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Bunte Schuhe machen attraktiver

Thema des Tages Bunte Schuhe machen attraktiver

Auf den Fußballplätzen der Region sehen einige Spieler Rot, die Zuschauer hingegen eher bunt, denn der Trend geht eindeutig zu immer peppigeren Schuhen, vorzugsweise inzwischen auch mit Strumpf.  Dabei wollen viele ihren großen Idolen wie Neymar, Messi oder Ronaldo nacheifern. Die Passform spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, das Aussehen ist viel entscheidender.

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Göttingen. Sie sind pink, grün, orange, gelb, blau. Einige von ihnen sehen aus, als könnte man sie als Badeschuhe verwenden, andere wiederum sind so blütenweiß, dass man sich kaum traut, sie im Freien zu tragen. Doch genau dafür sind sie gedacht, denn es handelt sich durchweg um Fußballschuhe, die in den schönsten Papageienfarben die Plätze dieser Welt schmücken.

Vor gefühlt etwas mehr als zehn Jahren hat dieser Trend begonnen, so die Beobachtung von Thomas Schygulla dem Inhaber von Sputniks Sportshop in Groß Ellershausen. Die großen sportlichen Vorbilder wie ein Neymar, Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo leben die Trends vor, die Aktiven bis in die untersten Klassen folgen ihren Idolen nur zu gern. „Wenn Kinder oder Jugendliche kommen und einen Schuh anprobieren, den Ronaldo trägt, dann nehmen sie sofort seine Haltung an“, sagt Schygulla. Er hat wiederholt diese Beobachtung gemacht, die ihn immer wieder schmunzeln lässt.

30 Prozent der Fußballschuhe werden nicht in erster Linie nach Funktionalität gekauft, sondern nach Optik. Davon ist der Fan des Hamburger SV überzeugt. Nicht verwunderlich dann auch der Slogan, der seine Eingangstür ziert. „Sorge dafür, dass deine Füße die Attraktion auf dem Feld sind“, ist dort zu lesen.

Im Vergleich zu den früheren Jahren sind die Schuhe deutlich leichter und unempfindlicher geworden. Kunststoffschuhe machen ungefähr 60 Prozent des Marktes aus, Leder 40. Kunststoffschuhe kommen darüber hinaus der Klientel entgegen, die Schuheputzen nicht unbedingt zu ihrer Lieblingsbeschäftigung zählt. „Die müssen einfach nur mit einem feuchten Lappen abgewischt werden“, erläutert Schygulla, bedürfen keiner speziellen Pflege. Dies sieht bei einem echten Lederschuh natürlich schon ganz anders aus. Und natürlich hat der ehemalige Fußballer unter anderem beim FC Grone und dem TSV Landolfshausen auch die Klassiker im Regal stehen. Wie den Copa Mundial, der seit 1979 hergestellt wird und der meistverkaufte Fußballschuh der Welt ist. Prominente Träger waren unter anderem Franz Beckenbauer, Diego Maradona, Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann.

Frauen sagt man ja nach, eine besondere Leidenschaft für Schuhe zu besitzen. Doch auch bei den Herren geht der Trend eindeutig in diese Richtung. „Die  meisten Fußballer haben zwei bis drei Paare“, erzählt Schygulla. Der Preis ist dabei fast Nebensache, denn bis 300 Euro kann man bei einem Paar ohne größere Probleme anlegen. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass sie gerade einmal zwischen 160 und 240 g wiegen. „Fußballschuhe können schon eine Wertanlage sein“, verdeutlicht Schygulla. Und anders als bei anderen Dingen ist es in diesem Fall nicht so, dass teuer auch länger haltbar heißt. Funktion und Technik ist inzwischen eine ganz andere, in den meisten Fällen speziell auf den Träger beziehungsweise dessen Position abgestimmt. „Eine Saison sollten sie halten“, so der Experte.

Aber dann ist der modebewusste Fußballer ohnehin ja schon fast gezwungen, einen neuen zu kaufen, da die Industrie häufig einen Kollektionswechsel vornimmt.  Was den Fußballer, egal ob männlich oder weiblich, offensichtlich gar nicht interessiert, ist offensichtlich die farbliche Harmonie zwischen Trikot und Schuhen. „Schuhe sind etwas völlig Unabhängiges“, weiß Schygulla aus langjähriger Erfahrung. Und was trägt er selber für Fußballschuhe bei einer derartigen Reizüberflutung jeden Tag: „Ich trage schon von jeher einen Copa Mundial“, hat er sich noch nicht von dem Farb-Virus anstecken lassen. „Ich glaube, dass ist auch ein bisschen eine Frage des Alters“, mutmaßt der 1969 geborene Schygulla.

Ein Fisch im Schuh beflügelt

Achillessehnenschmerzen, Sprunggelenks­beschwerden, Knieprobleme, Rückenschmerzen – viele Fußballer können davon ein Lied singen. Oftmals sind daran die Füße schuld, die in einen modisch unglaublich schicken, aber nicht unbedingt für die Fußform geeigneten Schuh  gepresst werden. Druckbeschwerden sind auf Dauer nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch gerade für heranwachsende Füße, die sich erst noch entsprechend ausbilden müssen, keineswegs förderlich. „Ein Fußballschuh ist für die Entwicklung von Füßen nicht der tollste Schuh“, drückt sich Sportwissenschaftler Jens Claussen von Move 100, der Sportmarke vom Sanitätshaus  o.r.t sehr diplomatisch aus.

