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Handball-Drittligist Northeimer HC will Klassenverbleib

„Sportlich und finanzieller Quantensprung“ Handball-Drittligist Northeimer HC will Klassenverbleib

Nach drei Vize-Meisterschaften haben die Männer des Northeimer HC (NHC) im Frühsommer den Aufstieg in die 3. Handball-Liga perfekt gemacht. Gerade einmal drei Jahre nach der Neugründung ist der Klub im Profigeschäft angekommen, hat inzwischen aber erfahren müssen, dass dort ein rauer Wind weht. Die Rückrunde hat der Aufsteiger als Drittletzter auf einem Abstiegsplatz beendet.

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Gehört zu den erfolgreichsten Rückraumspielern des Northeimer HC: Kai Effler (Mitte).

Quelle: EF

Northeim. Diese Tatsache treibt dem Vorsitzenden Knut Freter keine Sorgenfalten auf die Stirn. „Die Mannschaft hat es verdient dort zu spielen.

Die Spieler, die aufgestiegen sind, sollten auch in der dritten Liga spielen. Sie sind inzwischen angekommen, haben sich weiterentwickelt“, setzt Freter auf die Rückrunde und hofft für die junge Mannschaft (Durchschnittsalter 22 Jahre) auf den Klassenverbleib. „Uns fehlt einfach die Tiefe auf der Bank. Die Leistungsträger müssen durchspielen und dürfen sich nicht verletzen.“

Er bezeichnet den Aufstieg als „einen sportlichen und finanziellen Quantensprung“. Durch einen nicht unerheblichen Gehaltsverzicht aller Spieler sei das Projekt 3. Liga schließlich realisierbar geworden. Neuverpflichtungen kamen aus der A-Jugend-Bundesliga aus Magdeburg, teure ausländische Akteure  standen vor Saisonbeginn nicht zu Disposition.

Stimmung mit 400 Zuschauern

Eine verlässliche Konstante sind die Zuschauer, die der Mannschaft trotz der anfänglichen Misserfolge treu geblieben sind. Sie bringen nicht nur fest einkalkuliertes Geld in die Kassen, sondern sorgen auch für Stimmung in der mit gut 400 Zuschauern meist voll besetzten Schuhwallhalle.

Die Wirtschaftlichkeit des Projekts 3. Liga hat für den Vorstand absolute Priorität. Ständig vorangetrieben wird die Suche nach Sponsoren, wenngleich die großen Firmen sich weitgehend zurückhalten. „Northeim schafft sich selbst ab. Sponsoring zahlt sich aus, wenn man bedenkt, dass wir inzwischen auch in Hessen, Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt unterwegs sind. Attraktive Vereine erhöhen die Attraktivität einer Stadt“, kritisiert Freter.

Der Etat für die Herrenmannschaft hat sich im Vergleich zur Vorsaison versechsfacht, vor allem die Kosten im administrativen Bereich (Auswärtsfahrten im Reisebus, Schiedsrichter aus dem gesamten Bundesgebiet). „Wir haben uns im Sinne unseres Konzeptes Auflagen erteilt. Es werden keine Schulden gemacht, es wird kein finanzielles Risiko eingegangen. Vor allem soll der Jugendspielbetrieb nicht darunter leiden“, sagt 61-jährige Freter, der den Nachwuchsbereich als wichtigste Säule des dreiteiligen NHC-Konzeptes bezeichnet.

Entscheidungen auf dem Prüfstand

„Alle Entscheidungen werden im Zeichen dieses Konzeptes auf den Prüfstand gestellt. Dennoch handeln wir dynamisch.“

Neben der wirtschaftlichen Stabilität („Schwarze Null“) und der sportlichen Entwicklung arbeiten die Northeimer vor allem im Kinder- und Jugendbereich akribisch. Immer wieder ist der Verein in Schulen und Kindergärten präsent, großes Augenmerk wird vor allem auf die Ausbildung der Übungsleiter gelegt.

Demnächst startet die vierteilige Qualifizierungsmaßnahme ViTa (Vereinsinterne Trainerausbildung), bei der die gut 20 lizenzierten NHC-Nachwuchstrainer intern geschult werden. „Wir wollen Alleinstellungsmerkmale schaffen, diese Schulungen sind ein Teil davon“, sagt Freter, der sich wünscht, dass die A-Jugend-Mannschaften des Vereins in einigen Jahren Oberliga-Niveau haben.

Er weiß aber auch, dass viel Arbeit dahinter steckt und ein langer Atem notwendig ist, um das Ziel mittelfristig zu erreichen. „Wir wollen Handball-Hochburg in Südniedersachsen werden. Ohne Ziele kommt es zur Stagnation.“

Kommentar: Realistisch und visionär

Der Northeimer HC (NHC) ist ein Erfolgsmodell mit Vorbildcharakter. Ein junger Verein, mit keinesfalls neuen, allerdings klar definierten Strukturen – aber ohne Altlasten.

Das Vorstandsteam hatte einen optimalen Start ohne Schatten aus der Vergangenheit, dafür aber mit vielen Ideen für die Zukunft. Wenn sich dann in verantwortungsvoller Position noch Leute finden, die weder durch jahrelange Vereinsarbeit verbraucht, noch unter Druck zu diesen Posten gekommen sind, ist viel möglich – oft auch nur in kleinen Schritten.

Zumal dann, wenn die Jugendarbeit als zentrale Säule der Vereinsarbeit betrachtet wird. Kinder wachsen über Jahre in den Sport hinein, müssen bei der Stange gehalten werden, um als erwachsene Sportler an einer Erfolgsgeschichte mitschreiben zu können. Sie müssen geduldig sein, genauso wie die Verantwortlichen.

Der NHC stellt das am höchsten spielende Herrenteam in der Region mit Spielern aus der Region – und arbeitet penibel am optimalen Unterbau. Seriös, ohne finanzielle Risiken, aber mit viel Selbstbewusstsein. Der Verein entwickelt sich insgesamt durch das Erreichen der 3. Liga weiter, die unter dem Dach des Deutschen Handball Bundes organisiert wird.

Von dort gibt es viele Impulse. Nicht alle potenziellen, regionalen Sponsoren haben den Wert eines intakten Vereins bislang erkannt. Dabei sichern gerade expandierende Klubs mit Visionen Lebensqualität vor Ort.

Kathrin Lienig

Kathrin Lienig

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