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Viele Gründe für holprigen BG-Start

Basketball-Bundesliga Viele Gründe für holprigen BG-Start

Acht Spieltage – ein Sieg. Fast ein Viertel der Basketball-Bundesliga-Hauptrunde ist gespielt, und jeder, der ein wenig Veilchen-Blut in seinem Körper hat, wünschte sich einen besseren Start der BG Göttingen. Nur der sieglose Mitteldeutsche BC ist schlechter in die Serie gestartet. Es gibt Gründe, warum es hapert, und mindestens ebenso viele Argumente, warum die Veilchen sich eindrucksvoll im Kampf um den Ligaverbleib zurückmelden können. Die Stimmung im Umfeld ist dennoch angespannt. Eine Analyse mit Ausblick.

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Noch herrscht reichlich Redebedarf: Die BG hat ihren Rhythmus aufgrund von Verletzungen und Spielerwechseln noch nicht gefunden.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Auch nach fast einem Viertel gespielter Hauptrundenpartien befindet sich die BG vor dem heutigen neunten Spieltag  in Ulm (Tipoff 18.30 Uhr) noch immer in der Findungsphase. Verletzungen und viele Wechsel auf systemrelevanten Positionen ließen es noch nicht zu, dass sich ein sicheres Teamgefüge  bilden konnte. Zudem hielt der Auftakt ein Stelldichein der Top-Klubs parat. Die BG hat mit Weißenfels, Hagen und Tübingen nur gegen drei schwächere Klubs gespielt. Bamberg, Bayern, Berlin, Frankfurt und Ludwigsburg gelten als sichere Playoff-Kandidaten.

Festzustellen ist aber auch, dass einige Fans und BG-Besucher den phänomenalen zehnten Tabellenplatz als Minimalziel für die neue Saison sehen, wissend dass mit Raymar Morgan, Khalid El-Amin und Alex Ruoff drei überragene Athleten die BG verließen. Johan Roijakkers‘ beinahe wie in Trance wiederholten Worte, dass die BG gegen den Abstieg spielt, finden oft kein Gehör.  Zu viel Hoffnung wurde auch von vielen in die drei bisherigen Lokhallen-Heimspiele gelegt: Doch die Überraschung blieb gegen die Topteams aus Berlin, Bamberg und Frankfurt aus. Fakt ist jedoch ebenso, dass der Hinrundenspielplan noch einige Gegner bietet, mit denen sich die BG auf Augenhöhe bewegen kann.

Grundübel der bisweilen sehr kritischen Äußerungen ist das 56:98-Desaster in Tübingen gewesen. Nicht wegdiskutiert werden darf, dass die BG beim Saisonauftakt kein BBL-Niveau hatte. Weder das zur Verfügung stehende Team noch die Einstellung genügten, um sich auf Top-Niveau  zu messen. Nicht außer Acht darf allerdings gelassen werden, dass Tübingen nur wenig mit dem Kellerkind der vergangenen Serie gemein hat. Mit der 40-Punkte-Klatsche hat die BG aber gleich zu Beginn viel Kredit verspielt. Den gilt es, nun mit noch härterer Arbeit und couragiertem Einsatz bei den Spielen in der S-Arena Stück für Stück zurückzugewinnen. Die Göttinger sind dafür bekannt, Einsatz und Willen zu honorieren. 

Roijakkers betont, dass er „einen Prozess coacht“. Er treibt die Entwicklung des Teams akribisch und unnachgiebig voran. Doch der Trainer weiß, dass er und sein Team irgendwann nicht nur an der Leistung gemessen werden. Irgendwann müssen Ergebnisse folgen, um die Liga zu halten.

Ein etablierter Erstliga-Standort ist Göttingen derzeit weder vom Etat, noch von den Rahmenbedingungen, da sind Standorte mit denen viele Fans die Veilchen auf Augenhöhe sehen, wie zum Beispiel Hagen, Tübingen oder Bayreuth, noch ein ganzes Stück voraus. Auch wenn man es als Veilchen-Enthusiast nicht gerne hören mag: BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen schönt die Realität nicht und bleibt bei seiner Einschätzung, dass in der Entwicklung zum etablierten Erstliga-Standort auch Rückschläge und Abstiege erwartet werden müssen. Doch diese Saison ist längst nichts verloren.

Die Fans...
...suchen noch ihre Form: Die Unterstützung ist gut, besonders der violette Block um die Anpeitscher Lukas und Benni gibt alles, um die Halle zum Kochen zu bringen. Dennoch ist es bisher nicht gelungen, dieses große „Wir sind Göttingen“-Gefühl zu schüren, das das Team zu überragenden Leistungen tragen kann. Weder in der Lokhalle noch in der S-Arena. Zudem scheint die Erwartungshaltung sich bei nicht wenigen BG-Anhängern an der überragenden Leistung der Vorsaison zu orientieren. Nach dem Abgang der drei Top-Leistungsträger Khalid El-Amin, Raymar Morgan und Alex Ruoff eine ambitionierte Wunschvorstellung. Anders lassen sich die vereinzelten Unmutsäußerungen und Pfiffe nach der Heimniederlage gegen Hagen kaum erklären.
 
