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„Das A und O ist Spielpraxis“


Handball-Europameisterschaft: Jugendtrainer und Verantwortliche ziehen Fazit nach dem Erfolg in Krakau „Das A und O ist Spielpraxis“


Knapp 13 Millionen Fernsehzuschauer haben das Finale der Handball-Europameisterschaft in Polen gesehen. Damit erreichte der Europameister eine sagenhafte Quote von 42 Prozent. Dazu gehörten auch die, die sich in der Jugendarbeit der heimischen Vereine und Verbände engagieren.

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Kein Halten mehr: Die deutschen Spieler bejubeln den klaren Finalsieg gegen Spanien. 

Quelle: dpa

Göttingen/Duderstadt. Karl-Heinz Pohl, Abteilungsleiter beim TV Jahn Duderstadt, zeigte sich zwar begeistert von der „Superleistung“ der Deutschen, die „Werbung für den Handballsport“ betrieben hätten, warnt jedoch davor, zu früh in Euphorie zu verfallen: „Es wäre natürlich wünschenswert, wenn dieser Erfolg einen Boom im Nachwuchsbereich auslösen würde, aber es ist noch viel zu früh, um das absehen zu können.“ Nicht alle Kinder hätten die EM wohl so genau verfolgt, mutmaßt er, einen Ansturm neuer Talente erwartet Pohl jedenfalls nicht: „Ich bin da eher skeptisch.“
Um neue Nachwuchskräfte zu gewinnen, sollte man nicht auf die derzeit entflammte Begeisterung setzen, sondern selber nachhaltig arbeiten, empfiehlt der Jahner Abteilungsleiter. Deshalb habe man für die nahe Zukunft bereits „einiges in Planung“. Der Handball-Schnuppertag habe gerade bei den E-Junioren viele neue Anmeldungen zur Folge gehabt: „Schön wäre es, wenn das jetzt auch bei den C-, B- und A-Junioren passieren würde, denn das ist ein schwieriges Alter.“

„Dass jetzt alle zum Handball rennen, glaube ich nicht“, sagt Björn Breckerbohm, Co-Trainer des Duderstädter Verbandsliga-Herrenteams. Die Vereine seien selber dafür verantwortlich, „diesen Push auszunutzen“, denn alle deutschen Partien seien „echte Blockbuster“ gewesen. Schon lange vor der EM hätten die Eichsfelder die Initiative ergriffen, machen Werbung in Schulen, um den Sport und ihren Verein speziell bei den Jugendlichen vorzustellen.

Jan Schild, Nachwuchstrainer bei der HG Rosdorf-Grone, hat mit seiner weiblichen C-Jugend im eigenen Wohnzimmer geschaut. „Es gab Getränke und Knabberkram. Die zwölf Mädchen hatten auch schon im Vorfeld alle Spiele gesehen.“ Für den ehemaligen HG-Jugendwart ist der EM-Titel das Ergebnis der guten Jugendförderung im Handballverband. „Die ist gut und strukturiert. Da werden noch weitere Erfolge kommen“, prophezeit er. Von den jungen Nationalspielern hofft er, dass sie weiter bei kleinen Vereinen wie Wetzlar und Hannover-Burgdorf spielen und nicht dem Lockruf der großen Vereine folgen „und dann nur einen Platz auf der Bank bekommen. Das A und O ist Spielpraxis.“

Das seit einigen Jahren mögliche Zweitspielrecht für junge Bundesliga-Spieler sieht Uwe Viebrans, stellvertretender Vorsitzender Jugend in der Handballregion Niedersachsen, als einen der Gründe, warum sich der Nachwuchs inzwischen schneller etablieren kann. „Viele sammeln Erfahrung in der 2. und 3. Liga, sitzen nicht nur auf der Bank. Wenn man sich unten behauptet, kann man in der Bundesliga auch bestehen.“ Vereinsinterne Nachwuchskonzepte, wie beispielsweise Sport-Internate, in denen Talente für das eigene Team ausgebildet werden, bringen die Klubs ebenfalls voran. Vom DHB erwartet Viebrans, dass der Verband die Medien und deren derzeitiges Interesse nutzt, um „immer mal wieder die breite Öffentlichkeit zu erreichen“. Vom EM-Erfolg bis zur Olympia-Teilnahme sollte ein Spannungsbogen erhalten bleiben.

„Eine große Chance für den deutschen Handball, wieder etwas aufzuholen“, sieht Michael Kienberger, sportlicher Leiter des TV Jahn. Der aktuelle Stand müsse jetzt unbedingt für weitere Höhenflüge genutzt werden, denn in der Mannschaft und im Umfeld „stimmt so ziemlich alles“.

Auf mehr Zuschauer bei den eigenen Partien hofft Duderstadts Torwart Julian Zwengel: „Ich würde mich freuen, wenn diese EM die Leute derart für Handball begeistert hat, dass sie mal in der Halle vorbeischauen oder dass Kinder Lust haben, selber zu spielen.“

Von Kathrin Lienig und Christian Roeben

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