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Allroundsport gegen Alzheimer

#fabgehtab Allroundsport gegen Alzheimer

Es gibt Berichte, die kann ein Journalist nur schreiben, wenn er die Eindrücke am eigenen Körper spürt. Rupert Fabig (fab) scheut keine noch so körperliche Anstrengung, um in einer Selbsterfahrungsserie zu berichten. Diesmal legt er beim Discofox mit den Turniertänzern der Tanzschule Krebs eine heiße Sohle aufs Parkett.

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Haltung ist alles: Rupert Fabig und Tanzpartnerin Mia Holm proben zusammen.

Quelle: Christina Hinzmann

Göttingen. Als 16-jähriger Schüler und Basketballer gab es freilich Interessanteres, als einen Standardtanzkurs zu besuchen. Das war nur etwas für die Mädchen - oder die Jungs, deren Coolnessfaktor sich mit „Limes gegen Null“ beschreiben ließ. Dementsprechend wenig hatte ich mit Discofox am Hut. Zehn Jahre später holt mich das Schicksal ein. Zum Glück beruhigt mich Tanzlehrer Christian Komitsch von der Tanzschule Krebs gleich zu Beginn und nimmt mir die Sorge, mich auf dem Parkett der Lächerlichkeit preiszugeben. „Discofox ist ein Tanz für Machos: Sie dreht sich, und er sieht gut aus“, erklärt Komitsch.

Unkompliziert und erträglich

Und tatsächlich: Während der Aufwärmübungen - auf der Stelle gehen und mit dem rechten Fuß tippen - betrachte ich mich im großen Spiegel und denke: „Sieht perfekt aus, wie immer“. Zudem sind die Grundschritte „Eins, Zwei, Tip“ keineswegs kompliziert und die Musik, zu der sich Discofox tanzen lässt, zumeist erträglich.

Dann geht‘s bereits ans Eingemachte: Partnertanz. Als zu führendes Objekt wird mir Mia Holm gestellt. Trotz ihrer erst 20 Lenze schon fünf Jahre im Turniergeschäft dabei. Ich lerne: Während die rechte Hand die linke der Tanzpartnerin greift, hält sich die linke auf Höhe des weiblichen Schulterblattes auf.

Nicht etwa an der Taille oder noch tiefer, was ich bis dato für den richtigen Platz hielt. Fix wagen wir uns auf die erste Figur: die Trennung. „Die geht immer nach hinten los“, witzelt Komitsch. Nicht nach hinten los geht hingegen mein Versuch, diese Figur zur Musik an die Frau zu bringen. Discofox scheint erstaunlich einfach zu sein, mutmaße ich gerade, als ich Holm auf den Fuß trete. Was in ihrem Fall besonders blöd ist, da sie offene Schuhe trägt.

Mehr Zeit für mehr Harmonie

Trotz des Unfalls geht Komitsch das Risiko ein, mir noch die Drehung (also die Figur, bei der der Mann besonders gut aussieht) beizubringen. Holm zahlt den Preis, indem sie zum zweiten Mal Bekanntschaft mit meiner Sohle macht. Dennoch laufen die Tanzschritte mittlerweile recht flüssig. Um wirklich gut miteinander zu harmonieren, wäre allerdings mehr Zeit von Nöten. „Ein gutes halbes Jahr vor dem Turnier sollte ein Paar mit dem Training beginnen, um sich perfekt aufeinander einzustellen.

Jeder hat nämlich seine Eigenarten beim Führen und Führenlassen“, sagt der ausgebildete Tanzlehrer Komitsch. Zudem muss eine anspruchsvolle Choreografie erstellt werden. Meine kreative Idee - fünfmal Trennung, fünfmal Drehung - stößt nicht auf Begeisterung. „Wenn die Frau gelangweilt guckt, sollte man etwas Neues machen“, empfiehlt Komitsch. Einfach gesagt, schwer getan, da mein Blick nicht in den Augen der Dame, sondern über ihrer linken Schulter (wie spannend!) ruhen soll.

Starres Lächeln gegen Fehler

Allmählich wird mir warm. Körperlich ist die Anstrengung kaum zu spüren, an der Konzentration nagt die koordinative Belastung allerdings schon. „Lächeln nicht vergessen“, mahnt Komitsch und fügt an, dass einige Tänzer ein besonders starres Lächeln aufsetzen, um einen Fehler bestmöglich zu überspielen.

Allmählich wird deutlich, warum Tanzen als Allroundsport gilt und sogar Alzheimer vorbeugen soll. „Du hast Talent“, bescheinigt mir Komitsch am Ende der abwechslungsreichen Tanzstunde. Da lacht das Narzisstenherz. Und spaßbefreit war die Angelegenheit auch nicht. Daher, liebe männliche 16-Jährige: Die Teilnahme an einem Tanzkurs wird ganz bestimmt keinen Kratzer im hybriden Selbstbild verursachen.

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Von Redakteur Rupert Fabig

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