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Blindenfußballer beeindrucken Göttinger Zuschauer in zwei Länderspielen

„Können die nicht doch sehen?“ Blindenfußballer beeindrucken Göttinger Zuschauer in zwei Länderspielen

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Blinden hat ihre beiden Freundschaftsspiele gegen Europameister Spanien mit 0:1 und 0:3 verloren. Jeweils rund 250 Zuschauer sahen mit Staunen, Begeisterung und Bewunderung, wie sich auf dem Kunstrasen am Jahnstadion nahezu Unglaubliches abspielte.

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Zweikampf: Vedat Sarikaya (l.) versucht den Spanier Idolfo Icosta zu umdribbeln.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Für die deutsche Mannschaft waren die Partien ein echter Härtetest in der Vorbereitung auf die Europameisterschaft, die am 28. August im englischen Hereford angepfiffen wird.

Ein Sport, bei dem die Akteure Augenbinden tragen? Bei dem der Ball Töne von sich gibt? Bei dem die Spieler des Teams, das gerade nicht im Ballbesitz ist, in regelmäßigen Abständen „Voy“ rufen?  Ja, den gibt es wirklich. Blindenfußball heißt er, und stellt eine Variante des Kicks mit dem runden Leder dar, die Außenstehende absolut fasziniert. Was die Spieler den Zuschauern boten, war teilweise atemberaubend.

Wie sie den Ball führten, wie sie gegnerische Abwehrspieler umkurvten, wie sie wussten, wo Mit- und Gegenspieler sich befanden: „Können die nicht doch sehen?“, so die skeptische Frage eines Jungen an seinen Vater. Nein, können sie nicht, die Spieler werden vor dem Spiel ärztlich überprüft.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Blinden hat ihre beiden Freundschaftsspiele gegen Europameister Spanien mit 0:1 und 0:3 verloren. Jeweils rund 250 Zuschauer sahen mit Staunen, Begeisterung und Bewunderung, wie sich auf dem Kunstrasen am Jahnstadion nahezu Unglaubliches abspielte. © Pförtner

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Als Deutschland-Stürmer Kofi Osei sich kurz nach Wiederanpfiff technisch höchst anspruchsvoll den Ball schnappte, durchs ganze Mittelfeld dribbelte und anschließend aus gut zwölf Metern einen Hammer losließ, der leider von der Unterkante der Latte wieder ins Spielfeld zurücksprang, wusste so mancher Zuschauer: Das könnte ich niemals, obwohl ich den Ball sehen kann.

Bundestrainer Ulrich Pfisterer war trotz der beiden Niederlagen hochzufrieden: „Das waren klasse Leistungen gegen einen extrem starken Gegner.“ Hochzufrieden war auch die gesamte deutsche Delegation mit der Veranstaltung. Die Organisation sei hervorragend gewesen, das Publikum habe sich toll verhalten.

Und zwar ruhig – das ist wichtig, damit die Spieler den Ball hören können. Die nächsten zwei Länderspiele in der Leinestadt sind dann auch schon geplant: Sie sollen nächstes Jahr anlässlich des Landesturnfests stattfinden.

So funktioniert Blindenfußball

Gespielt werden zwei Halbzeiten á 25 Minuten auf einem 40   x   20 Meter großen Platz mit Banden und Handballtoren. Jedes Team besteht aus vier Feldspielern plus Torwart – der einzige Akteur, der sehen kann. Im Inneren des Balls befinden sich Metallplättchen, die rasseln, wenn er rollt.

Die Spieler der Mannschaft, die nicht im Ballbesitz ist, müssen regelmäßig „Voy“ („ich komme“) rufen, damit der ballführende Spieler des gegnerischen Teams weiß, wo sich seine Gegenspieler befinden und es nicht zu Zusammenstößen kommt. Absichtliche Fouls gibt es fast keine, unabsichtliche kommen häufiger vor.

Kurios ist die Strafstoßausführung (je nach Regelverstoß aus acht oder sechs Metern): Ein Helfer klopft zur Orientierungshilfe beide Pfosten lautstark von oben nach unten ab, bevor der Schütze abzieht – aus dem Stand. Zur Taktik: Der Torwart gibt den Spielern Anweisungen, wohin sie sich bewegen sollen. Anders als beim sehendgespielten wird beim Blindenfußball häufiger gedribbelt, weniger gepasst.

Von Hauke Rudolph

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