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Glaubwürdigkeit und Akzeptanz erhalten

Göttinger zu Dopingskandal in Russland Glaubwürdigkeit und Akzeptanz erhalten

Am 5. August beginnen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Nach der Veröffentlichung des McLaren-Reports, der die Dopingpraktiken Russlands enthüllt, wird es spannend, ob die russische Mannschaft komplett suspendiert wird.

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Nachgewiesen gedopt, aber noch nicht sanktioniert: Die Entscheidung, ob eine russische Mannschaft in Rio de Janeiro starten wird, ist vertagt.

Quelle: Patrick Seeger/dpa

Göttingen. Eine Entscheidung fällt wahrscheinlich erst am Donnerstag. Göttinger Sportfunktionäre, Sportler und Wissenschaftler haben dazu ihre eigene Meinung.

Petra Reußner

Petra Reußner

Quelle: r

Die Bezirksgruppe Südniedersachsen der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) hat sich uneingeschränkt dem Fairness-Gedanken verschrieben. „Und zu einem fairen Sport gehört es nun einmal, keine unerlaubten Mittel zu nehmen“, sagt deren Vorsitzende Petra Reußner. Thomas Bach werde unglaubwürdig, wenn er jetzt einen Rückzieher mache. Dass so eine Entscheidung des IOC am Ende auch Athleten treffe, die sauber sind und mit den Doping-Praktiken nichts zu tun haben, könne „leider immer passieren“.

Für Reußner wäre eine Suspendierung der russischen Mannschaft auch dahingehend wichtig, der schwindenden Akzeptanz der Bevölkerung für Großveranstaltungen entgegen zutreten. Korruption, Glaubwürdigkeitsverlust und Terror seien schon jetzt die Kritikpunkte, eine laxe Einstellung zu systematischem Doping seitens der Verantwortlichen würde Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften noch weiter in Frage stellen. Als „verlogen“ bezeichnete Reußner die Schnellschüsse des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der angekündigt und inzwischen auch vollzogen hat, dass Funktionäre, die in dem Bericht der Welt-Amti-Doping-Agentur (WADA) als direkt Beteiligte genannt werden, bis zum Ende der Untersuchungen suspendiert werden sollen.

Neele Eckhardt

Neele Eckhardt

Quelle: r

Göttingens Top-Dreispringerin Neele Eckhardt hat zwar die Olympia-Qualifikation um wenige Zentimeter verpasst, der McLaren-Bericht mache sie aber sehr betroffen. „Das einzig Richtige ist der Ausschluss Russlands“, betont die LG-Athletin. Schwierig findet sie die sich anschließende Diskussion, wann Russland wieder teilnehmen dürfe. „Man wird abwarten müssen, ob sich die Mentalität ändert. Das schätze ich als schwierig ein, wenn man in solch einem System sozialisiert wurde“, so die Jura-Studentin. Sie selbst müsse als deutsche A-Kader-Athletin täglich berichten, wo sie ist und wo sie schläft. Die Kontrollen befürwortet sie, allerdings schränke die Tatsache, eine gläserne Athletin zu sein, ihre Freiheit enorm ein. „Ich wünsche mir da einfach Gerechtigkeit. Aber der Glaube, einmal an einem internationalen Wettkampf mit der Gewissheit teilzunehmen, dass kein Athlet gedopt ist, wäre naiv“.

Dr. Arne Göring

Dr. Arne Göring

Quelle: r

Für Dr. Arne Göring, stellvertretender Leiter des Göttinger Hochschulsports und Verfasser zahlreicher sportgesellschaftlicher Studien, ist ein Ausschluss einer Nation immer auch ein substanzieller Verlust für die olympische Bewegung. Er betont allerdings die gesellschaftliche Verantwortung der Organisatoren von Großveranstaltungen und stellt die Frage: „Ist die Wertvorstellung des Sports bezüglich leistungssteigender Substanzen in unserer heutigen westlichen Kultur noch zu halten?“ Denn das Thema Selbstoptimierung sei in unserer Gesellschaft fest verankert. Und damit vielfältige Formen der Leistungssteigerung. Das fange bei Energy-Drinks zum Aufputschen an und höre bei Medikamenten zur Stimmungsregulation auf. „In Studien geben bis zu fünf Prozent der Studierenden an, Medikamente zu nehmen, um ihr Studium besser bewältigen zu können. Sind wir nicht längst zu einer Gesellschaft von Dopern geworden? Ich will damit in keiner Weise legitimieren, was in Russland, aber auch in Deutschland, man denke an die Freiburger Sportmediziner in den 90er Jahren, passiert. Aber es ist zu einfach, die Schuldfrage zu externalisieren.“

Von Kathrin Lienig und Mark Bambey

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