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Rückkehr in Lokhalle wird für die BG Göttingen zum Triumphzug

Das Bermuda-Dreieck der BBL Rückkehr in Lokhalle wird für die BG Göttingen zum Triumphzug

Es ist ein magischer Ort, diese Lokhalle. Ein beinahe mystisches Fleckchen Erde. Das Bermuda-Dreieck der Liga, an dem die Opponenten der BG reihenweise per Bruchlandung abstürzen. Und wie es sich für einen magischen Ort gehört, haben die Veilchen auch einen Magier in ihren Reihen.

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„Ich kann euch nicht hören“: Khalid El-Amin animiert das tosende Publikum in der Göttinger Lokhalle.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Der trägt im Gegensatz zu den glorreichen früheren Zeiten aber keinen Rollkragenpullover, sondern das Trikot mit der Nummer 42 und erinnert von der Statur her mehr an einen Zauberzwerg.

Es sind noch 38,5 Sekunden zu spielen, da dreht sich Khalid El-Amin während eines Ulmer Freiwurfs in Richtung Nordtribüne und zieht die Zuschauer in seinen Bann, indem er seine rechte Hand ans Ohr hält. „Ihr seid mir zu leise, Freunde“, deutet er den Fans.

Die lassen sich nicht lumpen: Ohrenbetäubender Jubel aus rund 3600 der 3700 anwesenden Kehlen brandet auf. Der Lautstärkepegel verdoppelt sich und übertönt so mühelos jeden vorbeirauschenden Zug am nahegelegenen Bahnhof. „Das ist die Lok. Das ist einmalig in Deutschland“, wird BG-Dreierspezialist Robert Kulawick wenig später über die Atmosphäre sagen.

„Vor dem Spiel haben alle von der tollen Stimmung geredet“

Die Rückkehr in die Lokhalle hätte nicht emotionaler verlaufen können. Nicht krönender. Nicht perfekter. Kann es eine bessere Reminiszenz geben als einen krachenden Dunking von Raymar Morgan in Manier des Ex-Publikumslieblings und Euro-Challenge-Helden Jason Boone nach bereits 37 Sekunden?

Längst war in Vergessenheit geraten, wie heftig der Boden erbebt, wenn die Hardcore-Fans auf der Osttribüne ihre „Defense“-Rufe anstimmen, oder wie herrlich ein gegen Schiedsrichter und Kontrahenten gerichtetes Pfeifkonzert durch die Arena hallt.

„Vor dem Spiel haben alle von der tollen Stimmung geredet. Ich wusste nichts damit anzufangen. Jetzt kann ich aber bestätigen: Der Hype war gerechtfertigt“, betont Alex Ruoff nach der Partie und sieht sich dann noch einmal mit leicht geöffnetem Mund in der Halle um.

Nichts ist unmöglich

Gänsehaut erfasst die Anhängerschaft der Göttinger bereits vor dem Tip-Off. Sehnlich und mit einem Dauergrinsen im Gesicht hatten den Moment herbeigesehnt, wieder einen Fuß in ihren Basketball-Tempel zu setzen. Alles schien so zu sein wie zuletzt 2011. Die gleichen Visagen auf den gleichen Plätzen. Die etwas zu laute Musik.

Die unmittelbare Nähe zu den Spielern – es wäre wohl kein Problem gewesen, ein paar Meter auf dem Gepäckträger des Ergometers, auf dem Dominik Bahiense de Mello radelte, mitzufahren. Und natürlich die unvergleichliche Stimmung. „Die Akustik ist hier viel besser als in der Sparkassen-Arena“, unterstreichen die Zuschauer Carim Masatwa und Franz Matezki.

„Noch intensiver als beim Sparkasse & VGH-Cup“, empfindet Daniel Fröhlich, Trainer der Fußball-D-Junioren des SC Heiligenstadt, die Atmosphäre. Selbst von der Konkurrenz kommt überbordendes Lob: „Wirklich schön hier. Die alte Lokhalle ist etwas ganz Besonderes im Vergleich zu den vielen modernen Arenen“, erklärt der Ulmer Fan Philipp Wasner.

Ein Sieg der BG über Ratiopharm Ulm wäre außerhalb der Mauern der Lokhalle unvorstellbar gewesen. Und ein Erfolg am Montagabend gegen Bamberg? Nichts ist unmöglich an diesem zauberhaften Ort.

