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Freundlicher Empfang im „warmen Herz Afrikas“

Tour d‘Afrique Freundlicher Empfang im „warmen Herz Afrikas“

Hardy Grüne hat sich in das größte Abenteuer seines Lebens gestürzt. Mit 62 Radsportbegeisterten aus aller Welt mutet sich der 48 Jahre alte Göttinger die Tour d’Afrique zu, die von Kairo aus in 95 Tagesetappen über 11    953 Kilometer bis nach Kapstadt führt. Einmal wöchentlich schildert Grüne im Tageblatt seine Erlebnisse, Strapazen und Eindrücke auf einer der längsten und härtesten radsportlichen Herausforderungen der Welt.

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Freundlicher Empfang: Die Kinder in Malawi winken am Straßenrand den Tour-d‘Afrique-Teilnehmern zu.

Quelle: EF

Es sind vor allem die Beine, die es verraten. An Ober- wie Unterschenkel haben sich Muskelpakete herausgebildet, die ich an mir niemals zuvor gesehen habe. Mehr als 7000 Fahrradkilometer binnen zehn Wochen, fast 50000 Höhenmeter und ein ständiger Kampf mit Gegenwind, sandigem Untergrund oder steilen Anstiegen haben unsere konsumgeschädigten Körper in Sportlerbodys verwandelt.

Dass wir fit geworden sind, zeigen aber nicht nur die ungewohnten Muskelpakete, sondern auch unser gewachsenes Selbstvertrauen. Sorgten in den ersten Wochen knapp über die 100-Kilometer-Marke hinausgehende Tagesetappen noch stets für ein besorgtes und zweifelndes Grummeln, heißt es nun „Oh, das wird ein kurzer Tag, da bin ich früh im Camp“.

Insofern stellten die etwas mehr als 500 Kilometer, die wir in den letzten vier Tagen von unserem „Paradies“ am Malawisee bis in die malawische Hauptstadt Lilongwe überwunden haben, körperlich keine größeren Probleme dar. Selbst das wellige Terrain, auf dem wir erneut ordentlich Höhenmeter sammeln konnten, bereitete uns keine Sorgen. Höhepunkt war die Überquerung des 1954 Meter hohen Mount Mphamphala, der sich an jenem Morgen allerdings in ein dichtes Nebelkleid gehüllt hatte. Auf dem Gipfel konnte man die Hand kaum vor den Augen sehen, und uns wurde etwas Angst und Bange vor der Abfahrt, da wir auf unseren Rädern weder vernünftig sehen konnten noch vernünftig gesehen wurden. Doch direkt hinter dem Gipfel klarte es plötzlich auf, und die alsbald durchbrechende Sonne ließ uns endgültig frohen Mutes die Talfahrt genießen. Störend waren lediglich die malawischen Geschwindigkeitsblocker, die aus acht aufeinanderfolgenden, kleinen Asphalthöckern bestehen. Während Autos ungerührt in hohem Tempo rüberbrettern können, zwingen sie uns Radler zu gewagten Bremsmanövern und wecken böse Erinnerungen an die Wellblechpisten Nordkenias.

Malawi ist ein Land, das uns Rätsel aufgibt. Afrikas Parallelwelten zwischen Arm und Reich, die uns seit Äthiopien begleiten, scheinen hier in einem schwer zu durchschauenden Wirrwarr miteinander verbunden zu sein. Viele Orte sehen wirklich heruntergekommen aus. Die Läden sind geschlossen oder leer, auf den Märkten gibt es kaum etwas zu kaufen (derzeit vor allem Tomaten und Kürbisse), die Hütten sind ärmlich und haben häufig nicht einmal Fenster und die Menschen tragen zerschlissene oder zerrissene Kleidung. Gleichzeitig finden sich in jedem größeren Ort aber mindestens drei hochmoderne Banken mitsamt 24-Stunden-Geldautomaten, die von bewaffneten Soldaten bewacht werden.

Während ich meine Zweifel habe, ob die örtliche Bevölkerung die Rund-um-die-Uhr-Finanzbetreuung wirklich in Anspruch nehmen kann, bin ich mir bei den Besitzern der wenigen Fahrzeuge auf Malawis ausgezeichneten Straßen sicher. Dabei handelt es sich nämlich zumeist um nagelneue vierradangetriebene Land Rover, deren Fahrer in rücksichtslosem Tempo über die Straßen heizen. Korruption und Missmanagement sollen in Malawi übrigens weit verbreitet sein.
Gearbeitet wird hier vornehmlich mit den Händen. Auf dem Anstieg zum Mount Mphamphala sah ich Männer dicke Bäume ausschließlich mit Äxten und Sägen fällen. Das Gras neben der Straße wird von Jugendlichen mit Sensen geschnitten und die Bauern verrichten ihre Feldarbeit ausnahmslos mit der Hand. „Arbeitskraft ist billig in Afrika“, las ich passenderweise in Paul Theroux’ unterhaltsamen Reisebericht „Dark Star Safari“. Zugleich sind die Malawier unglaublich freundlich und enthusiastisch, wenn wir ihre Dörfer passieren. Das gilt nicht nur für die Kinder, auch die Erwachsenen winken fröhlich, lachen uns an oder geben uns ein „thumbs up“. Nicht umsonst gilt Malawi als „das warme Herz Afrikas“.

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In Duderstadt und Weende

Hardy Grüne, Sportjournalist und Buchautor aus Langenhagen bei Duderstadt, hat die Tour d’Afrique 2011 am eigenen Leib erlebt. Jetzt hat er auf knapp 300 fesselnden Seiten seine Eindrücke zusammengefasst. Am Freitag um 19 Uhr stellt er sein Buch in Duderstadt bei Fahrrad Beckmann (Marktstraße) vor, am Dienstag um 19 Uhr im Vereinsheim von Tuspo Weende (Springstraße).

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