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„Mit Lächeln und Leidenschaft“

38. Hardenberg Burgturnier „Mit Lächeln und Leidenschaft“

Unweit von Hamburg, im Südwesten Schleswig-Holsteins, hat sich Burgturnier-Starterin und Olympia-Hoffnung Janne Friederike Meyer in diesem Jahr den Traum von einer eigenen Reitanlage mitten im Grünen erfüllt.

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Hier noch in Hamburg, bis Sonntag aber beim Burgturnier zu sehen: Janne Friederike Meyer mit ihrem neunjährigen Wallach Chuck.

Quelle: Lukas Schulze/dpa

Pinneberg. Optimale Trainingsbedingungen in ländlicher Idylle für die Pferde und den großen Sport auf internationalen Schauplätzen.

Es ist leicht bewölkt an diesem Dienstagnachmittag nach Pfingsten. Wind säuselt durch den alten Baumbestand der am Waldrand gelegenen Reitanlage. Gelegentlich nieselt es ein wenig. Mit Regendecke eingedeckt, wälzt sich der 9-jährige Hannoveraner Wallach Chuck genussvoll auf dem mit einem dunklen Holzzaun umsäumten Sandpaddock und lässt die Pferdeseele baumeln.

Für seine Reiterin geht es derweil weniger entspannt zu. Janne Friederike Meyer sitzt seit mehreren Stunden mit Architekten zusammen und bespricht Baupläne. Die wenigen Tage zwischen den Turnieren sind für die 35-Jährige eher stressig. Erledigung der Büroarbeit, Langzeitplanung und Teambesprechungen sowie das Training von mindestens sechs Pferden stehen auf der Tagesordnung. Und derzeit eben auch Baubesprechungen zur Umgestaltung der ehemaligen Dressuranlage, die sie gemeinsam mit ihrem Verlobten Christoph Zimmermann erworben hat. „Aber das gehört auch dazu und geht bald vorbei. Ich bin stolz, froh und dankbar, dass wir dieses neue Zuhause gefunden haben. Nicht mehr lang, dann überwiegt die Freude an der Idylle und den neuen optimierten Trainingsmöglichkeiten“, so Meyer ganz positiv.

Oberste Priorität bei allen Entscheidungen haben die Pferde. Die sollen es gut haben und in einem hellen, großzügigen und grünen Umfeld ein Zuhause finden. Sie leben in großen Boxen mit Fenstern und dürfen täglich raus an die frische Luft, möglichst sogar auf die grüne Wiese. Regelmäßig reitet die junge Amazone mit den Turnierpferden durch den Wald oder über die vorhandene Galoppbahn. „Das ist mir ganz wichtig. Das ist gut fürs Gemüt“, sagt die erfahrene Reiterin überzeugt.

Freundlich, herzlich, fröhlich und lachend bewegt sie sich durch den Tag. Aus ihr sprechen Begeisterung und Leidenschaft. Pure Emotion. Die Leidenschaft, sich immer wieder auf neue Pferde einzulassen, sie auszubilden und mit ihnen zusammen ein Team zu werden. Aus der adretten jungen Frau spricht die reinste Pferdepoesie. Das, was auch die Amateure an dem Sport fasziniert, ist bei der Weltklassereiterin nicht verloren gegangen. Dafür wird sie bewundert und gefeiert. Traditionell auch am Fuße der Burgruine auf dem Hardenberg. In diesem Jahr kann hier auch der schicke Wallach Chuck bestaunt werden, der seit Januar zu Meyers Sportgefährten gehört und sich in seinem neuen Zuhause im Südwesten Schleswig-Holsteins sichtlich wohl fühlt. ver

Vita und Erfolge

Janne Friederike Meyer gehört laut aktueller FEI-Rangliste zu den besten hundert Springreitern weltweit. In der Global Champions League ziert sie neben Edwina Tops-Alexander und Jessica Springsteen das Team der „Shanghai Swans“, das vor rund vier Wochen in Mexiko seinen ersten Sieg feierte. Auf nationaler Ebene gehört Meyer quasi zum „Inner Circle“ der Topathleten ihres Metiers. Sie ist im Alter von 35 Jahren vierfache Deutsche Meisterin, Mannschafts-Europameisterin sowie Mannschafts-Weltmeisterin und gewann 2011 legendär den Großen Preis von Aachen. Eine lange Liste von Erfolgen, die im Jahr 2015 mit der Auszeichnung „Rider of the Year“ geadelt wurde. Das Land Schleswig-Holstein kürte die populäre Springreiterin bereits zweimal zur Sportlerin des Jahres und entsendete sie im Jahr 2012 sogar in die Bundesversammlung nach Berlin, wo sie als Landesdelegierte an der Wahl des Bundespräsidenten teilnahm.

