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DOG-Talkrunde mit Heinz Fütterer, Manfred Germar und Jutta Heine

Sprint-Legenden zu Gast DOG-Talkrunde mit Heinz Fütterer, Manfred Germar und Jutta Heine

Drei regelrechte Legenden der deutschen Leichtathletik sind am Freitag zu Gast in Göttingen bei der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG), Bezirksgruppe Südniedersachsen/Göttingen: Heinz Fütterer, Manfred Germar und Jutta Heine. Beginn der Talkrunde im Hotel Freizeit In, Dransfelder Straße 3, ist um 19 Uhr.

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Quelle: dpa

Göttingen. Die ehemaligen Leichtathletik-Asse, die heute 84, 80 und 75 Jahre alt sind, kommen für die Veranstaltungsreihe „Prominente aus dem Sport zu Gast bei der DOG“ nach Göttingen. „Wir wollen mit den Sportlegenden an glorreiche Zeiten des deutschen Sports erinnern“, sagt Bezirksgruppen-Geschäftsführer Wolfgang Buss.

Die drei Gäste seien Vertreter einer Zeit, in der die Leichtathletik „mindestens so populär“ gewesen ist wie Fußball – was sich auch bei der Wahl zum Sportler des Jahres niederschlug: Fütterer ließ 1954 etwa Fritz Walter und Hans Günter Winkler hinter sich. Die drei ehemaligen Sprint-Asse sind auch Zeugen der Ausscheidungskämpfe gegen ostdeutsche Athleten, schließlich gab es zwischen 1956 und 1964 gesamtdeutsche Teams. „Es ist eine Reminiszenz an große deutsche Sportler und an eine Zeit, in der wir in der Leichtathletik Weltklasse waren“, sagt Buss, der zusammen mit Andreas Lindemeier moderiert. Nachmittags tragen sich Fütterer, Germar und Heine ins Goldene Buch der Stadt ein.

Von Eduard Warda

BU: Jutta Heine 1960 in Rom mit Wilma Rudolph (links).

Fotohinweis: dpa.

Walter Krüger, 1960 in Rom Überraschungs-Zweiter im Speerwurf, über den größen Wettkampf seines Lebens

Wendisch-Langendorf. 79,36 Meter – diese Weite wird Walter Krüger nicht vergessen. Mit ihr gewann der Speerwerfer aus Mecklenburg-Vorpommern bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 überraschend Silber für die gesamtdeutsche Mannschaft. Heute lebt der 85-Jährige zurückgezogen in Wendisch-Langendorf an der Ostsee.

Die idyllische Boddenlandschaft in unmittelbarer Nähe zu Stralsund ist Krügers Heimat, und hier entdeckte er auch sein Wurf-Talent. „Wenn ich am Strand war, habe ich Steine ins Wasser geworfen“, erzählt er. Seine Familie beackerte 20 Hektar Land, die später, zu DDR-Zeiten, von einer LPG bewirtschaftet wurden.

Aus Steinewerfen wurde bald Kugelstoßen, aus dem Strand sein erster Verein Traktor Groß Mohrdorf. Krüger stieß die Kugel um die 13 Meter weit, der smarte Athlet machte sich Hoffnungen, bei einem Lehrgang in eine Kugelstoß-Nachwuchsgruppe der DDR einsortiert zu werden. Der eigens eingeflogene sowjetische Trainer verwehrte ihm jedoch diesen Wunsch – weil er sein Speerwurf-Talent entdeckt hatte. Als 24-Jähriger kam er also in die Speerwurf-Gruppe.

Sechs Jahre später, bei den Olympischen Spielen in Rom, schlug Krügers große Stunde. „Ich wusste: Wenn ich eine Chance haben wollte, musste der erste Wurf sitzen“, berichtet der Hüne. Und er saß, der Speer flog gleich im ersten Versuch auf die spätere Silber-Weite. Die Favoriten ließen demgegenüber Federn. So hatte der Pole Janusz Sidlo in der Qualifikation 85,14 Meter geworfen – im Wettkampf blieb er hinter Krüger zurück. Einzig der Sowjet-Werfer Wiktor Zybulenko kam durch und gewann mit 84,64 Metern Gold, die anderen Favoriten waren vom Winde verweht.

„Wenn du Schwein hast, erreichst du den Endkampf“, habe sich Krüger vor den Spielen gesagt. Bereits mit seinem vierten Platz in der Qualifikation war er mehr als zufrieden gewesen, doch dann kam sein großer (und vor allem weiter) Auftritt. Seine Frau Helga übte sich derweil im Schweriner Mietshaus im „Großreinemachen“, und das aus gutem Grund: „Wenn er Wettkampf hatte, ging es mir nicht so gut“, erzählt sie. Erst als ein Nachbar klingelte und mit den Worten „Das erleben Sie nicht noch mal“ eintrat, machte sie den Fernseher an. „Und plötzlich hatte ich das ganze Haus im Wohnzimmer.“

So richtig rund ging es allerdings erst bei Krügers Rückkehr – der Speerwerfer aus dem beschaulichen Wendisch-Langendorf war plötzlich ein Nationalheld. Nach einem Autokorso durch Berlin, wo die Menschen in Fünfer-Reihen an der Straße standen, gab es für den damals 30-Jährigen einen Empfang auf dem Marktplatz von Schwerin, auf dem 7000 Menschen ihm zujubelten. „Und da musste ich sprechen“, sagt Krüger, der schon weniger aufregender Auftritte hinter sich gebracht hatte. Seine Familie in Wendisch-Langendorf berichtete ihm später, dass an diesem Tag bis Stralsund keiner gearbeitet habe.

Mit den westdeutschen Athleten wie Armin Hary habe er in Rom nicht viel zu tun gehabt, berichtet Krüger: „Da ist jeder seine Wege gegangen.“ Der „Silberjunge“ kam in der Folge nicht mehr an seine Bestmarke von 79,61 Meter vom 5. September 1959 im Länderkampf gegen Polen heran. Das lag unter anderem an einer Ellbogenverletzung, einem sogenannten Tennisarm, der ihm auch einen Strich durch die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio 1964 machte.

Nach seiner aktiven Karriere war Krüger zunächst in Rostock als Trainer tätig und betreute unter anderem die Diskuswerferin Gabriele Hinzmann, geborene Trepschek, die in Montreal 1976 Bronze holte. Später arbeitete er als Sportlehrer in Stralsund, und schließlich ist er auch ausgebildeter Landwirt.

Das Thema Doping habe zu seiner aktiven Zeit noch keine Rolle gespielt, versichert Krüger. „Das kam später auf“, sagt er über eines der dunkelsten Artikel der DDR. So befand sich Krügers vormaliger Schützling Hinzmann in den 70er-Jahren im Programm der sogenannten Bauersfeld-Studie, in der Athleten systematisch gedopt wurden.

Im Haus der Krügers in Wendisch-Langendorf, dessen Grundstück einen direkten Zugang zum Bodden hat, ist für die Medaille von Rom ein Ehrenplatz an der Wand reserviert. Nach wie vor trudeln Autogrammwünsche ein, eine ganze Zeit lang vor allem aus den USA. Im nächsten Jahr plant das Ehepaar, das drei Töchter hat, sechs Enkel und fünf Ur-Enkel, in eine altersgerechte Wohnung in der nächstgrößeren Stadt Prohn umzuziehen. Etwas weiter weg vom Ostseestrand, wo die Steine im Wasser liegen, die Krüger vor 80 Jahren hinein geworfen hat.

Von Eduard Warda

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