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Der Aristokrat unter den Tieren

Besuch im Gestüt auf dem Hardenberg Der Aristokrat unter den Tieren

Wie das Pferd vom „wichtigsten Gefährten des Homo sapiens“ zum „Sport- und Therapiegerät“ wurde, davon handelt Ulrich Raulffs Buch „Das letzte Jahrhundert der Pferde“ (2015). Beim Literaturherbst stellt er es vor - am passendsten Ort in der Region: der Reithalle des Gräflichen Landsitzes Nörten-Hardenberg. Ein Besuch vor Ort.

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Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer des Göttinger Literaturherbsts, Niels Hirschheydt (Pächter und Leiter des Gestüts) und Gastgeberin Maja Heine. (von links).

Quelle: HW

Nörten-Hardenberg. Sauber und herrschaftlich sieht es aus, wenn man auf den Hof des Gräflichen Landsitzes fährt. Den Weg säumen Weiden, auf denen Pferde zufrieden grasen, die Bäume in der Einfahrt sind zentimetergenau gestutzt. Nur wenige hundert Meter weiter liegen auch mal ein paar Strohhalme oder Pferdeäpfel auf dem Boden verstreut: Hier befinden sich die Stallungen des Landsitzes.

„Pferde haben eine lange Tradition auf dem Hof“, sagt Maja Heine, Tochter von Carl Graf von Hardenberg. Um 1700 seien die Stallungen gebaut und in den vergangenen Jahrzehnten erweitert worden. Pächter ist heute Niels von Hirschheydt, ein in der Region bekannter Reiter. „Die Faszination Pferd macht für mich aus, wenn man mit einem Pferd eine Einheit bildet“, sagt er, „also, dass das Pferd zum Beispiel nicht nur springt, weil es muss, sondern die Aufgabe mit mir bewältigen möchte.“ Wenn er daran denke, dass ein von ihm ausgebildetes Pferd mit ihm die Goldene Peitsche - die höchste Prüfung beim jährlichen Hardenberg Burgturnier - gesprungen sei, bekomme er immer noch Gänsehaut.

Diese Faszination taucht auch in der kulturhistorischen Abhandlung zum Pferd von Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, auf. Darin schreibt Raulff vom Paradox, dass das Fluchttier Pferd, nachdem der Mensch es gezähmt und sich mit ihm angefreundet hat, vom Menschen für dessen Zwecke genutzt wird. „Das Erstaunliche an der Sache ist, dass sie auch dann noch funktioniert, als [...] die Zwecke des Menschen der Natur seines vierbeinigen Kollegen zuwiderlaufen“, schreibt Raulff - und meint unter anderem den Einsatz der Pferde im Krieg. Das Werk ist eine Ode an das Pferd, schreibt Raulff doch auch: „Aristokraten sperrt man nicht ein, man erinnert sie an ihr Ehrenwort, auf Flucht zu verzichten.“

Dieses Buch über das „älteste Kulturtier“, wie Literaturherbst-Geschäftsführer Johannes-Peter Herberhold es bezeichnet, wollte er unbedingt als Teil seines Festivals haben und „nah an die Pferde ranbringen“. Als in diesem Jahr der Roman „Das letzte Rennen“ von Marjana Gaponenko erschien, die ebenfalls mit ihrem Buch Teil der Lesung sein wird, sah er das als gute Ergänzung. „Das Buch ist spielerischer“, sagt Herberhold. Darin geht es um einen modernen Taugenichts, der durch seinen pferde- und kutschen-vernarrten Vater in einem Pferdemilieu lebt. Was Hirschheydt zu einem kleinen Scherz anregt: „Komisch, dass Taugenichtse immer mit Pferden zu tun haben.“

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