Das Team...
...ist noch kein Kollektiv: Schmerzlich vermisst wird der Go-to-Guy, also der Spieler, der in den entscheidenden Phasen die Verantwortung trägt. Zudem fehlt der Akteur, der als sechster Spieler einen kräftigen Impact von der Bank bringt. Durch die zahlreichen Wechsel und Verletzungen ist den Veilchen deutlich anzusehen, dass sie noch kein Team geworden sind. Ohne gemeinsames Training ist dies nicht verwunderlich. Besonders die lange Suche nach der richtigen Besetzung auf den immanent wichtigen Positionen des Spielmachers und des kleinen Flügels lähmt die BG noch zu oft. Von Perry und Everett Wunder zu erwarten, wäre vermessen. Beide haben jedoch individuelle Qualitäten, die sie zu sehr starken BBL-Akteuren machen und das Team auf ein höheres Level hieven können. Realistisch betrachtet befindet sich die BG nach den vielen Wechseln und Verletzungen derzeit in etwa in der dritten Woche der Vorbereitung. Als Grundformel gilt: Bis eine Mannschaft sich einigermaßen eingespielt hat und jeder seine Rolle und Aufgaben einigermaßen sicher ausführen kann, benötigt sie sechs Wochen gemeinsames Training.
 
Die Ausländer...
... sind die große Baustelle: Juan Pattillo ist während der Vorbereitung sechs Tage da und dann wieder weg. Für ihn kommt der nach Ludwigsburg gewechselte Harper Kamp zurück. Ex-NBA-Spieler Armon Johnson reist mit viel Vorschusslorbeer an und muss nach kaum drei Wochen wieder weichen. Passt nicht ins Teamgefüge, Roijakkers‘ TV-Interview mit dem Zitat „die Arschlöcher sind weg“ dürfte sich im Gros auf Johnson bezogen haben. Der beim MBC geschasste Lawrence Alexander kommt für „30 Euro Spritgeld“ – wie Roijakkers sagte – als Gastspieler und erhält dank Tryout-Vertrag ein paar BBL-Minuten. Überzeugen kann er nicht, er wechselt Anfang November nach Ungarn. Hoffnungsträger Marque Perry stößt zur BG. Der routinierte Spielmacher mit Euroleague-Erfahrung startet stark, fällt dann vier Wochen mit einem Muskelfaserriss aus und kämpft sich seit Anfang November wieder ans Team heran. Blitztransfer Chris Jones glänzt gegen Bamberg derart, dass die Veilchen im anschließenden Wettbieten um den vereinslosen Top-Guard chancenlos sind. Ricky Minard gilt als routinierter Guard, kann aber auch in der Vorbereitung selten überzeugen. Läuft in zwei Spielen auf, verletzt sich und macht Platz für Terrell Everett. Der gibt beim FC Bayern München ein starkes Debüt, doch selbstverständlich fehlt die Anbindung ans Team. Harper Kamp ist der solide Anker unter den Körben, er erfüllt die Erwartungen. Dass er derzeit Topscorer ist, zeigt jedoch den Leistungsabfall am deutlichsten. Er war im Vorjahr in der Offensive hinter Raymar Morgan, Alex Ruoff und Khalid El-Amin nur die vierte Option. Noch wichtiger als im Vorjahr ist Kapitän David Godbold für die BG. Der Lehrbuch-Profi ist derzeit nicht zu ersetzen, jede Minute auf der Bank fügt den Veilchen Schaden zu. Shane Edwards zeigte oftmals gute Ansätze, es fehlt ihm allerdings noch die Konstanz. Offensiv ist zwischen drei und 30 Punkten alles möglich, defensiv muss er noch erheblich zulegen. Ruben Boykin kann hingegen seine in der Vorbereitung gezeigten Leistungen auf BBL-Niveau (noch) nicht abrufen. Er fällt in der Rotation zurück.
 
Der Trainer...
...ist der Trainer – Roijakkers bleibt Roijakkers: Er war schon immer der etwas andere Trainer und trotz seines jungen Alters alles andere als ein sogenannter Players Coach – also ein Trainer, der eine beinahe freundschaftliche Beziehung zu seinen Spielern aufbaut. Sein großes Idol ist Louis van Gaal. Mit seiner Art eckt der 35-Jährige immer mal wieder an – meistens bewusst. Der positiv basketballverrückte Niederländer gibt alles, um ein Team zu formen und weicht dabei keinen Nanometer von seiner Linie ab. Wenn er sich in den Kopf gesetzt hat, Chuck Norris im Liegestütze-Wettbewerb zu bezwingen, dann schafft er das auch. Roijakkers‘ Credo: Wer mitzieht und die Grundwerte seines Teambasketballs lebt und seine akribisch herausgearbeiteten Vorgaben beherzigt, kommt klar. Abweichler und Individualisten straft er demonstrativ (falls erforderlich auch öffentlich) und unnachgiebig ab.
 
Die Deutschen...
...sind noch kein Faktor: Den besten Eindruck hinterlässt nach überragender Vorbereitung derzeit Malte Schwarz. Er liefert sicherlich mehr ab, als defensiv und offensiv erwartet werden durfte. Mathis Mönninghoff sucht nach beinahe komplett verpasster Vorbereitung nach seinem Muskelfaserriss weiter seine Form. Ihm fehlen (noch) Physis und Härte, um zuverlässig zu punkten. Seine Distanzwürfe verteidigen die Gegner effektiv. Dominik Spohr spielt solide, schafft es derzeit allerdings noch nicht, einen wirklichen Schub an Energie und Verteidigungsarbeit zu bringen. Robert Kulawick hat weiterhin offensichtlich den schwersten Stand bei seinem Coach. Der 29-jährige Routinier ist jedoch ein vorbildlicher Profi und hängt sich stets zu 100 Prozent rein. Er spielt bisher recht solide. Andrew Onwuegbuzie tritt noch auf der Stelle. Das talentierte BG-Eigengewächs bekommt keine nennenswerte Spielzeit.
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