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2. Sportforum in der Paulinerkirche: „Der internationale Sport in der Krise“

Diskussion 2. Sportforum in der Paulinerkirche: „Der internationale Sport in der Krise“

„Die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele sind nichts Völkerverbindendes, nichts Friedvolles. Es geht um Netzwerke und um Geld.“ Diese Aussage des Sportphilosophen Prof. Dr. Gunter Gebauer beschreibt punktgenau den Grund für das 2. Göttinger Sportforum in der Paulinerkirche.

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Olympia-Teilnehmerin Imke Duplitzer spricht beim 2. Sportforum Göttingen

„Es geht um Geld“: Gunter Gebauer spricht mit anderen Experten zum Thema „Brauchen wir eine Sportwende?“.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Denn das Thema der Veranstaltung, die vom Tageblatt, dem Göttinger Hochschulsport und der Deutschen Olympischen Gesellschaft organisiert wurde, lautete: „Der internationale Sport in der Krise.“

Bei den olympischen Spielen stehe längst nicht mehr der Sportler im Vordergrund, sagt die Olympia-Teilnehmerin Imke Duplitzer: „Wenn man im Leistungssportsystem drin ist, dann ist man kein Athlet mehr, sondern ein Produkt“, so die Fechterin. „Alles ist komplett reglementiert.“ So würden die Athleten unter anderem überwacht, was sie in den sozialen Netzwerken posten.

Der dritte Diskutant des Abends, Journalist Johannes Aumüller, der für den verhinderten Thomas Kistner eingesprungen ist, schockt die Zuhörer mit einer astronomischen Summe: „Fast 8 Milliarden Euro“ – für so viel Geld verkaufte das Internationale Olympische Komitee (IOC) jüngst die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele bis zum Jahr 2032.

Wie gelingt die Rückkehr zu den olympischen Werten und Idealen? Gebauer fordert: „Die Athleten müssten an den Umsätzen beteiligt werden. Sie leisten Unglaubliches, aber bekommen keinen Cent dafür.“
Der Athlet steht auch bei einem zweiten Lösungsansatz im Fokus: Der Vertrag, in dem die Sportler Teile ihrer Rechte abtreten müssen, könnte auf Sittenwidrigkeit hin überprüft werden.

Gebauer, dessen einstundiger  Eingangsvortrag so fachspezifisch geriet, dass einige Zuschauer vorzeitig den Saal verließen: „Man benötigt Bilder, die auch die Rückseite zeigen.“ Etwa nicht nur den Sport, sondern auch die Umwelt-Zerstörung beim Sportstättenbau.

Die aktuelle Entwicklung wirkt indes eher gegensätzlich: Das IOC hat einen eigenen Fernsehkanal in Planung. „Man vertraut nicht mehr der Auswahl und möglichen Manipulation anderer Sender“, sagt die Politikerin und Moderatorin des Abends, Viola von Cramon (B90/Grüne).

Aumüller will nicht alles schwarzmalen. Er erkennt eine Entwicklung: „Die Sensibilisierung der Menschen wächst, und sie wird weiter wachsen“ sagt er. Wobei daran sicher auch Veranstaltungen wie das Sportforum ihren Anteil haben.

Von Tim Holloway

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