Spring-Programm

Sonnabend

10.15 Uhr: S-Springen (Preis der Gemeinde Nörten-Hardenberg).

12.15 Uhr: L-Springen (Horseware-Ireland-Trophy).

13.00 Uhr: S-Springen (Preis der Landbau-Schwickert-GmbH, 2. Qualifikation für die „Silberne Peitsche“).

14.15 Uhr: S-Springen mit Stechen (Championat von Nörten-Hardenberg).

18 Uhr: S-Springen (Preis der ­Familie Pokorny).

20 Uhr: S-Springen (König Trophy).

22.15 Uhr: S-Springen mit Siegerrunde (Gothaer-Trophy).

23.40 Uhr: Musikeinzug mit ­Zuschauern und Feuerwerk.

Sonntag

10 Uhr: S-Springen mit Stechen (VGH-Preis, Finale Silver-Tour um die Silberne Peitsche).

11.15 Uhr: S-Zeitspringprüfung (Preis der südniedersächsischen Wirtschaft).

13.15 Uhr: S-Springen mit Stechen (Preis der Gräflich von Hardenbergschen Kornbrennerei und des Glaswerkes Ernstthal, Großer Preis um die Goldene Peitsche).

16 Uhr: Last Chance. bam

"Traditionsturniere halten durch, wenn es eng wird"

Die Olympischen Spiele im August in Rio de Janeiro waren Thema bei einem Pressetalk am Freitag auf dem Burgturnier. Bundestrainer Otto Becker, Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung und Breido Graf zu Rantzau, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), tauschten sich über das deutsche Team und die Konkurrenz aus.

„Bei der Nominierung ist für mich wichtig zu sehen: Die sind fit, die Rittigkeit ist da. Man muss jedes Mal ein Puzzle zusammensetzen“, sagte Becker. Das bedinge auch eine gehörige Portion Flexibilität. Eins sei jedoch klar: „Wer gut ist, kommt da rein.“

„Der Reitsport ist professioneller geworden“, sagte FN-Chef Graf zu Rantzau. So seien die Reiter heute „großen Versuchungen ausgesetzt“ - Versuchungen finanzieller Art. Der Bundestrainer müsse seine Spitzenleute vor der Nominierung mittlerweile bei großen Turnieren rund um den Globus in Augenschein nehmen. „Die Araber haben reiten gelernt.“ Überhaupt sei der Reitsport ein „riesiges Geschäft geworden, vom Pferdeanhänger bis zum Tierarzt“.

Man müsse jedoch nicht traurig sein, dass die „obersten Fünf im Ausland an den Start gehen und nicht in Nörten“. Denn die zweite Garde sei genauso gut. Andererseits hätten Traditionsturniere wie Balve, Münster oder Nörten einen großen Vorteil: „Man muss den Familien dankbar sein, dass sie diese Turniere ausrichten. Die halten durch, wenn es eng wird. Wie sich die Agenturen in solchen Situationen verhalten, weiß man nicht“, stellte der FN-Chef klar.

Jung, der auf einen Start in Lohmühlen verzichtet, bestätigte, dass die Preise der Pferde momentan durch die Decke gehen: „Die Angebote bei jungen Pferden sind sehr hoch“, sagte er. Die Springreiterei sei für den Vielseitigkeitsreiter lediglich ein Hobby, sein Ehrgeiz gebiete ihm jedoch, so gut wie möglich zu sein. Ein kleines Fragezeichen setzte er hinter sein Vielseitigkeitspferd Fischer Takinou: Die Stute sei noch nicht in Top-Form.

Dowe setzt sich mit fünf Hundertstelsekunden durch

Hendrik Dowe heißt der Sieger des Preises der Hardenberg-Wilthen AG, einer internationalen Springprüfung der Klasse S für siebenjährige Nachwuchspferde, die am Freitagnachmittag ausgeritten wurde. Mit seiner Stute Queen Magic setzte sich der Springreiter aus Heiden mit 0 Fehlerpunkten und einer Zeit von 55,16 Sekunden nur hauchdünn um fünf Hundertstelsekunden vor Felix Haßmann mit Captain America durch.

„Das ist schon ein Ausnahmepferd. Sie denkt mit und ist grundschnell“, sagte Dowe über Queen Magic. Otmar Eckermann mit Caleya machten mit dem dritten Platz in 55,89 Sekunden den deutschen Dreifacherfolg perfekt.

Dowe hatte sich früh an die Spitze des Teilnehmerfeldes gesetzt und stellte sich als Nuss heraus, die von den nach ihm startenden Konkurrenten nicht zu knacken war. Als letzte Teilnehmerin war Janne Friederike Meyer gestartet, hatte dabei eine stilistisch sehr gute Figur gemacht, sich aber auch in 67.97 Sekunden einen Strafpunkt wegen Zeitüberschreitung eingehandelt.

Dowes Pferd war demgegenüber im Nörtener Rund nicht zu stoppen. „Sie war sehr griffig und frisch drauf im Parcours“, sagte der Sieger, der vom Spektakel unter der Burgruine schwärmte: „Das ist von der Atmosphäre her ein traumhaftes Turnier“, sagte er.

Allerdings fanden bei guten Bedingungen nur wenige Zuschauer den Weg in die Arena. Unter ihnen war Bundestrainer Otto Becker, der seinen Turnierbesuch am Freitag nutzte, um sich das Springen der Nachwuchspferde anzusehen.

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