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Äquator: Kleines Schild für ein großes Erlebnis

Tour d‘Afrique Äquator: Kleines Schild für ein großes Erlebnis

Hardy Grüne hat sich in das größte Abenteuer seines Lebens gestürzt. Mit 62 Radsportbegeisterten aus aller Welt mutet sich der 48 Jahre alte Göttinger die Tour d’Afrique zu, die von Kairo aus in 95 Tagesetappen über 11    953 Kilometer bis nach Kapstadt führt. Einmal wöchentlich schildert Grüne im Tageblatt seine Erlebnisse, Strapazen und Eindrücke auf einer der längsten und härtesten radsportlichen Herausforderungen der Welt.

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Spektakulärer Moment nach 5082 Kilometern auf dem Fahrrad: Hardy Grüne in Kenia am Äquator.

Quelle: EF

Dafür, dass es einer der spektakulärsten Momente der Tour d’Afrique ist, war der Ort ernüchternd unspektakulär. Ein simples Schildchen an einer vielbefahrenen Straße kurz außerhalb von Nanyuki markiert den Äquator, dessen Überquerung von uns Radlern natürlich mit großem Hallo gefeiert wurde. 5082 Kilometer haben wir seit Kairo absolviert, was uns stolz zu einem zünftigen Gruppenfoto Aufstellung nehmen ließ.

Die Hoffnung, dass es nun ja eigentlich nur noch bergab gehen kann, wurde uns allerdings rasch geraubt. Statt dessen standen nämlich bis in die kenianische Hauptstadt Nairobi einmal mehr „rolling hills“ an, wobei sich die „hills“ bisweilen als durchaus schweißtreibende Anstiege entpuppten.

Schweißtreibend war auch der ab Nanyuki schlagartig dramatisch zunehmende Verkehr, der uns ordentlich zu schaffen machte. Gewagte Überholmanöver entgegenkommender Fahrzeuge trieben den einen oder anderen Radler flugs auf den Standstreifen, zumal die Straße nicht wirklich vertrauenserweckend breit genug wirkte. Ich hatte mein Herzschlagerlebnis, als ich auf einer längeren Abfahrt mit rund 60 Stundenkilometern unterwegs war und dabei von einem nur unwesentlich schnelleren LKW überholt wurde, der wohlwollend 20 Zentimeter Seitenabstand hielt und dabei fröhlich hupte. Erst als er nach gefühlten Minuten endlich an mir vorbei war, beruhigte sich mein Herzschlag wieder.

Doch nicht nur bezüglich des Verkehrs könnte der Kontrast zur menschenleeren und lebensfeindlichen Wüste Nordkenias kaum größer sein. Als wir in dem die südliche Wüstengrenze markierende Städtchen Isiolo den Anstieg zum Mount Kenya, Afrikas zweithöchsten Berg, erreichten, tauchten wir schlagartig in ein Meer von grüner Lebendigkeit ein. Bananenplantagen, Getreidefelder, gewaltige Blumenwiesen – überall blühte und wuchs es mehr als üppig. Erstmals sahen wir sogar Bauern mit Traktoren und anderem schwerem Gerät auf den Feldern arbeiten. Auch das war ein gewaltiger Unterschied zur nordkenianischen Steinwüste, in der die Menschen an Hunger und Durst leiden und die Feldarbeit mit einfachem Gerät verrichten müssen.

Die möglichen Folgen dieses Ungleichgewichts bekam in diesem Jahr leider auch die Tour d’Afrique zu spüren. Erstmals in der neunjährigen Tour-Geschichte kam es zu zwei bewaffneten Überfällen auf Tour-Teilnehmer. Glücklicherweise endeten beide Vorfälle glimpflich, da die Banditen mit einigen erbeuteten Kameras und Geldbörsen rasch die Flucht ergriffen, und bei den Überfallenen neben den Schocks lediglich eine Platzwunde sowie eine geprellte Rippe registriert wurden. Nichtsdestotrotz waren wir alle geschockt und fühlten uns brutal daran erinnert, dass Afrika eben nicht nur ein schöner, sondern auch ein gefährlicher Kontinent sein kann. Und dass wir darin mit unseren hochmodernen Fahrrädern bisweilen wie provozierende Fremdkörper wirken.

Das gilt insbesondere für den Norden Kenias, der gegenwärtig von einer lang anhaltenden Dürre betroffen ist, die die Menschen geradezu in die Verzweiflung treibt. Leider ist für sie auch kaum Hoffnung in Sicht, denn wie ich gestern in der Nationalzeitung las, lautet Nordkenias niederschmetternde Prognose für die Mitte März beginnende „große Regenzeit“: „Erwartet wird unterdurchschnittlicher Regenfall.“ Unsere Expedition durch Afrika ist eben auch eine Reise durch die afrikanische Realität.

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In Duderstadt und Weende

Hardy Grüne, Sportjournalist und Buchautor aus Langenhagen bei Duderstadt, hat die Tour d’Afrique 2011 am eigenen Leib erlebt. Jetzt hat er auf knapp 300 fesselnden Seiten seine Eindrücke zusammengefasst. Am Freitag um 19 Uhr stellt er sein Buch in Duderstadt bei Fahrrad Beckmann (Marktstraße) vor, am Dienstag um 19 Uhr im Vereinsheim von Tuspo Weende (Springstraße).

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