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Hardy Grüne am „Ende der Welt“

Teilnehmer erreichen nach viereinhalb Monaten das Ziel Hardy Grüne am „Ende der Welt“

„The Andes Trail“ ist eines der längsten und verrücktesten Radrennen der Welt. Mit dabei ist der Göttinger Fußball-Experte Hardy Grüne, der über sein Abenteuer quer durch Südamerika berichtet – zum Abschluss der Serie von der herbeigesehnten Zielankunft.

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Hardy Grüne aus Langenhagen bei Duderstadt hat in Ushuaia beinahe 11 000 Kilometer in den Beinen.

Quelle: EF

Patagonien. Nach viereinhalb Monaten und nahezu elftausend Kilometern lag es plötzlich zu unseren Füßen: das große Ziel, das Ende des Abenteuers, das Ende der Welt. Ushuaia, die südlichste Stadt auf der Erdkugel.

Der Weg dorthin war beschwerlich und voller Entbehrungen und Herausforderungen. Kaum hatten wir die Grenze nach Patagonien überschritten, nahm unsere Radexpedition noch einmal deutlich an Schärfe zu. Denn Patagonien tischte ordentlich auf und präsentierte uns sein gesamtes Wetterspektrum.

Nur eine Kontinuität gab es im stetigen Wechsel zwischen Regen und Sonne, milden und kalten Tagen: den scharfen Westwind, der uns als ständiger Begleiter so manches Mal gehörig den Tag verdarb. Vor allem in der flachen Pampa tobte er mit schier unbeugsamer Macht und stellte sich unserem Radelkorso entweder frontal in den Weg oder blies uns als Seitenwind wortwörtlich von der Piste.

So wurden selbst aus vermeintlich leichten und kurzen Tagen mit weniger als 100 Kilometern mitunter regelrechte Horroretappen, kämpften wir uns mehr als einmal im Schneckentempo in ein Ziel mitten in der Einsamkeit der Pampa, das weder Dusche noch Toilette und schon gar nicht ein kaltes Bier bereit hielt. Patagonien ist wahrlich nichts für Warmduscher.

Das gilt auch für die mentalen Herausforderungen in einer schier endlosen, farb- wie konturlos wirkenden Pampa. Die stundenlange Kurbelei auf schnurgeraden Pisten und durch einsame Landschaften erwies sich als herausfordernde Konfrontation mit dem gefürchteten „inneren Schweinehund“.

Der meldete sich nämlich immer just dann mit der Frage „Warum tue ich das“, wenn der Wind mal wieder tüchtig blies und die nach vier Monaten auf dem Rad spürbar ermüdete Moral gerade im Keller war. Hinzu kamen die Einsamkeit der Region und die damit verbundenen Versorgungsschwierigkeiten.

So kamen wir auf Passagen von bis zu neun aufeinanderfolgenden Radeltagen, in denen wir bestenfalls Örtchen mit einer Handvoll Einwohner oder einsam gelegene Estancias zu sehen bekamen, verbrachten im gesamten November lediglich drei Tage nicht auf den Rädern.

Klare Seen und schwierige Schotterpisten

Neben all den Wetter- und Windunbillen schenkte uns Patagonien aber auch reichlich bewegende Momente in erstaunlichen Landschaften. Im Lake Distrikt versüßten wundersam klare Seen die Etappen auf schwierigen Schotterpisten. Im chilenischen Teil pedalierten wir an mächtigen Gletschern vorbei und durchquerten aufregende Regenwaldgebiete. Auf Feuerland flogen wir im starken Westwind regelrecht von Pazifik zu Atlantik.

Zugleich war es eine Spazierfahrt durch die wechselvolle Vergangenheit einer Region, die einst als das letzte unentdeckte Fleckchen Erde galt. Im argentinischen Trevelin wurden wir von einem Ortsschild mit walisischer Aufschrift begrüßt, das chilenische Örtchen Puyuhuapi entpuppte sich als ursprünglich von Sudetendeutschen gegründete Gemeinde, in der es das nach deutschem Reinheitsgebot gebraute „Hopperdietzel“ zu kaufen gab.

Aufholjagd endet mit falschem Abzweig

Nebenbei fesselte ein spannender Schlussspurt um den Gesamtsieg zwischen dem US-Amerikaner James Hodges und dem Oberschwaben Alfred Mähr die Gemüter. Nachdem Straßenspezialist Hodges monatelang wie der sichere Sieger ausgesehen hatte, machte der Mountainbiker Mähr auf seinem geländetauglichen Fully ab Mendoza insgesamt 18 Stunden gut und rückte dem Gesamtführenden immer näher auf die Pelle.

Doch „The Andes Trail“ ist kein gewöhnliches Radrennen. Als alles nach einem Führungswechsel aussah, verfuhr sich Mähr und büßte dadurch fast zehn Stunden ein. Zwar nahm er danach erneut die Verfolgung auf, vermochte den Rückstand jedoch nicht mehr aufzuholen. Am Ende trennten die beiden Kontrahenten zweieinhalb Stunden – nach viereinhalb Monaten und 10 934 Kilometern gefühlte Zentelsekunden.

„Das war eine wirkliche Extremtour“ kommentierte Hodges nach seinem Triumph, während bei Mähr neben Stolz auch Wehmut mitschwang, weil sich „alles in jenem Moment entschied, als ich falsch abbog“. Zuvor hatten Mähr und ich beim Doppelzeitfahren noch einen großen Erfolg gefeiert, als wir die 48,5 Kilometer in 1:04:14 Stunden absolvierten und mit einem Schnitt von 46,1 km/h Platz drei belegten – nie zuvor war ich auf einer ebenen Straße derart schnell unterwegs gewesen.

Und dann war es vorbei, dieses gewaltige Abenteuer, das uns alle für einen so langen Zeitraum in Atem gehalten und unsere Körper gefordert hatte. Im Ziel überwog die Erleichterung, es geschafft zu haben, zumal Patagoniens Herausforderungen am Ende auch noch die allerletzten Reserven gefordert hatten.

Und doch steht eine der schwierigsten Aufgaben noch bevor: Rückkehr in einen Alltag, der nicht von dem recht überschaubaren Tagwerk „Radfahren, Essen/Trinken, Schlafen“ geprägt ist. Ein Kampf, bei dem jeder mit sich allein ist.

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