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Alba-Berlin-Vertreter Harnisch und Endres über wege aus der Krise des Ehrenamts

„Engagement braucht professionelle Strukturen“ Alba-Berlin-Vertreter Harnisch und Endres über wege aus der Krise des Ehrenamts

Ehrenamtliches Engagement in deutschen Sportvereinen steckt seit langem in der Krise. Zwischen 2005 und 2010 sei die Zahl der Ehrenamtlichen allein in Niedersachsen von 325    000 auf 200    000 gesunken, berichtete Olaf Jähner, Mitglied der Geschäftsleistung des Niedersächsischen Turner-Bundes, den mehr als 50 Zuhörern im Vereinsheim der Waspo 08 beim Impulsworkshop des Landessportbundes Niedersachsen „Engagiert im Sport“.

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Henning Harnisch erklärt das Prinzip der umgekehrten Pyramide.

Quelle: Pförtner

Göttingen. In den vergangenen vier Jahren sei die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, noch weiter zurückgegangen, zitierte Jähner aktuelle Umfragen.Bei der von der Freiwilligen-Agentur Sport und dem Stadtsportbund Göttingen organisierten Podiumsdiskussion stellten fünf Referenten ihre Konzepte zur Lösung des Problems vor.

Den radikalsten Ansatz präsentierten Henning Harnisch, Vizepräsident von Alba Berlin und Basketball-Europameister von 1993, und Daniel Endres, Geschäftsstellenleiter des Alba-Jugendprogramms. „Engagement braucht professionelle Strukturen“ lautet ihre provozierende These.

„Ein komplexes vereinssportliches System, das allein auf dem Ehrenamt basiert, ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr funktionsfähig“, unterstellte Endres. Harnisch skizzierte die Grundzüge des von ihm entwickelten Programms, Endres dessen strategische Umsetzung in Albas Nachwuchsförderung.

„Dafür braucht es Personal und Geld“

Als anschauliches Modell wählte Harnisch die auf dem Kopf stehende Pyramide. Deren normale Form symbolisiere die allgemein praktizierte Jugendförderung – in der Regel durch ehrenamtliche Trainer im Verein – beginnend mit einer breiten Basis, bis an deren Spitze wenige Spitzensportler herauskommen, während der Rest nach und nach durchs Raster fällt.

Bei der umgekehrten Pyramide stellt die auf dem Boden stehende Spitze die unterste Ebene der sportlichen Förderung im Kindergarten dar, gefolgt von Grundschule und weiterführenden Schulen. Idealer Output, so Harnisch, sei eine Vielzahl von 18-jährigen Jugendlichen, die leidenschaftlich und auf hohem Niveau ihre Sportart betreiben.

Auf allen Stufen sei eine enge Verzahnung von Erziehern, Sportlehrern und gut ausgebildeten hauptamtlichen Vereinstrainern unabdingbar sowie die totale Durchlässigkeit zwischen Schulen/Kindergärten und Vereinen. „Dafür braucht es Personal und Geld, das durch Sponsoren, Fördermittel und Mitgliedsbeiträge beschafft werden kann“, ist Harnisch überzeugt.“

Basierend auf Harnischs Modell habe Alba vor neun Jahren begonnen, mit Schulen und anderen Vereinen zusammenzuarbeiten, berichtete Endres. Inzwischen seien 2500 Berliner Schüler im Programm integriert.

Neue Anerkennungs-Kultur schaffen

Hauptamtliche Elemente im Vereinssport akzeptieren auch Niedersächsischer Turnerbund (NTB) und Landessportbund (LSB), stellten Olaf Jähner und Marco Lutz in ihren Referaten klar. Jähner, der das NTB-Projekt „Bürgerschaftliches Engagement und Kompetenzentwicklung von Freiwilligen“ koordiniert, stellte klar, dass das Hauptamt nur als unterstützendes Element dienen könne. Die Säule des Vereinslebens bleibe die ehrenamtliche Tätigkeit.

„Wir müssen allerdings neue Wege finden, damit ehrenamtliches Engagement wieder attraktiver wird“, unterstrich er. Kernpunkt seiner Forderungen an die Vereinsvorstände ist größere Flexibilität bei der Mitarbeitergewinnung. Dazu gehöre, Quereinsteigern und Nichtvereinsmitgliedern Verantwortung zu übertragen, die Installation eines Freiwilligen-Koordinators, der über ein eigenes Budget verfügt, aber auch, sporadisches Engagement oder den Ausstieg für eine bestimmte Zeit zu ermöglichen.

Für Lutz, Referent für Organiationsentwicklung beim LSB, bedarf es einer neuen Anerkennungs-Kultur, um ehrenamtliche Mitarbeiter zu rekrutieren und zu halten. „Krise im Ehrenamt bedeutet nicht Krise im Engagement“, behauptete er mit Hinweis auf Untersuchungen, denen zufolge noch nie so viele Menschen bereit seien, sich freiwillig und unentgeltlich zu engagieren.

„Unsere Hauptamtliche entlastet uns“

Es reiche aber nicht, Leuten wegen jahrzehntelanger Mitgliedschaft Verdienstnadeln anzustecken. Es müsse unmittelbare Formen der Anerkennung geben wie Gratifikationen, Weiterbildungsangebote oder Projekte wie die LSB-„Vereinshelden“.

Unterstützung für Vereine bieten die inzwischen 65 Freiwilligenagenturen in Niedersachsen. Die vielfältigen Möglichkeiten erläuterte Adalbert Mauerhof, Vorsitzender des Landesverbandes.

Hauptkritikpunkt von Vereinsvertretern im Plenum war, dass vor allem das Alba-Modell zu elitär und nur für finanziell gut ausgestattete Großvereine praktikabel sei. Replik von Klaus Pense (Waspo 08): „Unsere Hauptamtliche entlastet uns, setzt neue Kräfte frei und trägt sich selbst.“

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