Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Die schlagkräftigen Fünf von Torpedo Göttingen

Als Aufsteiger vor dem Durchmarsch in die 3. Liga Die schlagkräftigen Fünf von Torpedo Göttingen

Es ist kühl. Die Wände sind grau-weiß, durch das Fenster fällt wenig Licht in die Umkleidekabine der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Sie ist schlicht gehalten, zwei harte Holzbänke. Darauf sitzen die Spielerinnen des Tischtennis-Regionalligisten Torpedo – aufgereiht wie die Hühner auf der Stange.

Voriger Artikel
MTV gewinnt Kreisderby gegen Northeimer HC II mit 22:18
Nächster Artikel
Feuerwerk der Turnkunst begeistert in der Lokhalle Göttingen

Die Konkurrenz sieht sie nur von hinten, für Tageblatt-Leser gibt‘s die Frontansicht: Torpedos Constanze Schlüter, Diana Rogusina, Marie-Sophie Wiegand, Katja Kiziuk und Johanna Wiegand (v.l.).

Quelle: Pförtner

Göttingen. Doch die Stimmung ist gut. Die Frage, vor wie vielen Zuschauern sie denn spielen, sorgt für ein lautes Prusten des Quintetts. „Vor 15, maximal 20“, antwortet die 23-jährige Diana Rogusina schmunzelnd.

Dabei hätten die Zelluloidball-Virtuosinnen wesentlich mehr Fans verdient. Mit zehn Siegen und nur einem Remis dominiert Torpedo die Regionalliga – als Aufsteiger. Lediglich der VfL Tegel und die Füchse Berlin müssen beim Blick auf die Tabelle mit zwei und drei Punkten Rückstand noch nicht den Feldstecher bemühen.

„Dass wir bei beiden Berliner Teams zum Saisonauftakt gewonnen haben, hat uns Schwung gegeben. Der Aufstieg ist realistisch“, betont Trainer Tim Wiegand (46). Seine Töchter Marie-Sophie (16) – bundesweit eine der Besten ihrer Altersklasse – und Johanna (14) sind sich ohnehin sicher: „Wenn wir so gut spielen wie in der Hinrunde, steigen wir bestimmt auf.“

Ausgeglichenheit und ein gutes Mannschaftsklima

Doch was macht den Liganeuling so stark, dass der Durchmarsch in die 3. Liga wahrscheinlich ist? „Unsere Ausgeglichenheit“, findet Conny Schlüter (23). „Viele Mannschaften haben ein, zwei Topspielerinnen, fallen nach hinten aber ab. Wir nicht“, erklärt die Deutsch- und Geschichtsstudentin für Lehramt.

„Wir sind ausgeglichen, haben Rückhand- und Vorhandspezialistinnen“, bemerkt Marie-Sophie Wiegand. Auch das Mannschaftsklima sei hervorragend. „Wir gehen nach den Spielen essen, übernachten auswärts und haben viel Spaß. Anderswo habe ich das so noch nie erlebt“, versichert Rogusina.

Vor allem aber verfügt das Team trotz des jungen Durchschnittsalters über viel Spielpraxis und Routine. Küken Johanna Wiegand trainiert unter der Woche bis zu zehnmal im Internat in Düsseldorf und steht im Nationalmannschaftskader. „Viele Gegnerinnen sind zwar älter, aber wir trainieren viel häufiger. Das gibt Selbstvertrauen“, sagt die talentierte Rechtshänderin.

Sogar über Erfahrung an internationalen Tischen verfügen Rogusina und Katja Kiziuk (17). Rogusina, die aus der estnischen Industriestadt Narva stammt, seit fünf Jahren in Kassel lebt und deren Mops Emi das Team zu jedem Spiel begleitet, trat bei Europa- und Weltmeisterschaften für ihr Heimatland an.

Nationalspielerin wird aus der Ukraine eingeflogen

Ebenso wie Kiziuk. Die Ukrainerin studiert Medizin in Lemberg und wird für die Partien extra eingeflogen – im Amateur-Tischtennis durchaus nicht unüblich. Der Kontakt zur WM-Teilnehmerin kam über die ukrainische Nationaltrainerin zustande. Die 1200 Reisekilometer nach Göttingen stören die schüchterne Rückhandspezialistin nicht: „Die Liga in der Ukraine ist nicht so gut. Es motiviert mich, mit Torpedo aufzusteigen und dabei mein Deutsch zu verbessern.“

Ihre in Kassel wohnende Landsfrau Lidiia Iermeichuk (25) gehört ebenfalls zum Kader.

Glückt der Aufstieg in die 3. Liga, wäre das sportlich kein Quantensprung. „Wir würden da gut mithalten“, erwartet Tim Wiegand. Auf Teammanager Uli Kempe (45, „Idiot für alles“, wie er über sich sagt) käme mehr Arbeit zu. „Die Fahrten gehen dann nach ganz Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen“, so der Kasseler. Dass der Team-Etat von rund 6000 Euro aufgestockt wird, ist jedoch nicht geplant.

„Wenn sich ein Großsponsor fände, würden wir alles dran setzen, langfristig in die 1. Bundesliga aufzusteigen“, betont Trainer Wiegand. Dann verabschiedet er sich in die kleine Halle. Es duftet nach frischen Sandwiches. Nicht mehr als 15 Zuschauer stehen an die Betonwände gelehnt.

Von Rupert Fabig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
04.12.2016 - 19:30 Uhr

Überraschungsteam Eintracht Frankfurt hat beim FC Augsburg einen Dämpfer erlitten und den Sprung auf einen Champions-League-Platz verpasst.

mehr
Hardenberg Klassika Gartenmarkt