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Glaube an die eigenen Fähigkeiten sinkt

Sportpsychologe Martin Riethmüller im Interview Glaube an die eigenen Fähigkeiten sinkt

Jeder Sportler hat es schon einmal erlebt. Die Siege bleiben aus, und das Selbstvertrauen schrumpft. Egal ob Basketball-Profi beim FC Bayern München oder Hobbyspieler beim VfB Sattenhausen. Aktuell hat es Basketball-Bundesligist BG Göttingen erwischt, der sechs Spiele in Serie verloren hat. Dr. Martin Riethmüller analysiert im Interview Niederlagenserien und zeigt Wege aus der Krise.

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Trotz Negativserie an die eigenen Stärken glauben: Führungsspielern wie Harper Kamp kommt eine besondere Rolle zu.

Quelle: Pförtner

Wann und warum werden Niederlagen zum Problem für die Psyche?
Personen, die die Ursache von Misserfolg eher in sich selbst statt in äußeren Umständen sehen, sind selbstkritischer und sehen Ansatzpunkte, um sich zu verbessern. Dieses Erklärungsverhalten ist kein Problem, wenn sich Misserfolge und Erfolge abwechseln und die Ursache für Erfolg auch in sich selbst gesehen wird. Häufen sich aber Misserfolge, während Erfolge ausbleiben, kann diese Erklärung auf Dauer zum Verlust von Selbstvertrauen führen. Mit dem Selbstvertrauen sinkt auch die Motivation, sich herausfordernden Situationen zu stellen, da weiterer Misserfolg erwartet wird. Kann man diese Situationen aber nicht vermeiden, entsteht regelrecht Angst vorm Misserfolg, die wiederum die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Konkret auf den Sport bezogen heißt das, dass der Glaube an meine Fähigkeiten sinkt und meine Nervosität vor und während Spielen steigt, wenn ich eine Niederlagenserie durchlebe.

 
Gibt es Techniken, mit denen Sportpsychologen bei Niederlagenserien helfen können?
Sportlicher Erfolg ist gerade in Mannschaftssportarten von sehr vielen Faktoren abhängig, die man nicht alle direkt beeinflussen kann. Da wäre die Stärke des Gegners, die vorgegebene Taktik oder der Schiedsrichter zu nennen. Zu einem gewissen Grad ist Erfolg auch Glückssache. Sportpsychologen vermitteln Techniken, mit denen es Spielern gelingt, sich dies immer wieder bewusst zu machen. Der Blick wird auf vergangene Erfolge und die eigenen Stärken gerichtet, statt sich auf die aktuelle Niederlagenserie zu konzentrieren. Selbstvertrauen wird gestärkt und Nervosität gemindert. 

 
Ist eher der Trainer oder die Spieler gefordert? Oder immer das komplette Team?
Erfolge und Misserfolge durchlebt man als Team. Jeder einzelne Spieler kann an sich selbst arbeiten, aber auch der Trainer hat Einfluss. Durch die Ansprache vor dem Spiel oder auch die Analyse danach kann er beeinflussen, wie Spieler mit Niederlagen umgehen. Bei einer Niederlagenserie wäre es zum Beispiel ungeschickt, die Angst vor einer weiteren Niederlage zu schüren.

 
Wie wichtig sind Führungsspieler in solchen Situationen?
Führungsspieler können ihre Mitspieler sowohl auf dem Feld als auch vor und nach dem Spiel beeinflussen. Während des Spiels können eine positive Körpersprache und aufmunternde Worte der Führungsspieler helfen, Fehler schnell zu verarbeiten. Auf der anderen Seite können sie die Situation aber auch verschärfen, wenn sie sich nach Fehlern ihrer Mitspieler sehr aufregen und meckern. 

 
Wo würden Sie im aktuellen Fall bei der BG Göttingen nach sechs Niederlagen in Serie ansetzen, oder ist die BG noch kein Fall für einen Sportpsychologen?
Zunächst einmal würde ich mir wünschen, dass Sportpsychologen nicht als „Feuerwehrmänner“ gesehen werden, die nur im Notfall eingeschaltet werden. Dann ist es nämlich oft schon zu spät. Besser ist es, regelmäßig mit Sportpsychologen zu arbeiten, damit Krisensituationen unwahrscheinlicher werden. Den Umgang mit Niederlagen kann man ja auch thematisieren, wenn es gerade gut läuft – dann haben Spieler und Trainer auch einen entspannten Blick auf das Thema. Im Fall der BG würde ich zunächst einmal mit Trainerstab und Team schauen, woran es überhaupt liegen könnte. Wie gesagt sind Niederlagen von vielen, oft unkontrollierbaren Faktoren abhängig. Sollte sich zeigen, dass das Selbstvertrauen der Spieler leidet, könnten wir dort ansetzen und zum Beispiel Visualisierungstechniken lernen, um sich die eigenen Stärken und Erfolge wieder bewusst zu machen und befreiter ins nächste Spiel zu gehen.

 

Die längsten Niederlagen-Serien

Basketball-Bundesliga : 28 Niederlagen in Serie: Erinnerungen an die Spielzeit 2006/07 fügen vielen Fans der BG Karlsruhe noch immer körperliche Schmerzen zu.   Mickrige drei Siege standen am Saisonende zubuche. Dass das letzte Saisonspiel bei Mitabsteiger Baskets Nürnberg mit 78:63 gewonnen wurde, konnte die BG-Fans nicht versöhnen.
NBA : Die Cleveland Cavaliers unterlagen am 7. Februar 2011 den Dallas Mavericks und stellten mit der 25. Niederlage in Folge die längste Niederlagenserie in der Geschichte der NBA auf. Zwei Tage später mussten sie sich den Detroit Pistons geschlagen geben und stellten somit die längste Niederlagenserie in der Geschichte der vier amerikanischen Profisportligen NFL, MLB, NBA, NHL ein.
Fußball-Bundesliga : Die meisten Tipps würden wohl auf Tasmania Berlin fallen, doch das schlechteste Bundesliga-Team aller Zeiten hält zwar den Rekord  von 31 Spielen in Folge ohne Sieg (21.8.1965 bis 14.5.1966), die längste Niederlagenserie legte jedoch der 1. FC Nürnberg hin. Allerdings saisonübergreifend und sogar mit einem Jahr 2. Liga dazwischen. Die Franken schlichen elf Spiele in Folge (24.3.1984 bis 10.8.1985) als Verlierer vom Platz. bam

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