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Berlin oder Hamburg: Das sagen Göttinger Olympiateilnehmer

Thema des Tages Berlin oder Hamburg: Das sagen Göttinger Olympiateilnehmer

Berlin oder Hamburg? Die Olympischen Sommerspiele sollen 2024 nach Deutschland kommen. Zwei Städte wollen, dass sich „die Jugend der Welt“ in neun Jahren bei ihnen trifft. Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wird heute eine Empfehlung herausgeben, welche Stadt es ins Rennen schicken möchte. Die Außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB soll darüber am 21. März in der Frankfurter Paulskirche abstimmen. Göttinger Olympiateilnehmer erinnern sich an die Spiele in Atlanta, Sydney und Athen.

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Auf dem Weg zu Olympia-Gold in Athen: Gegen Südafrika musste Franzi Löwe (M.) 2004 allerdings eine 0:3-Niederlage einstecken.

Quelle: Sternberger

Göttingen. Für Franzi Löwe (geborene Gude) sind die Olympischen Spiele in Athen ein „Riesenerlebnis“ gewesen. Natürlich: Schließlich ist sie aus Griechenland als Hockey-Olympiasiegerin zurückgekehrt. Vier Jahre zuvor war es in Sydney Platz sieben für die seit Jahren in Köln lebende Spielerin, die beim Hockey-Club Göttingen (HCG) erstmals den Schläger in der Hand hatte.

Die Atmosphäre in Sydney habe sie dagegen mehr genossen. Die Lockerheit der Australier sei beeindruckend gewesen. „Die sind eben total sportverrückt.“ Hinzu kam dort die Nähe des Olympischen Dorfes zu den Sportstätten. „Das war alles Fußweg-Entfernung.“ In Athen seien es Spiele ohne die Athener gewesen. „Die waren ja gar nicht in der Stadt, hatten meistens ihre Wohnungen an Olympiatouristen vermietet.“ Beeindruckt war sie bei beiden Teilnahmen von der Freundlichkeit der vielen ehrenamtlichen Helfer. „Die waren so euphorisiert, haben auch am letzten Tag immer noch freundlich ‚Good Morning‘ gewünscht.“

Franzi Löwe. EF

Franzi Löwe. EF

Quelle:

Für 2024 wünscht sich die 38-Jährige, dass die Spiele „überhaupt in Deutschland stattfinden“. Wenn sie die Wahl hätte, würde sie Berlin vorziehen, weil sie „mehr Bezug, auch wegen familiärer Bindungen“, zu dieser Stadt hat. „Aber vielleicht ist es auch modern, mal nicht die Hauptstadt zu nehmen“, sagt die Gymnasiallehrerin für Sport, Englisch und Spanisch in Hinblick auf Hamburgs Bewerbung. „Ich habe das Hamburger Konzept gesehen. Es hat seinen Reiz, die Spiele direkt in der Stadt auszurichten.“ Egal welcher der beiden Bewerber den Vorzug erhält: „Wenn eine Stadt und deren Bevölkerung dahinter steht, dann ist das schon die halbe Miete. Dann ist die Atmosphäre auch noch besser.“ Aus der Sicht der Sportlerin ist eine Olympia-Teilnahme schon das Größte. „Wenn die Spiele dann auch noch im eigenen Land stattfinden, ist das noch einmal reizvoller.“ Dabei denkt Löwe vor allem an eine bessere Sportförderung. „Da wird manches einfacher für die Athleten, Türen öffnen sich schneller.“

Ihre Beziehung zu Olympischen Spielen sei durch die Teilnahmen als Aktive intensiver geworden. „Du fieberst anders mit, wenn Du die Abläufe und den Aufwand kennst.“ Auch die Winterspiele in Sotschi hat die Mutter zuletzt genau beobachtet. „Da ist gerade Paul geboren. Da hatte ich Zeit.“ Paul ist der zweite Sohn der Olympiasiegerin. Fritz ist schon vier Jahre alt und fängt gerade bei den Bambini von Rot-Weiß Köln – unter Anleitung seiner Mutter – mit dem Hockey an. Er sei „motorisch gut ausgestattet“, ebenso wie sein kleiner Bruder, dem Löwe „eine große Ball-Affinität“ attestiert. „Er schiebt alles mit dem Schläger weg.“ Ihre Mutter können die beiden Jungs noch beim Hockey beobachten. Löwe spielt in der zweiten Rot-Weiß-Mannschaft in der Regionalliga. Sie gibt aber zu: „Meine Motivation für das Training ist eindeutig kleiner geworden.“

Von Kathrin Lienig

Nachgefragt
Petra Reußner. EF

Petra Reußner. EF

Quelle:

... bei Petra Reußner, Vorsitzende der Bezirksgruppe Südniedersachsen/Göttingen der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG).

