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Große Integrationserfolge auf kleinem Feld

Groner Mädchengruppe Große Integrationserfolge auf kleinem Feld

Vielleicht ist es einfacher, einen Sack Flöhe zu hüten. Wer jedoch etwas für die Integration tun will, muss eine Menge investieren. Wie die Trainer und Betreuer eines Fußballcamps für 6- bis 14-Jährige in Barsinghausen, an dem 16 Gruppen – unter ihnen eine Göttinger Vertretung unter Beteiligung des FC Grone – teilgenommen haben. Das Motto: „Kleines Feld – große Leidenschaft.“ Viele Teilnehmer hatten einen Migrationshintergrund.

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Anschaulicher Unterricht: NFV-Trainer bringen dem Nachwuchs das Einmaleins des Fußballs bei.

Quelle: EF

Eingeladen hatte der Niedersächsische Fußballverband (NFV) Standorte von Minispielfeldern, die in den vergangenen Jahren vom DFB eingerichtet worden sind. In Grone steht ein solches an der Astrid-Lindgren-Schule. Auf ihm kicken Schüler und nachmittags Kinder aus Grone.

Übungsleiter des FC bieten hier vor allem Mädchen, die mehrheitlich einen Migrationshintergrund haben, die Möglichkeit zum Fußball. „Es gibt ein großes Potenzial an Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren, die gern Fußballspielen, von den Jungs aber oft zur Seite geschoben werden“, berichtet FC-Jugendleiter Bodo Scheuing, der die momentan heiß diskutierte Integrationsproblematik bei den FC-Junioren regelmäßig aus nächster Nähe erlebt. „Vielleicht verirrt sich mal ein Vater zum Training. Angebote, sich zu beteiligen, werden abgeblockt. Es gibt da eine gewisse Schüchternheit, weil man die Kultur nicht beherrscht“, sagt Scheuing, der vor einigen Jahren aus Grone-Süd weggezogen ist. Er habe sich schlichtweg nicht mehr mit seinen Nachbarn verständigen können.

Zehn der Mädchen, die regelmäßig auf dem Groner Minispielfeld trainieren, sagten für das NFV-Camp in Barsinghausen zu. Zuvor musste der FC jedoch bei den Eltern Überzeugungsarbeit leisten, um die von den Kindern heiß ersehnte Unterschrift des Vaters oder der Mutter auf der schriftlichen Erlaubnis zu erhalten. Es wurde an alles gedacht – der NFV bereitete sogar ausschließlich Gerichte ohne Schweinefleisch zu.
Die zehn Groner Mädchen waren nach Ballschule, Geschicklichkeitsparcours, Spielen und abschließender Siegerehrung begeistert. Nun ist ein jährlich stattfindendes, reines Mädchencamp des NFV in der Diskussion. „Man muss die Kinder von der Straße zum Sport bringen“, ist Scheuing überzeugt.

In Grone zog das Projekt positive Nebeneffekte nach sich: „Die Eltern haben sich entschlossen, die Kinder außer Haus zu geben und ihnen dadurch die Möglichkeit zur Integration eröffnet“, sagt Scheuing im Rückblick auf die Erlaubnis zur Teilnahme am Camp. Zweitens habe man endlich Kontakt zu den Eltern herstellen können. Vor kurzem lud der FC zu einem gemeinsamen Abschlussabend, und nachdem Scheuings designierter Nachfolger Sven Mußmann Einladungen persönlich vorbeigebracht hatte, nahmen sämtliche Väter und Mütter teil. Es gab – Pizza.

Von Eduard Warda

Kommentar von Eduard Warda

Seit Thilo Sarrazins steilen Thesen ist die Integrationsdebatte in Deutschland in vollem Gang. Gefahndet wird momentan nach dem Schuldigen an der Integrationsmisere: Konservative sehen in einem grenzenlosen Multi-Kulti-Traum der politischen Linken die Wurzel allen Übels, die Grünen beschuldigen die politische Rechte, die real stattfindende Einwanderung verdrängt und zu lange einer Schimäre, der Rückkehr der ehemaligen Gastarbeiter in ihr Heimatland, nachgehangen zu haben. Bis ein neues Konzept ersonnen ist, dürfte noch einige Zeit vergehen. Doch in der Zwischenzeit macht das Zusammenleben keine Pause. Umso wichtiger sind Projekte, die sich im Hier und Jetzt praxisnah der Probleme annehmen.
Wie Integration funktionieren kann, hat das Fußballcamp in Barsinghausen unter Beweis gestellt. Kinder mit und ohne Migrationshintergrund kamen zusammen. Es wurde gedribbelt und gequatscht, gegessen und gelacht. Die Nachwuchsfußballer fühlten sich wie eine Gemeinschaft. Aber auch vor Ort, in den Standorten der DFB-Mini-spielfelder, war der Nutzen des Camps zu spüren. In Grone gelang zum ersten Mal die Kontaktaufnahme mit den Eltern. Ein erster Schritt an der Basis ist also möglich. Die Politik muss nun dringend den wichtigen zweiten tun.

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