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Eine Begegnung, nach der es nur Gewinner gibt

Sport meets Music Eine Begegnung, nach der es nur Gewinner gibt

Es hat etwas von Jubel-Parteitag, als sich am Ende der Veranstaltung Sportler und Musiker die Bühne teilen: strahlende Gesichter, Harmonie, so weit das Auge reicht, nur noch Konfetti fehlt. Doch programmiert ist hier nichts. In der ausverkauften Stadthalle bei der Stadtsportbund-Gala Sport meets Music findet nach mehr als zweieinhalb Stunden und vor 900 begeisterten Zuschauern das zusammen, was nicht per se zusammengehört – Göttinger Sport und Göttinger Musik.

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Kombiniert: Zu Brahms’ Ungarischem Tanz Nr. 5 sehen die Zuschauer eine Balletteuse und ASC-Hip-Hop-Tänzer.

Quelle: Theodoro da Silva

Sport und Unterhaltung treffen bereits am späten Sonntagnachmittag vor den Türen der Stadthalle aufeinander, wo sich einige Sportvereine vorstellen: Athleten des ASC 46 werden von Kindern bestaunt, denn sie stellen Poweriser vor, eine Art elastische Stelze, die den Nutzer etwa 2,50 Meter groß werden lässt und ihm außerdem große Sprünge ermöglicht. Als Kontrastprogramm düst der Göttinger Clown Filu auf einem Mini-Fahrrad durch die erwartungsvolle Menge. Das Gefährt sei in der Waschanlage eingelaufen, erklärt er einem zu Recht skeptischen Knirps.

Dann heißt es: Licht aus, Spot an. Das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) unter seinem gut aufgelegten Leiter Christoph-Mathias Mueller macht sich und das Publikum mit einem Henry-Mancini-Medley locker. Beim „Rosaroten Panter“ schnipst das Publikum, animiert von Mueller, mit.

Es folgt so etwas wie der Einzug der Gladiatoren: Die Sportler präsentieren sich ein erstes Mal, später werden sie im Schlussbild noch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen. Inklusive des GSO stellen sich am Sonntagabend 200 Musiker und Athleten in den Dienst der guten Sache und erlösen einen Betrag von knapp 20 000 Euro, der zu gleichen Teilen an Jugendprojekte in Sport und Kultur geht.

Im mit Spannung erwarteten ersten Sportprojekt der Gala treffen Hip-Hopper des ASC und Brahms aufeinander. Als hätte der Klassiker seinen Ungarischen Tanz Nr. 5 extra für Hip-Hop-Künstler und eine Balletteuse des 21. Jahrhunderts geschrieben, gehen der lange verblichene Bartträger und die springlebendigen Stirnbandträger eine unerwartete Symbiose ein. Feurige Geigen und roboterhafte Bewegungen – heureka, das passt.
Rhönradturnerinnen des ASC reißen die Zuschauer mit Anmut, Kraft und Grazie zu Jubelstürmen hin, der Jacobi-Kirchenchor und das GSO untermalen die geschmeidigen Bewegungen mit dem Mondchor aus den Lustigen Weibern von Windsor. Parade und Riposte der ASC-Fechter setzen die Dynamik der Carmen-Suite Nr. 1 von Bizet bildhaft um. Ähnlich wenig zu tun mit Musik wie die Fechter haben sonst auch die Radballer des RV Möwe, die zu Duke Ellington Schüsse und und Pässe zeigen. Mueller und dem GSO gelingt es dabei, die ein wenig im Verborgenen schlummernde Schönheit der Sportart herauszuarbeiten.

Mit Tschaikowskys Schwanensee-Suite, umgesetzt vom ASC-Ballett, und dem Strauß-Walzer An der schönen blauen Donau, präsentiert von der Standardformation des Tanzsportteams Göttingen, hätten die Radballer wahrscheinlich ein bisschen mehr gefremdelt. Vor allem die Formationstänzer erhalten für ihre Darbietung donnernden Applaus, genau wie die mit Eltern-Fanclub angereiste Päda-Bigband aus Bad Sachsa, ein Schulorchester, das den Auftritt bei einem Wettbewerb gewonnen hat. Ihre Version der Simpsons-Titelmelodie reicht nah ans Original heran.

Ob Kaz-Akrobaten, die Hip-Hop-Dance-Academy mit ihrem sehr coolen und sehr gelungenen Auftritt zum Mission-Impossible-Soundtrack – alle geben ihr Bestes: die Moderatoren Andreas Lindemeier und Dennie Klose, die den ein oder anderen Witz einstreuen, sich aber keineswegs in den Mittelpunkt moderieren; die Comedy-Company, die endlich mal den Unterschied zwischen Wasserballett und Synchronschwimmen thematisiert; Ganz schön feist in grellbunten Joggingklamotten (Gitarrist Christoph Jess: „Rhythmische Sportgymnastik meets erotischen Ausdruckstanz“), die mit einem Dank an die Sponsoren enden: „Dass es diesen Abend gab, wo sich Sport und Musik paart.“

Sport meets music in der Stadthalle.

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Einem gilt besonderes Lob, und das zu Recht: GSO-Chefdirigent Mueller, künstlerischer Leiter des Abends, hat „die Herausforderung angenommen“ (Lindemeier), und er ist der „eigentliche Star“, wie der SSB-Vorsitzende Andreas Gruber betont. 900 Zuschauer und den Oberbürgermeister bringt der am Ende völlig durchgeschwitzte Schweizer zum Mitsummen des Gefangenenchors aus Guiseppe Verdis Nabucco. Das kraftvolle musikalische Schlussbild, ein Werk von Ginastera, wird schließlich vom GSO und den Sambatida-Trommlern des SC Hainberg gemalt. Die Zugabe stellt sich zu den Klängen von Carmen als bacchantisches Durcheinander dar – Hip-Hopper tänzeln, Standardtänzer stampfen, mittendrin eine Rhönradturnerin.

Als sich die Fechter mit Fechtergruß vom Orchester verabschieden, hebt ein Cellist ebenfalls seinen Bogen. Eine Zuschauerin juchzt und zeigt mit dem Finger auf die Begegnung. Sie zeigt auf ein Bild mit Symbolcharakter: Zusammen kann man viel erreichen. Hoffentlich auch eine Fortsetzung.

Von Eduard Warda

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Die Stadttombola lief am Ende schlecht, und viele empfanden den Losverkauf zugunsten von Göttinger Jugendprojekten als nicht mehr zeitgemäß. Der Stadtsportbund-Vorsitzende Andreas Gruber suchte nach einem neuen Konzept, und seit Sonntag hat Göttingen Sport meets Music. Die Premiere hätte kaum erfolgreicher sein können, sie hat gezeigt, dass der Kurswechsel richtig war.

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