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Erstauflage des Great Barrier Run in Göttingen

Rhythmusstörungen und hämmernder Puls Erstauflage des Great Barrier Run in Göttingen

450 abenteuerlustige Langstrecken-Läufer haben den ersten Göttinger Extrem-Hindernislauf am Uni-Sportzentrum absolviert. Auch Timo Holloway hat sich der Herausforderung des Great-Barrier-Run gestellt und berichtet aus Teilnehmersicht von seiner Grenzerfahrung.

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Voller Körpereinsatz gefordert: Timo Holloway quält sich durch das Hindernis „Dirty Bug“, das von den Teilnehmern als das tückischste bezeichnet wird.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Das hätte ich mir doch denken können: Beim Great-Barrier-Run laufe ich auf ein Drehkreuz zu, versuche, es in Gang zu setzen – doch es ist verriegelt. Beim Herüberklettern fällt der Groschen: „Logisch: Ein gewöhnliches Drehkreuz wäre zu banal gewesen, soll der Hindernislauf mich doch an meine Grenzen bringen.“ Und das Drehkreuz zählt noch nicht einmal zu den 15 Hürden, die wir auf dem fünf Kilometer lagen Kurs überwinden müssen: Strohballen erklimmen, Treppen steigen, Wasserrutschen nehmen und Baumstämme sowie Autoreifen tragen – all das wird von uns Akteuren gefordert.

 

 
Einen angenehmen Laufrhythmus zu finden, ist illusorisch. Es ist in etwa so, wie in einer Gruppe quengelnder Kinder Schlaf finden zu wollen – oder im Fußballstadion bei Derbyatmosphäre Tagebuch zu schreiben: Immer wieder wird man aus dem Konzept gebracht. Am deutlichsten beim Hindernis „Dirty Bug“, das von fast allen Teilnehmern als tückischstes bezeichnet wird: In einer Sandgrube ist durch ein Gitter in 30 Zentimetern Höhe der Raum nach oben stark begrenzt. Mit ganzem Körpereinsatz muss gerobbt werden. Während der Puls in die Höhe schießt, sammeln sich überall Sandkörner – aber davon werde ich erst im Ziel, nach gut 30 Minuten Laufzeit, etwas wahrnehmen.

 
Das Adrenalin steigt spätestens in der stimmungsvollen Startbox. Dort werden vor dem Startschuss Teamgeist und Respekt als zentrale Elemente des Events genannt. Man solle sich, wenn nötig, gegenseitig unterstützen, präzisierte Mitorganisator Mischa Lumme, und Respekt haben vor sich selbst, seiner Leistung – aber auch vor Gegnern und Hindernissen. Das wird an einer Stelle im Wald deutlich: Ganz eindeutig soll ein Baumstumpf überwunden werden. Es ist niemand in der Nähe, ich könnte außen herum laufen, Zeit und Kraft sparen, mal ansatzweise einen Rhythmus aufrecht erhalten. Doch der Sportsgeist gewinnt den Kampf, zum Glück.

 
Er verliert ihn aber wenig später, als niedrige Leichtathletik-Hürden zu überwinden sind. Ich denke, ich könnte über sie springen. Aber in Anbetracht der einsetzenden Erschöpfung vertraue ich meiner Sprungtechnik nicht mehr – und überschreite sie bloß gehend.

 

Erste Göttinger Hindernislauf "Great Barrier Run" am Sonnabend, 12. September 2015.

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Mit zunehmender Erschöpfung komplizierter wird auch das „Spinnennetz“, bei dem Seile in verschiedenen Höhen und Winkeln um Bäume gewickelt sind. Während man sich bei hämmerndem Pulsschlag abmüht, sich zielführend an den Seilen vorbeizuschieben und dabei den Eindruck nicht los wird, ziemlich grobmotorisch unterwegs zu sein, schreitet eine Spinne doch zumeist eher elegant über ihr Netz.

 
Manchmal muss ich an Hindernissen kurz Schlange stehen, manchmal gar ein Hindernis zurechtrücken. An einer Stelle laufe ich einen kleinen Umweg. Und manchmal gibt man – was das Organisationsteam freuen dürfte – ganz intuitiv Hilfestellungen. Man büßt einige Sekunden ein, ist dafür aber Teil der Gemeinschaft, die dasselbe Ziel verfolgt: den anspruchsvollen Lauf zu meistern.

