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Carl Graf von Hardenberg setzt auf die eigenen Stärken des Burgturniers

„Machen das Wettrüsten nicht mit“ Carl Graf von Hardenberg setzt auf die eigenen Stärken des Burgturniers

Im vergangenen Jahr sorgten die Absagen des Dressurfestivals in Lingen sowie des Vier-Sterne-Springens German Classics in Hannover für Negativ-Schlagzeilen. In der Reitsportszene grassierte sogar das Wort „Turniersterben“ in Norddeutschland. Carl Graf von Hardenberg spricht im Interview über Chancen und Stärken, aber auch Zwänge und Nöte des Burgturniers.

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Carl Graf von Hardenberg

Quelle: Vetter

Göttingen. Das Burgturnier wird vom 7. bis 10 Mai bereits zum 37. Mal ausgetragen. Einige Turniere sind im vergangenen Jahr in Schwierigkeiten geraten manche sogar ausgefallen. Wie blicken Sie auf das kommende Burgturnier?

Wir sind sehr stolz darauf, dass wir das Burgturnier auf diesem Niveau seit Jahren ausrichten. Die Anforderungen des Sports und der Zuschauer sind enorm gestiegen. In den 1960er- und 70er-Jahren genügten drei bis vier große Sponsoren, um unser Turnier mit einer schwarzen Null abzuschließen. Das war schon immer unser Ziel, wir wollen mit dem Turnier kein Geld verdienen, alle Einnahmen werden reinvestiert.

Und heute?

Wir haben in der Gothaer und der Hardenberg‘schen Kornbrennerei verlässliche Partner, die uns seit dem ersten Burgturnier 1955 unterstützen. Mit der südniedersächsischen Wirtschaft sind weitere wichtige Förderer hinzugekommen. Da sprechen wir von ernst zu nehmenden Beträgen. Mit weiteren Großsponsoren ist es schwieriger, weil viele Aktiengesellschaften ihre Sponsoringgelder blocken. Doch ich habe heute das gute Gefühl, dass uns die Wirtschaft gerne unterstützt und das Turnier auch für sich nutzt.

Wie finanzieren Sie das Turnier?

In erster Linie aus Sponsoringeinnahmen und dem Kartenverkauf. Deswegen ist für uns der Vorverkauf von enormer Bedeutung. Der läuft jedes Jahr sehr gut. Der Großteil unserer Besucher reist aus einem Umkreis von 100 Kilometern an. Startgelder machen nur einen kleinen Teil aus. Bei der internationalen Tour fallen pro Pferd 400 Euro an, die Amateure zahlen für das erste Pferd 1000 Euro.

Wie hoch ist ihr Gesamtetat, wie hat er sich entwickelt?

Er ist stabil bei 1,5 Millionen Euro. Wir versuchen erst gar nicht, uns am Aufrüsten der Konkurrenz zu beteiligen, machen das Wettrüsten nicht mit. Wir haben andere Qualitäten. Wir sind familiär, professionell und sorgen den ganzen Tag für gute Unterhaltung und Belustigung.

Das Burgturnier ist ein internationales Spring-Event mit drei Sternen. Gab es nie Überlegungen, ein Turnier auf Vier-Sterne-Niveau auszurichten?

Nein, nicht wirklich. Der Sport ist derselbe, die Hindernisse haben dieselbe Höhe und denselben Schwierigkeitsgrad. Bei einem Vier-Sterne-Turnier müssten wir mehr Preisgeld ausschütten und die Hotelkosten der Reiter übernehmen.

Wie wichtig ist die TV-Präsenz für die Sponsoren?

Die Medien sind allgemein sehr wichtig. Unser Fokus liegt auf dem Göttinger Tageblatt als regionaler Partner und dem NDR als überregionaler. Wir konnten unsere TV-Präsenz zum Glück halten, viele andere Turniere nicht. Der NDR überträgt nur vier Turniere. Je eins in Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Und ja, wir sind auf den NDR angewiesen. Bis vor vier Jahren haben wir sogar Geld vom NDR für die Übertragung erhalten. Doch damit ist es leider vorbei. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass in den nächsten Jahren das Internet-Fernsehen an Bedeutung gewinnt.

Beim Aus der German Classics in Hannover im vergangenen Jahr wurden fehlende TV-Präsenz und dadurch mangelndes Sponsoreninteresse angeführt. So auch bei der Absage des Dressurfestivals in Lingen. Gibt es ein Turniersterben im Norden?

Nein, es sind nur Orte die ohnehin Schwierigkeiten hatten, die verschwinden. Hannover war mit den Messehallen schon immer sehr teuer und darum sehr schwierig zu finanzieren. Das musste sich dann auch Organisator Paul Schockemöhle eingestehen, der anderenorts sehr erfolgreich Turniere veranstaltet.

Die Szene verlagert sich also?

Ja, es gibt sogar mehr Veranstaltungen. Besonders Fünf-Sterne-Turniere im Ausland sind hinzugekommen. Sehr erfolgreich ist die Global-Champions-Tour mit ihren 16 Top-Events in Metropolen. Parallel mit uns findet ein Turnier der Serie in Shanghai statt. Es gibt jedes Wochenende drei bis vier hochkarätige Turniere.

Setzt Sie das unter Druck?

Wir müssen an unseren erfolgreichen Merkmalen festhalten. Mit der Aufnahme der Klassika ins Rahmenprogramm sind wir attraktiver geworden. Sie ist eine optimale Ergänzung, denn der Zuschauer will nicht nur auf der Tribüne sitzen.

197 000 Pferde in Niedersachsen

Aufgrund der Negativschlagzeilen im Reitsport hat sich sogar der Niedersächsische Landtag im November vergangenen Jahres mit dem Wappentier des Landes beschäftigt. Dem Pferd komme besondere Bedeutung bei, da es in Niedersachsen nicht nur schützenswertes Kulturgut, sondern auch ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor sei.

Laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung kommt auf drei Pferde ein Arbeitsplatz. Die Abgeordneten Jan-Christoph Oetjen, Gero Hocker und Hermann Grupe (alle FDP) hatten eine Anfrage eingebracht, ob Niedersachsen das Pferdeland Nummer eins ist? In ihrer Anfrage an die Landesregierung formulierten sie 35 Fragen.

In der Stellungnahme formulierte die Landesregierung durch Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) deutlich, dass sie Niedersachsen nach wie vor als Pferdeland Nummer eins ansehe, auch wenn das Land mit rund 197 000 registrierten Pferden „nur“ auf Platz zwei bei den absoluten Tierzahlen liege. Das Attribut „Nr. 1“ müsse jedoch selbstverständlich qualitativ bewertet werden. Zehn der 37 in Deutschland anerkannten Pferdezüchtervereinigungen seien in Niedersachsen ansässig. 2013 seien gut 20 000 Zuchtpferde eingetragen, was etwa 35 Prozent des bundesdeutschen Zuchtpferdbestandes entspricht.

Die Zahl der Reitvereine ist demnach in den vergangenen 15 Jahren von 907 auf 1 022 angestiegen, was einem Zuwachs von 12,7 Prozent entspricht. Demgegenüber seien die Zahlen der reiter allerdings rückläufig. Die Zahl der 2014 in Reitvereinen organisierten Mitglieder (129 549) hat gegenüber dem Jahr 2000 einen Rückgang von 3,35 Prozent (4 208) erfahren.

Vom 22. bis 25. Mai findet wieder das jährliche Springreit-Turnier zu Füßen der Burgruine Hardenberg auf dem Gräflichen Landsitz statt.

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