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Stevens und Corlanda zünden die Rakete auf der Siegerrunde

Gothaer Night: Husarenritt unter Flutlicht Stevens und Corlanda zünden die Rakete auf der Siegerrunde

Mario Stevens ist ein entspannter Kerl. Der 33-Jährige spricht ruhig, mit norddeutschem Dialekt. Seiner schönen Oldenburger Stute Corlanda OLD klopft er behutsam an den Hals, wenn er sich beim Burgturnier vom Abreiteplatz zum Parcours aufmacht. Irgendwo auf dem Weg muss er den Schalter umlegen.

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Visualisiertes Glück: das spektakuläre Feuerwerk über der Burgruine bei der Gothaer Night.

Quelle: Theodoro da Silva

Nörten-Hardenberg. Denn sobald das Duo den Sand des Turnierplatzes unter den Hufen spürt, explodiert es. Den Zuschauern beim Flutlichtspringen um die Gothaer Trophy bereitet Stevens mit seinem rasanten Reitstil erst jede Menge Spaß, dann lässt er es ausflippen und vor Begeisterung trampeln. Als letzter Reiter auf der Siegerrunde knallt der Niedersachse in 36,83 Sekunden als Schnellster über die Hindernisse.

Cian O’Connor hatte vermutlich schon die Hand am Verschluss eines Kleinen Keilers. Bereit, auf seinen bevorstehenden Sieg anzustoßen. Reiter um Reiter wurde während der Siegerrunde die Bestmarke unterboten, dann kam O’Connor und pulverisierte auf Quidam’s Cherie mit 37,27 Sekunden alles dagewesene.

Nicht einmal die pfeilschnelle Französin Caroline Nicolas kam mit Stoulone du Genet an den Iren heran (38,02). Schließlich galt es, nur noch ein Paar abzuwarten: Stevens und Corlanda OLD, die dem Publikum schon im ersten Durchgang einen Sicherheitsritt erspart hatten, sondern auf Angriff setzten. „Wir hatten geplant, als Letzte auf die Siegerrunde zu gehen, um reagieren zu können“, sagte Stevens.

Das tat er. Und wie. Seine wendige 13-jährige Stute sei das Erfolgsgeheimnis, erklärt Stevens: „Das Pferd ist von Grund auf sehr schnell. Wenn ich also nicht ganz so viel falsch mache, können wir vorn mitspringen.“
Lieber gar nicht springen wollten einige jüngere Pferde, die offensichtlich Probleme mit den Licht- und Sichtverhältnissen hatten.

Zwischenzeitlich herrschte eine ziemliche Anspannung auf den Tribünen, nachdem zwei Paare in Folge aufgeben mussten, weil ihre Tiere verweigerten und strauchelten. Da kam Lokalmatador Dirk Klaproth wie gerufen, um die Stimmung zu heben. Mit einem nicht für möglich gehaltenen Auftritt zog er auf Benidorm WV überraschend als Zweiter in die Siegerrunde ein – die er als Zehnter beendete – und wurde unter tosendem Applaus gefeiert.

Sobald die Paare ihr Abendwerk vollbracht hatten, schlug bei der Gothaer Night die Viertelstunde der Feuerwerk-Fans. Zwar war das Spektakel über der Burgruine eine Nummer kleiner als im Vorjahr, doch dem romantischen Ambiente der Pyro-Fontänen, regenbogenfarbenen Sterne und grellen Funken kann sich keiner der Besucher entziehen.

Zu einer exzellenten Musikauswahl durch Ferdinand Graf von Hardenberg wurden monströse Raketen gezündet, deren Detonation noch Stunden später in Form eines Pfeifens im Ohr vernehmbar ist. Mit Nackenstarre verfolgen die Fans sonnenähnliche Blitze – eine Form des visualisierten Glücks.

Vor allem von Weiten muss das Spektakel wunderschön ausgesehen haben. Wer es vom Turnierplatz aus erlebt hat, kann sich trösten: Dort sind zuvor Stevens und Corlanda förmlich explodiert.

Von Rupert Fabig

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