Hamburg oder Berlin? Wofür würden sie sich entscheiden – und warum?
Schwierig. Beide Städte haben gute Konzepte, die auf Nachhaltigkeit, kurze Wege und Verbesserung der Infrastruktur ausgelegt sind. Beide Städte haben gezeigt, dass sie Großveranstaltungen ausrichten können. Berlin als Hauptstadt wäre naheliegend, doch aufgrund der höheren Zustimmung in der Gesellschaft und der anscheinend besseren Einbindung der Wirtschaft gebe ich Hamburg mehr Chancen. Außerdem würde Niedersachsen davon auch stärker profitieren.

Wie können Spiele in Deutschland die Sportentwicklung beeinflussen?
Ich denke, dass die Ausrichtung Olympischer Spiele andere Bereiche der Gesellschaft viel stärker positiv beeinflusst als die Sportentwicklung selbst. Wenn wir uns, wie bei der Fußball-WM 2006, als weltoffene und tolerante Gastgeber zeigen, hat das eine extrem positive außenpolitische Wirkung. Wenn die vorhandene Infrastruktur genutzt und zusätzlich benötigte ausgebaut wird, eine Nachnutzung der Sportstätten garantiert ist, barrierefreie Wohnungen gebaut werden, Stadtentwicklung kreativ betrieben wird, hat dies für die Bevölkerung der ausrichtenden Stadt einen deutlich positiven Effekt. Alle beteiligten Kräfte werden jedoch auch alles dafür tun, dass die deutschen Sportler bei Olympischen Spielen in Deutschland möglichst gute Platzierungen erzielen. Also wird es verstärkte und kreative Talentförderung geben und in Bewegungsinfrastruktur investiert. Großbritannien hat uns mit London 2012 gezeigt, wie das geht. Wenn es dann viele deutsche Olympiasieger gibt, hat das auch wieder eine positive Wirkung auf den sportlichen Nachwuchs. Stichwort: Vorbilder. Ich glaube auch, dass die Bedeutung des Ehrenamtes noch einmal herausgestellt werden kann. Wir haben in London mit so vielen Volunteers gesprochen, die alle mit ihrer Begeisterung angesteckt haben. 

Wäre es für die reiselustige Göttinger Bezirksgruppe der DOG in Ordnung, nur nach Hamburg oder Berlin zu fahren?
Grins. Wir haben die Reisen zu den Olympischen Spielen immer relativ kostengünstig gestalten können, da wir diese immer ohne Gewinnerzielungsabsicht für unsere Mitglieder angeboten haben. Das teuerste sind immer die Unterkünfte. In Sydney haben wir deshalb im Backpacker, in Athen auf dem Campingplatz und in Peking im chinesischen Zwei-Sterne-Hotel gewohnt. Das schweißt Gruppen zusammen. Bei Spielen in Hamburg oder Berlin könnte man theoretisch mit dem ICE zur Veranstaltung fahren. Das ist für viele bezahlbar. Der Nachteil ist, dass dadurch kein Gruppengefühl entsteht wie bei einer zehntägigen Fahrt. Der Vorteil ist, dass mehr Personen einen Tag den einzigartigen Olympia-Spirit erleben können. Vielleicht finden wir aber auch eine geeignete Unterkunft bei Berlin oder Hamburg… 

 Interview: Kathrin Lienig

 
Kuriositäten: Walzertakt lenkt ab
  • Erfolgreich : Die meisten Goldmedaillen hat Schwimmer Michael Phelps (USA) gesammelt: 18 Stück zwischen 2004 und 2012. Leichtathlet Ray Ewry (USA) bringt es auf zehn im Standhochsprung, Standweitsprung und Standdreisprung – allerdings nur, wenn die inoffiziellen Spiele von Athen 1906 in die Wertung einfließen. Öfter als Ewry stand Larissa Latynina auf dem Treppchen. Die sowjetische Kunstturnerin holte zwischen 1956 und 1964 „nur“ neunmal Gold, dafür aber fünf Silber- und vier Bronzemedaillen.
  • Schwer : Judokämpfer Ricardo Blas (Guam) war 2008 in Peking chancenlos. Mit seinen 210 Kilo war er so schwer, dass er sich gar nicht richtig bewegen konnte und deswegen immer seinen Gegnern der Sieg zugesprochen wurde. Damit ging er als schwerster Judoka in die Geschichte der Olympischen Spiele ein.
  • Vergesslich : Eigentlich dauern die Olympischen Spiele von Helsinki 1952 offiziell noch immer an. Der damalige IOC-Präsident Sigfrid Edström vergaß in seiner Abschiedsrede die in der olympischen Charta festgelegte Formel: „Ich erkläre die Spiele der 15. Olympiade für beendet.“
  • Fair : Die Japaner Nishida Shuhei und Oe Sueo lieferten sich bei Olympia in Berlin 1936 einen Zweikampf um die Silbermedaille im Stabhochsprung. Beide überwanden 4,25 Meter, da jedoch Nishida weniger Fehlversuche hatte, erhielt er Silber, Oe Bronze. Als beide zurück in Japan waren, gingen sie zu einem Juwelier, der beide Medaillen zersägte und sie zu zwei halb silbernen, halb bronzenen Medaillen zusammenfügte.
  • Einfallsreich : Es kann nie schaden, einen Plan B zu haben: Der Deutsche Fritz Traun schied 1896 beim Vorlauf über 800-Meter aus, kaufte sich einen Tennisschläger und gewann mit dem Iren John Boland Gold im Tennisdoppel.
  • Kreativ : Eine besondere Ausrede für ihr grottenschlechtes Abschneiden hatten die österreichischen Ruderer 1980 in Moskau: Ein Orchester hätte an der Strecke Wiener Melodien gespielt und daher seien sie im Walzertakt gerudert. kal
 
