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Auf Schienen und im Wettstreit mit Eselkarren

Tour d’Afrique Auf Schienen und im Wettstreit mit Eselkarren

Hardy Grüne hat sich in das größte Abenteuer seines Lebens gestürzt. Mit 62 Radsportbegeisterten aus aller Welt mutet sich der 48 Jahre alte Göttinger die Tour d’Afrique zu, die von Kairo aus in 95 Tagesetappen über 11    953 Kilometer bis nach Kapstadt führt.

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Wer sein Rad liebt...: „Mitunter mussten wir abenteuerlich die alte Bahnlinie überqueren.“

Quelle: EF

Einmal wöchentlich schildert Grüne im Tageblatt seine Erlebnisse, Strapazen und Eindrücke auf einer der längsten und härtesten radsportlichen Herausforderungen der Welt.

Gondor (Äthiopien). Dass es kein Erholungsurlaub werden würde, wusste ich vorher. Doch auf das, was uns in der fünften Tour-Woche erwartete, hätte mich nichts und niemand vorbereiten können.

Kurz zu den Fakten. Nachdem wir am frühen Donnerstagmorgen Khartoum verließen, folgten wir bei stetig steigenden Außentemperaturen dem Blauen Nil in Richtung Süden, ehe es ab Sennar endgültig ins Abenteuer ging: Die ersten der gefürchteten Offroad-Abschnitte standen an.

Damit waren nicht nur die gemütlichen Tage auf einsamen Asphaltpisten vorbei – für uns fing nun das „wahre“ Afrika an. Schon hinter Khartoum hatten sich Landschaft und Menschen dramatisch verändert. Entlang des Blauen Nils schlängelt sich Sudans Kornkammer, und damit stiegen sowohl die Bevölkerungsdichte als auch das Verkehrsaufkommen. Das hieß für uns, Augen und Ohren offen zu halten, um im Wettstreit mit Ochsen- und Eselkarren, buntbemalten LKW, deren Ladeflächen als Pick-up-Taxis funktionieren, und uralten Hanomag-LKW, mit denen die Ernte eingefahren wird, nicht den Kürzeren zu ziehen.

Nachdem wir am dritten Tag die Asphaltpiste verlassen hatten, tauchten wir in eine abenteuerliche Landschaft ein. Entlang einer aus Kolonialtagen stammenden und seit Jahrzehnten eingestellten Bahnlinie kurbelten wir uns durch ein ursprünglich wirkendes Afrika mit kleinen Gemeinden im Rundhausstil und staunenden Menschen, die unserer bunten Radfahrerkolonne ent- und begeistert zujubelten.

Doch was mussten wir leiden! Schon am ersten Tag auf dieser fast durchgängig von waschbrettartigen Rillen durchzogenen und extrem staubigen Piste entgingen nur wenige einer Reifenpanne, die von den überall herumfliegenden und zentimeterlangen Dornen verursacht wurde. Den Rekord stellte ein Australier auf, der es auf den knapp 100 Kilometern gleich auf zehn Pannen brachte und entsprechend schlecht gelaunt war. Am Ende eines langen Tages zählten wir neben den Reifenpannen zudem unsere Schrammen, die wir uns bei diversen Stürzen zugezogen hatten. Ich hatte Glück, denn nicht nur war ich gänzlich ohne Panne durch den Tag gekommen, sondern hatte mir bei einem Sturz zudem nur eine kleine Schürfwunde zugezogen.

Nach drei Tagen auf diesem unerbittlichen Terrain jubelten wir alle über die Rückkehr auf Asphalt und machten uns auf den Weg nach Äthiopien, wo mit gewaltigen Bergmassiven die nächste Prüfung anstehen wird. Dort steht dann nach acht Tagen und Nächten in Bush-Camps auch endlich wieder eine Dusche an, die wir alle dringend nötig haben.

Den Sudan zu verlassen, fiel uns schwer. Das Land war ein phantastischer Gastgeber, und wir hatten die zurückhaltenden und stets hilfsbereiten Sudanesen sehr zu schätzen gelernt. Wir wurden stets mit großem Respekt behandelt und für unsere Anstrengungen bewundert. Als ich am zweiten Tag nach 130 Kilometern und bei fast 50 Grad ziemlich erschöpft an einem kleinen Getränkeshop anhielt, blickte der Besitzer mich mit wissendem Blick an und räumte sofort einen schattigen Platz frei, um mir einen wertvollen Moment der Ruhe zu gönnen. Mein dankender Blick wurde mit einem Nicken quittiert.

Ansonsten dienen wir bei unseren nächtlichen Camps der Jugend zunehmend als exotische Attraktion. Kaum stehen die ersten Zelte, eilt die Dorfjugend herbei und beobachtet jeden Schritt, den wir unternehmen. Am letzten Abend im Sudan ergab sich daraus sogar ein Fußballspiel aus Einheimischen und (noch nicht zu erschöpften) Radlern, das von viel Spaß und Gelächter begleitet war.

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