Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Gigantischer Ausblick in Schlucht des Blauen Nils

Tour d’Afrique Gigantischer Ausblick in Schlucht des Blauen Nils

Hardy Grüne hat sich in das größte Abenteuer seines Lebens gestürzt. Mit 62 Radsportbegeisterten aus aller Welt mutet sich der 48 Jahre alte Göttinger die Tour d’Afrique zu, die von Kairo aus in 95 Tagesetappen über 11    953 Kilometer bis nach Kapstadt führt. Einmal wöchentlich schildert Grüne im Tageblatt seine Erlebnisse, Strapazen und Eindrücke auf einer der längsten und härtesten radsportlichen Herausforderungen der Welt.

Voriger Artikel
Im eigenen Verein ist Sport am schönsten
Nächster Artikel
Sommermärchen 2.0

Verschnaufpause: Hardy Grüne auf dem Weg in das 3211 Meter hoch gelegene Gonder.

Quelle: EF

Wir waren gewarnt worden. „Ihr werdet in Äthiopien eine Menge Berge erklettern müssen“, hatte uns Steve, einer unserer Truckdriver, schon im Sudan grinsend versichert. Steve musste es wissen, schließlich kennt der Südafrikaner den Kontinent wie seine Westentasche.

Und tatsächlich sollten wir in Äthiopien sämtliche Tour-Highlights in Sachen Bergfahren verbuchen: die mit über 2500 Höhenmetern schwerste Etappe der gesamten Tour (hin-auf nach Gonder), den mit 3211 Metern höchsten Punkt, den wir auf dem Weg nach Cape Town überqueren werden und mit der Blue Nile Gorge den möglicherweise schönsten Abschnitt des gesamten Trans-Afrika-Abenteuers.

Die Schlucht des Blauen Nils zählt traditionell zu den spektakulären Höhepunkten der Tour d’Afrique, und für uns war es ein ebenso atemraubendes wie schweißtreibendes Abenteuer. Wir waren auf etwa 2400 Metern über Meereshöhe, als wir die Kante der Schlucht erreichten und uns in eine geradezu wahnwitzige 20-Kilometer-Abfahrt stürzten. Während der rasanten Talfahrt auf einer serpentinenreichen und von Schlaglöchern sowie Geröllsplitt übersäten Piste überholten wir bei 60 und mehr Stundenkilometern diverse Lkw und genossen eine fantastische Aussicht auf das gesamte Tal.

In der auf 1100 Metern gelegenen Senke angekommen, wartete bereits die nächste Herausforderung: Nun ging es über die gleiche Distanz wieder bergauf, um auf den Höhenkamm zurückzukehren. Die Aufgabe war unerbittlich. Gleich die erste Rampe streifte die Zehn-Prozent-Marke, die wir auf den folgenden 20 Kilometern nur selten aus den Augen verloren.

Um der ganzen Angelegenheit zusätzliche Schärfe zu verleihen, hatten die Tour-d’Afrique-Organisatoren zudem ein Bergzeitfahren angesetzt, was vor allem die Rennfahrer unter uns elektrisierte. Etwas mehr als 1:20 Stunden brauchte der Sieger (Horst Schlenker aus Rottweil), während wir Normalos uns zwischen zwei und drei Stunden in praller Sonne abquälten, wobei diverse Stopps zum Atemholen sowie Fotos der spektakulären Aussicht schießen die Fahrzeit zusätzlich verlängerten.

Als wir tags darauf sogar auf 3211 Meter hinaufkletterten, hatten wir das Dach der Tour erreicht. Viele japsten angesichts der dünnen Luft nach Atem, zumal sich auch dieser Anstieg unnachgiebig gezeigt hatte. Doch die Belohnung folgte auf dem Fuße: mit einem gigantischen Ausblick über jenes Hochland, aus dem viele der berühmten äthiopischen Marathonläufer kommen.

Insgesamt stehen die meisten von uns Äthiopien mit etwas gemischten Gefühlen gegenüber. Steinwürfe von Kindern sind weiter an der Tagesordnung, und das Chaos auf den Straße ist schier unbeschreiblich. Vor allem auf Abfahren muss man ständig die Augen offen halten, weil quasi aus dem Nichts plötzlich ein Esel oder eine Kuh auftauchen kann. Ein Teilnehmer kollidierte in einer solchen Situation mit einer Kuh, kam aber glücklicherweise mit ein paar Schrammen davon (die Kuh ebenfalls).

Für Verwirrung sorgt derweil Sarge, ein dunkelhäutiger Radler aus Trinidad-Tobago, der Äthiopiens Jugend offenbar vor Rätsel stellt. Während wir Weißen stets mit „you, you“ begrüßt werden, fragen sie ihn völlig verwirrt: „you, you, why you black?“

Mit der Fahrt in die Hauptstadt Addis Abeba endete dann der zweite Abschnitt der Tour d’Afrique. Nach sechs Wochen ist zwar vieles Routine, doch es erstaunt, wie anpassungsfähig die menschliche Natur ist. Dass uns im abendlichen Lager weder Toiletten noch Duschen zur Verfügung stehen, nehmen wir inzwischen längst mit stoischer Gelassenheit hin und freuen uns auf den nächsten freien Tag, an dem Körper und Seele gepflegt werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Alle Verein der 1. Bundesliga im Quotenvergleich von SmartBets.
21.09.2017 - 21:52 Uhr

Bezirksliga: Bovenden gastiert zum Sechs-Punkte-Match / BW Bilshausen empfängt Göttingen 05

mehr
Burgturnier 2017: Highlights aus drei Tagen