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Boxen: Göttinger Wladimir Steinbach arbeitet an einer Karriere als Profi

Ein Gentleman schlägt zu Boxen: Göttinger Wladimir Steinbach arbeitet an einer Karriere als Profi

„Schwächen? Das Wort kenne ich nicht“, sagt Wladimir Steinbach. Dann muss er lachen. Ein Versuch, das Klischee vom großspurigen Boxer zu bedienen, war es wert, aber Arroganz zählt definitiv nicht zu den Charaktereigenschaften des Superschwergewichtlers vom ASC 46.

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Keine Angst! Der guckt nur so böse: Wladimir Steinbach wird lediglich seinen Gegnern im Ring gefährlich.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Dabei könnte sich der 27-Jährige als zweimaliger Landesmeister und Besitzer der Sportplakette der Stadt durchaus ein wenig Überheblichkeit leisten. Doch Steinbach ist ein Gentleman. Davon kann sich das Göttinger Publikum überzeugen, wenn er bei der ASC-Boxnacht im Herbst in den Ring steigt.

Mit der Vorbereitung darauf hat der 1,96 Meter große und 107 Kilogramm schwere Gigant längst begonnen – in einem kaum vorstellbaren Ausmaß. Sechsmal wöchentlich steht Box-Training auf dem Programm, dazu kommen täglich morgendliche Fitnesseinheiten, und nachts arbeitet Steinbach als Sicherheitsmitarbeiter in der Diskothek Savoy. Wann schläft der Mann eigentlich? Die Schinderei soll sich eines Tages auszahlen. „Ich möchte ins Profi-Lager wechseln“, stellt der Russe klar. Ein Sparringspartner habe den Sprung kürzlich geschafft. „Und der war nicht viel besser als ich“, behauptet Steinbach.

Von 17 Amateur-Kämpfen hat der Göttinger 14 gewonnen. Die drei Niederlagen seien umstrittene Urteile der Punktrichter gewesen. Die Bilanz ist beachtlich, denn Steinbach, der 2004 vom sibirischen Omsk übersiedelte, boxt erst seit sieben Jahren. „Ein guter Kamerad bei der Bundeswehr hat mir Talent bescheinigt und ein bisschen was beigebracht. Über den befreundeten Boxer Michael Mingaliev bin ich dann zum ASC gekommen“, erinnert sich der Sohn eines Polizisten. Bei den Königsblauen lernt er Gegham Hakobyan kennen. Die Begegnung mit dem respekteinflößenden armenischen Trainer ist die Initialzündung für Steinbachs Karriere.

„Ich habe von Anfang an gebettelt, dass er mich trainiert. Gegham ist ein Genie und hat ein Auge für mich“, schwärmt Steinbach. Obwohl der 38-jährige Hakobyan, der armenischer Boxmeister war, nicht viel älter ist, spricht sein Schützling ehrfürchtig von einem „Vater-Ersatz“, beschreibt die Beziehung als sehr eng. „Mein ganzer Erfolg liegt an Geghams Talent. Deutschlandweit gibt es keinen vergleichbaren Trainer“, versichert Steinbach, der in seiner Freizeit zahlreiche Sportarten betreibt und Gitarre spielt. Hakobyan hat ihn zu einem Boxer geformt, der sich viel bewegt, kein klassisches Schwergewicht. „Ich will schnell und beweglich sein wie meine Vorbilder Mike Tyson und Muhammad Ali“, so Steinbach. Noch entscheidender sei aber der Kopf: „Du darfst nicht wütend werden und musst Respekt haben. Ich würde nie schlecht über einen Gegner reden.“

Um Darsteller im Profi-Zirkus zu werden, muss Göttingens einziger Superschwergewichtler in der nächsten Zeit viele Kämpfe bestreiten. Eine zeitliche Frist setzt sich Steinbach aber nicht: „27 ist kein Alter für einen Boxer. Ich nehme mir viele kleine Ziele vor. Die großen sind Teilnahmen an Europameisterschafts-, vielleicht Weltmeisterschaftskämpfen.“ Dass er es ernst meint mit dem Boxen, unterstreicht das Statement zu seinem ersten großen Titel, der Niedersachsen-Meisterschaft 2013: „Das war der schönste Tag in meinem Leben.“

Von Rupert Fabig

Was kann nach einem Volltreffer passieren?

• Es ist nicht empfehlenswert, mit einem Schwergewichtler in den Ring zu steigen. „Ein untrainierter Mensch würde von einem richtigen Schlag ins Gesicht vermutlich sterben“, sagt Steinbach. Selbst erfahrene Boxer haben nach einem Volltreffer mehrere Tage lang Probleme beim Kauen.

• Das Gewicht des Boxers ist für die Schlaghärte sehr entscheidend. Bei einer durchgezogenen Geraden können Kräfte von bis zu 700 Kilogramm wirken. „Daher hat selbst ein hervorragendes Leichtgewicht keine Chance gegen einen schlechten Schwergewichtler“, erklärt Steinbach.

• !Wenn ein Boxer wenig einstecken kann, wird ihm nachgesagt, er habe ein Glaskinn. „Das ist angeboren“, meint Steinbach. Übungen für den Nacken helfen ein wenig, aber da sich der Kiefer nicht trainieren lasse, „hältst du den Schlag entweder oder gehst zu Boden“.

2. Göttinger Kampfsportnacht

Göttingen. Für Kampfsport-Fans aus Göttingen dürfte es neben der ASC-Boxnacht der Höhepunkt des Jahres sein: Nach dem erfolgreichen Auftakt im vergangenen Jahr veranstaltet die TM-Sportschule unter Federführung von Roman Mieczkowski am Sonnabend zum zweiten Mal die Göttinger Kampfsportnacht. Von 20 Uhr an werden in der TM-Fight-Sports-Halle (In der Krümme 5) 15 Kämpfe im Muay Thai, K1, Mixed Martial Arts (MMA) und Combat Sambo ausgetragen. Eingeladen sind dazu Profis und Amateure aus Deutschland, den Niederlanden und Polen.

Bei der Kampfsportnacht wird die komplette Bandbreite der Disziplinen präsentiert. So ist beim traditionellen Muay Thai neben Schlag- und Tritttechniken der Einsatz von Ellbogen sowie das Clinchen erlaubt. In der Wettkampfdisziplin K1 ist dies wiederum verboten. Netter Randaspekt beim Muay Thai: Vor den Gefechten führen die Kämpfer den traditionellen Wai-Kru-Tanz auf. Combat Sambo ist eine Free-Fight-Form der russischen Nahkampfsportart Sambo, bei der mit Schutzausrüstung und Jacke gekämpft wird, weil Ellenbogen- und Kopfstöße gestattet sind. MMA wird in der TM-Sportschule nach Amateur-Regeln betrieben.

 Das bedeutet, der Einsatz von Ellbogen in Richtung Kopf und ähnliche Techniken, die zu Verletzungen führen können, sind untersagt. Unter anderem treten Kämpfer aus dem deutschlandweit bekannten Amrani Palace an. Die Göttinger Hoffnung im Muay Thai heißt Johannes Schmitz.

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