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Zum Sieg ein Muttertagskuss

Frühjahrsvolkslauf 2017 in Göttingen Zum Sieg ein Muttertagskuss

Sie sind Trainingspartner, Freunde und haben beim Frühjahrsvolkslauf für die spannendste Entscheidung gesorgt. Nur eine Sekunde trennte Jasper Cirkel und Ahmad Mahmud über die fünf Kilometer. Das spektakuläre Finish tröstete darüber hinweg, dass mit 3508 Aktiven der Rekord von 3800 Teilnehmern verfehlt wurde.

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Jasper Cirkel (rechts) und Ahmad Mahmud

Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Göttingen. „Auf dem letzten Kilometer ist Ahmad mächtig aufgekommen“, sagt Cirkel, der seinen Sieg-Hattrick seit 2015 damit vollendet. Das bessere Stehvermögen sichert ihm letztlich den Triumph über seinen Mannschaftskameraden von der LG Göttingen, der vor zwei Jahren aus dem Sudan nach Deutschland geflüchtet ist. „Einen besonderen Preis“ erhalte der Seriengewinner dafür, verkündet der gewohnt eloquente Moderator Frank Neumann - es ist Cirkels Studentenausweis, den er im Jahnstadion verloren hatte.

Göttinger Frühjahrvolkslauf 2017

©Alciro Theodoro da Silva

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Wo eine Serie hält, reißt eine andere. Erst zum zweiten Mal in den vergangenen neun Jahren heißt der Champion über die zehn Kilometer nicht Florian Reichert. „Meine Ziele sind ganz andere, für mich steht die Berglauf-Weltmeisterschaft im August im Fokus. Vor einer Woche bin ich erst einen Marathon mit 1100 Höhenmetern gelaufen“, erklärt der trotz Platz vier breit strahlende Lehrer des Theodor-Heuss-Gymnasiums. Reichert war bereits seit 8 Uhr vor Ort, um die Schüler-Rennen zu betreuen. „Für mich war das heute ein Trainingslauf.“

Exakt das Gleiche betont kurioserweise der erstplatzierte Leif Gunkel von der LG Olympia Dortmund. „Nachdem ich mir vor vier Wochen die Schulter ausgekugelt habe, wollte ich heute wieder reinkommen, einen Schnitt von 3:20 Minuten pro Kilometer laufen. Aufgrund der Wärme hat das nicht geklappt. Bei der Deutschen U23-Meisterschaft sollte das aber klappen“, so der 21-Jährige. Auf der Strecke hatte Gunkel nicht nur mit der Temperatur zu kämpfen: „Ich war ständig kurz davor, falsch abzubiegen. Zum Glück ist am Schluss ein Fahrrad vor mir gefahren.“

Mit Rädern kennt sich Anouk Maurer aus. Genauer gesagt: mit denen am Kinderwagen. Das Training mit dem Baby-Jogger ist verantwortlich, dass die aus der Nähe von Gent stammende und für die Göttinger Werkstätten startende Belgierin neun Monate nach der Geburt des kleinen Rasmus auf der Halbmarathon-Distanz wieder in Bestform ist. Noch mehr als über ihren Sieg freut sich Maurer nach 1:35:10 Stunden über das Muttertagsküsschen - „und die Duschen auf der Strecke, die haben gut getan“.

Nass werden am Morgen auch die Bambini und Schüler. Es regnet in Strömen. „Die Kinder tun mir Leid“, sagt Cheforganisator Steffen Tiedtke von der Betriebssportgruppe der Sparkasse. Das Wetter sei vermutlich der Grund für den verpassten Teilnehmerrekord. „Trotzdem war es eine super Veranstaltung, wir sind nah am Optimum.“ Zumal sich Tiedtkes Arbeitskollegen als gute Gastgeber präsentieren. Bei der Staffel zieht sich Startläuferin Christa Langer einen Muskelfaserriss zu, und ihre Vorstandskollegen André Schüller, Rainer Hald, Steffen-Peter Horn und Axel Rümenap laufen trotz Aufholjagd nur als Drittletzte ins Ziel. „Bei der ­eigenen Veranstaltung zu gewinnen, gehört sich schließlich auch nicht“, erläutert Rümenap.

Für Fitschen läuft‘s

Er solle sich bloß nicht verausgaben. „Nicht, dass die Luft am Mikrofon anschließend fehlt“, warnt Moderator Frank Neumann seinen Co-Kommentator Jan Fitschen. Die Sorge ist unbegründet. Fitschen lässt‘s über fünf Kilometer locker angehen. „Wahrscheinlich bin auf Platz 327 gelandet.“

Jan Fitschen

Jan Fitschen

Laufen ist Fitschens große Leidenschaft. Europameister ist er geworden, 28-mal Deutscher Meister. Auch nach seinem Karriereende bestimmt der Sport das Leben des 40-Jährigen. Vor zwei Jahren hat er ein Buch geschrieben: „Wunderläuferland Kenia“. Das vermarktet Deutschlands erfolgreichster Langstreckenläufer der vergangenen zwei Dekaden seitdem, ist im Auftrag seiner Sponsoren viel unterwegs. „Heute habe ich mehr Sponsoren als zu meiner aktiven Zeit“, sagt Fitschen. Er sei häufiger bei Lauf-Events als früher: als Moderator, TV-Experte und gelegentlich Aktiver. Fitschen wirkt sehr glücklich und erfüllt. „Ich genieße meine Arbeit. Sie macht richtig Laune.“
Ein- bis zweimal wöchentlich laufe er noch. „Sechs Kilo sind schon drauf“, erzählt Fitschen, ein unkomplizierter Typ, und lacht. Bei Volksläufen gehe es nicht mehr um den Sieg. „Ich mache mir keinen Stress und laufe schnell, sondern treffe auf der Strecke Freunde und habe Spaß mit ihnen.“ Die Läuferwelt sei klein, man kenne sich. „Hey Jan, wie sieht‘s aus?“, ruft ihm in Göttingen ein Athlet zu, den Fitschen zuletzt bei einer Veranstaltung in Zürich getroffen hat. Wäre der Sieg drin gewesen, wenn er sich bemüht hätte – immerhin liegt seine 5000-Meter-Bestzeit bei 13:14 Minuten? „Ich weiß nicht“, weicht Fitschen grinsend aus.
Schnell muss der Vater der eineinhalbjährigen Ronja am Sonntag nur auf dem Heimweg nach Mettmann sein. Die Schwiegereltern sind zu Besuch.

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23.10.2017 - 13:03 Uhr

Er war beim 1. SC Göttingen 05 nie ganz weg, aber nun ist er wieder da auf der Trainerbank. Seit der ehemalige litauische Nationalspieler Arunas Zekas die B-Junioren der 05er trainiert, gab es in zwei Spielen zwei Siege. Im Niedersachsenliga-Heimspiel wurde der MTV Treubund Lüneburg mit 1:0 bezwungen.

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