 
Ein Musterbeispiel für den olympischen Gedanken und ein Highlight des Veranstaltungstages ist „Tobis wilde Horde“: Tobi absolviert als Geburtstagskind gemeinsam mit geschätzten 15 Kumpels den 15-Kilometer-Lauf, weiß aber bis kurz vor dem Start nichts von seinem Glück. Die Truppe trägt rote T-Shirts mit dem Teamnamen, macht während des Laufes immer wieder demonstrativ Liegestützen – und trägt mit dem Auftritt zur allgemeinen Erheiterung bei. Tobis Horde verdient Respekt, zelebriert sie das Event doch auf großartige Art und Weise.

 
Respekt zolle ich nach dem Lauf, während ich mir immer wieder Sand aus Ohren und Haar kratze, auch dem Mut und der Kreativität der Organisatoren, diesen neuen Weg gegangen zu sein. Und auch all jenen Teilnehmern, die zehn oder 15 Kilometer laufen und den Rundkurs deshalb zwei- oder dreimal absolvieren. Unverständnis empfinde ich hingegen gegenüber all den Joggern, die ich auf dem Heimweg beobachte: Natürlich beneide ich sie ein wenig um den ungestörten Rhythmus, mit dem sie unterwegs sind. Aber ganz gewöhnlich, ohne Hindernisse, durch Göttingen zu laufen? Nach der erfolgreichen Teilnahme am Great-Barrier-Run ist das wirklich eine sehr befremdlich Vorstellung.

 

WM-Teilnehmer Lemke triumphiert

 

Als Luisa Welp beim Great-Barrier-Run die Ziellinie überquert, stößt sie gleich mehrere Jubelschreie aus. Sie nimmt Applaus entgegen und eine Finisher-Medaille – und vor allem freut sie sich sichtlich, die Herausforderung gemeistert zu haben: „War das geil. Es hat richtig Spaß gemacht. Und unter Adrenalin schafft man viel mehr, als man sonst schaffen würde“, schwärmt die 24-Jährige. Sie hatte bei der Erstauflage des Hindernislauf am Uni-Sportzentrum die 15 Kilometer lange Strecke hinter sich gebracht – und dabei mehr als 40 Hindernisse überwunden.

 
Die Veranstalter waren mit der Premiere des Great-Barrier-Runs „mehr als zufrieden“, wie Mischa Lumme vom Organisationsteam verdeutlichte. „Für uns hatte das Event keinen Leistungssportgedanken. Vielmehr ging es um Spaß, um Teamgeist und Respekt“, sagte er. Dass der Mannschaftsgedanke nicht zu kurz kam, wurde immer wieder deutlich: Räuberleitern wurden gebildet, um auf Holztürme zu klettern. „Das klassische Im-Kreis-Laufen ist für die Masse heutzutage nicht mehr so interessant“, vermutete Sprecher Andreas Lindemeier, der am Mikrofon durch das Event führte. „Reizvoll wird dieser Lauf durch die Kombination aus Ausdauer, Kraft, Technik und Willensstärke.“ Den vielseitigen Hindernisparcours bezeichnete Lindemeier als tolle Bereicherung des bisherigen Göttinger Sportprogramms.

 
„Die Strecke war schon anspruchsvoll“, fand der Göttinger Chris Lemke, der sich aktuell auf die Weltmeisterschaften im Hindernislauf vorbereitet und über die Zehn-Kilometer-Distanz triumphierte. Der Reiz solcher Wettkämpfe liege für ihn „in der Abwechslung, der Kombination aus Kraft, Ausdauer, Technik“, sagte Lemke, der mit seiner Zeit von 48:01 Minuten Niklas Steffens (53:38) auf Rang zwei verwies. Die Frauenwertung gewann mit Cathrin Cronjaeger (58:50) ebenfalls eine Göttingerin vor Juliane Konrad (1:11:01).

 
Ungemein knapp fiel die Entscheidung auf der Kurzdistanz aus: Hier siegte Jens Schröder in 30:22 Minuten mit nur 0,6 Sekunden Vorsprung auf Martin Bruse und weiteren 0,4 Sekunden auf Horst Schröder (30:23). Schnellste Frau war Lara Sender (32:01).

 
Über 15 Kilometer gewann Martin Woda (1:17:04) vor Lutz Möhring (1:23:10) und Agata Krafczyk (1:25:47), die damit zugleich beste Frau war. Zweitschnellste war Jenny Reißner (1:35:29).

 
Luisa Welp blieb über die 15 Kilometer mit ihrer Zeit von 1:59:39 unter zwei Stunden und wurde somit zur drittschnellsten Frau ausgezeichnet. Interpretiert man ihre Jubelschreie im Zielbereich richtig, dann dürfte der folgende Hinweis von Mitorganisator Lumme Musik in ihren Ohren sein: „Wir wollen den Lauf 2016 auf jeden Fall erneut durchführen.“ th

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