Von Rupert Fabig

„Jetzt weiß jeder, dass Göttingen da ist“

Der 92:80 (64:60, 41:38, 21:18)-Überraschungserfolg über Euro-Challenge-Teilnehmer Ratiopharm Ulm beschert Basketball-Erstliga-Aufsteiger BG Göttingen mit sieben Siegen und sechs Niederlagen erstmals in der Saison ein positives Punkteverhältnis und lässt die Veilchen als Tabellenneunter an den Playoff-Plätzen schnuppern.

„Ich hatte bislang das Gefühl, dass nicht alle Gegner uns respektieren. Jetzt weiß jeder, dass Göttingen da ist“, sagte BG-Spielmacher Khalid El-Amin, mit 28 Punkten Topscorer in der mitreißenden, intensiven und bis kurz vor Schluss engen Partie.

Gemeinsam mit Alex Ruoff war der NBA-erfahrene Routinier die treibende Kraft im druckvollen Offensiv-Spiel der Veilchen, gegen das die Ulmer trotz ihrer deutlichen Längenvorteile vor allem in der zweiten Halbzeit kein Mittel fanden. El-Amin und Ruoff zeichnete einmal mehr aus, dass sie selbst gegen zwei, drei wesentlich größere Gegner fintenreich und unerschrocken zum Korb ziehen und auch in scheinbar auswegloser Situation eine zündende Idee haben, den Ball dort unterzubringen.

Kompromissloser Abräumer

Allstar Raymar Morgan, beim Sieg in Hagen der alle überstrahlende Held, tat sich gegen Ulm trotz seiner 18 Punkte weniger als Vollstrecker hervor, sondern als kompromissloser Abräumer unter den Körben. Mit acht Defensiv- und vier Offensivrebounds schnappte er sich genauso viele Abpraller vom Brett wie Ratiopharm-Hüne Tim Ohlbrecht, der den Veilchen vor allem in der ersten Halbzeit das Leben schwer machte.

Auch Acha Njei ragte aus dem starken BG-Kollektiv heraus, das mit einer exzellenten Defensivleistung die Grundlage zum Erfolg späteren legte. Der von den Artland Dragons gekommene 29-Jährige hielt die Ulmer mehrmals mit spektakulären Treffern auf Distanz.

„Ich habe meine Mannschaft vor El-Amin, der in einem europäischen Topteam Euro-League spielen würde, wenn er nicht ein Jahr wegen Verletzung hätte pausieren müssen, sowie vor Ruoff und Morgan gewarnt. Genau diese drei haben uns dann besonders weh getan“, ärgerte sich Ulms Trainer Thorsten Leibenath.

Er attestierte den Veilchen mehr Leidenschaft und den größeren Siegeswillen und zeigte sich beeindruckt von dem Lokhallen-Ambiente: „Es ist eine tolle Atmosphäre und macht großen Spaß, hier zu spielen – allerdings nicht unbedingt zu verlieren.“

Wenige Ballverluste

BG-Kollege Johan Roijakkers zeigte sich diesmal ohne Einschränkung zufrieden mit der Vorstellung seiner Mannschaft. „Am Anfang hatten wir ein paar Probleme in der Offensive“, verwies er unter anderem auf die Fahrkarten-Serie zu Beginn des zweiten Viertels, als die Gäste mit einem 13:2-Lauf an der BG vorbeizogen.

„Aber wir haben die ganze Zeit wenige Ballverluste gehabt. Wenn wir am Limit spielen, was wir heute getan haben, können wir auch solche Gegner schlagen“, sagte der Niederländer, dessen Eltern die Partie in der Halle miterlebten.

El-Amin war es, der die Veilchen mit neun Punkten in Folge aus dem Offensiv-Tief führte und noch vor der Pause 41:38 in Führung brachte. Bis zur 38. Minute hielten die Ulmer die Partie noch halbwegs offen. Dann sorgte wiederum El-Amin mit seinem dritten Dreier zum 81:73 für die Vorentscheidung, und gemeinsam mit Ruoff und Morgan machte der 35 Jahre alte Routinier den Sack zum umjubelten Überraschungssieg endgültig zu.

Von Michael Geisendorf

Die Einschätzung von Coach Johan Roijakkers, die BG habe eigentlich keine Chance, ein Klasseteam wie Ratiopharm Ulm zu schlagen, hat sich  - sehr zur Freude der Mannschaft, der heimischen Zuschauer und seiner eigenen - nicht bestätigt. © Theodor da Silva

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