Mertens favorisiert: Seine Perle Hamburg
Gefragter Interviewpartner: Michael Mertens 1996 im Jahnstadion. JV

Gefragter Interviewpartner: Michael Mertens 1996 im Jahnstadion. JV

Quelle:

Göttingen. „Nur gute Erinnerungen“ hat Michael Mertens an die Olympischen Spiele. Zweimal hatte sich der Kugelstoßer der LG Göttingen qualifiziert, war 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney am Start.

Auch wenn der in Vordorf bei Gifhorn lebende Leichtathlet in Sydney in der Qualifikation scheiterte, hat er doch schönere Erinnerungen an Australien als an den Wettbewerb bei den „Coca-Cola-Spielen“ in Atlanta, wo er 16. wurde. „Das waren wirklich Commercial Games in den USA“, berichtet der 49-Jährige. „Da hast du schon während der Olympia-Wochen gemerkt, dass die Nachhaltigkeit fehlt.“ Immerhin war das Olympiastadion so gebaut worden, dass es problemlos anschließend als Baseball-Arena genutzt werden konnte. Zwei Tage nach dem Ende der Paralympics wurde aus dem „Centennial Olympic Stadium“ das Turner-Field, die Heimat der Atlanta Braves. Beeindruckt war Mertens von der Kulisse im Olympiastadion. „Schon bei der Qualifikation um 10 Uhr morgens jubelten 85 000 Zuschauer uns Sportlern zu.“

Olympia in Sydney sei dann so gewesen, wie er sich die Spiele vorgestellt habe. „Die Offenheit der Australier war klasse.“ Im Olympischen Dorf habe er festgestellt, dass es „für jede Persönlichkeit“ eine Sportart gebe. „Ob es ein kleiner Gewichtheber war, der in der leichtesten Klasse gestartet ist oder die 2,07 Meter große russische Basketballerin – da wurde die Vielfältigkeit des Sports besonders deutlich.“

Sollte sich Deutschland für zukünftige Olympische Spiele bewerben, dann steht Hamburg ganz oben auf der Wunschliste von Mertens. Er stammt aus Stelle im Kreis Harburg, ist unmittelbar vor den Toren der Hansestadt aufgewachsen. „Ich kann noch die erste Strophe von ‚Hamburg, meine Perle‘ auswendig“, sagt der „leidgeprüfte“ HSV-Anhänger. Keine Frage ist für ihn die Bewerbung grundsätzlich. „So ein Großereignis bringt das Land nach vorn“, ist er sich sicher. Er selbst habe vom Leistungssport profitiert. „Der Sport hat mich persönlich geprägt. Ich habe gelernt, wie man sich darstellen kann“, sagt der seit 25 Jahren bei VW in Wolfsburg im Verbraucherschutz Beschäftigte.

Seine letzten Wettkämpfe hat Mertens (Bestweite 20,24 Meter) vor einigen Jahren in der Altersklasse 45 für die LG Braunschweig bestritten. Im Moment kickt er noch für die Alten Herren des TSV Vordorf, ansonsten verbringt er seine Freizeit auf dem Bau des neuen Eigenheims. Tochter Alica (14) und Sohn Luis (10) sind beides „Olympia-Kinder“, in den Jahren von Sydney und Athen geboren. Sie haben sich in der Leichtathletik versucht, sind dann aber mit dem Reitsport und Fußball nicht in die Fußstapfen ihres Vaters getreten. Über seine Erfolge wissen sie allerdings bestens Bescheid. „Meine Mutter hat alles gesammelt und ihnen oft gezeigt.“ kal

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04.12.2016 - 19:30 Uhr

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