/1/3/0/0), Trice (19/0/7/0/2), Little (14/2/1/1/0), Grimaldi (6/0/0/0/0), Dill, Boone (2/0/6/1/1), Oliver (0/0/1/0/0), Brown (4/0/3/0/1).

Beste Spieler Ulm: Humphrey (13/4/0/2/0), Gibbs (8/0/8/1/1).

Teamstatistik: Feldwürfe: BG: 27/66 (41%); Ulm: 27/55 (49%). - Dreier: BG: 6/22; (27%); Ulm: 11/22; (50%). - Freiwürfe: BG: 9/12; (75%); Ulm: 11/22; (50%). - Off.-Rebounds: 8:8. - Def.-Reb.: 22:29. - Ass.: 4:9; Steals: 7:3; Turnover: 12:16.

Von Mark Bambey

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