Er und sein Team versuchen, den Beschwerden durch eine genaue Anamnese auf die Spur zu kommen. Haltungs-und Bewegungsanalysen gehören dabei mit zum umfangreichen Programm. Ist diese Beurteilung abgeschlossen, dann kommt Kai Strecker ins Spiel, der für den Support zuständig ist, anhand der Analyse seines Kollegen Clausen dann mit der Umsetzung beginnt, beispielsweise in Form einer Einlage. „Es gibt da unterschiedliche Wirkungsmechanismen bei den Einlagen, die so ausgelegt sein sollen, dass der Fußballer irgendwann auch wieder ohne auskommen sollte“, berichtet Strecker. Denn die sensomotorische Einlage ist so aufgebaut, dass gewisse Muskeln so aktiviert werden, um wieder beschwerdefrei zu werden. In den ersten Tagen gibt es einen Wohlfühl-Muskelkater, der allerdings auch gewollt ist.

Anton Donkor, aktueller U-19-Nationalspieler, der aus Göttingen zum VfL Wolfsburg wechselte, hat die positive Wirkung eines Fisches im Schuh bereits kennengelernt, lässt sich von der Move-100-Crew betreuen. Fisch ist die Abkürzung von Fitness im Schuh, einer Einlage mit einem optimalen Wirkungsprinzip. Wenn einem also der Gegner auf dem Platz davonläuft, dann könnte es durchaus am Innenleben seines schicken Schuhs liegen.

Passform und Preis spielen eine wesentliche Rolle

Timo Friedrichs (SV Germania Breitenberg). Der Spielertrainer ist in Bezug auf sein Schuhwerk nicht sehr experimentierfreudig. „Ich habe schon immer einen Copa Mundial getragen. Ich bin der Ansicht, dass man den Schuh seiner Spielweise anpassen sollte. Und da ich ja eher eine etwas robustere Spielweise bevorzuge, würde ich es schon komisch finden, wenn ich dann beispielsweise einen weißen Schuh anhätte. Ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn ich die Youngster in ihren knallbunten Schuhen sehe, es aber bei einem Pass über fünf Meter schon eng wird.“

Katharina Heuerding (FFC Renshausen). „Meine Fußballschuhe sind schon ein Hingucker. Ich habe immer nur bunte Schuhe gehabt und bevorzuge auch immer die gleiche Marke, weil die am besten sitzt. Ich suche die nicht danach aus, ob sie zum Trikot passen, wobei einen pinkfarbenen Schuh würde ich zu unserem Trikot nicht anziehen.“ Auch bei Fußballschuhen geht der Trend eindeutig zum Zweit-Paar, die Leistungsträgerin im FFC-Team verfügt sogar über drei „Arbeitsgeräte“, die vorm Spiel auch regelmäßig geputzt werden.

Marie Diekgerdes (ESV Rot-Weiß Göttingen). Die 27-jährige Stürmerin liebt das klassische und bevorzugt einen schlichten schwarz-weißen Fußballschuh.  „Ich möchte doch fußballerisch auffallen und nicht durch meine Schuhe“, stellt sie unmissverständlich klar. Die Studentin hat noch nie ernsthaft darüber nachgedacht, ihr Schuhwerk zu wechseln. Wichtig ist für sie, dass er 100-prozentig passt, „alles andere ist mir egal“.

Mathis Gleitze (FC Grone). In auffälligem Blau-Orange leuchten die Fußball-Schuhe  von Mathis Gleitze. Doch die Farbe ist dem Abwehrspieler des FC Grone eigentlich egal. „Früher habe ich auch einen Copa Mundial getragen“, sagt der Akteur des Bezirksliga-Tabellenführers. Nach einem Tipp seines Teamkollegen Linus Grund hat Gleitze sich die Schuhe online bestellt. „Besonders günstig“, versichert er. Wichtiger als das Äußere sei ihm die Passform: „Ich habe sehr breite Füße, da muss der Schuh ganz genau sitzen.“

Sebastian Gehrke (SVG Göttingen). Der SVGer hat, solange er zurückdenken kann, immer schwarz-weiße Fußballschuhe getragen. Bis vor Kurzem, denn jetzt zieren knallig grüne Schuhe seinen Fuß. „Als es den Schuh, den ich haben wollte, in Grün 50 Euro günstiger gab, da habe ich gewechselt“, gibt Gehrke unumwunden zu. Ihm selber fiel die Umstellung gar nicht so schwer, aber von seinen Mannschaftskameraden musste er sich doch schon einmal den einen oder anderen kritischen Blick gefallen lassen. „Die kannten mich ja nie anders“, sagt der 29-Jährige und schmunzelt dabei.

Von Vicki Schwarze

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