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Integration durch Landesligafußball

Göttingen Integration durch Landesligafußball

Seerwan Talabani ist irakischer Kurde. Seit Oktober lebt er als Flüchtling in Göttingen, und seit dem 2. April spielt er für den 1. SC 05 in der Fußball-Landesliga. Der 26-Jährige ist ein gutes Beispiel für die integrierende Funktion des Sports - und die Chancen, die sich deutschen Vereinen bieten.

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Talabani beim Spiel.

Quelle: Heller

Göttingen. Im Irak war der Abwehrspieler aus Kirkuk Profi und hat in der ersten Liga vor tausenden Zuschauern gespielt. Nach Göttingen kam er wegen seiner Ehefrau Zaynep Mamhussaini, einer iranischen Kurdin, die seit viereinhalb Jahren in Deutschland lebt. Sie legt am Mittwoch ihre Prüfung zur Zahnarzthelferin ab und hat bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche.
Talabani spielte zunächst im von Ingo Butter betreuten Flüchtlingsteam des 1. SC 05, wo er für das Landesligateam entdeckt wurde. „Wenn einer dabei ist, der das Zeug dazu hat, höher zu spielen, geben wir ihm auch eine Chance“, sagt Jan Steiger, Sportlicher Leiter des Landesligisten.

„Vor allem Steiger hat mir geholfen“, sagt der Ex-Profi, der von seinen Teamkollegen Tanis Metscher sehr hoch einschätzt. Sowohl Steiger als auch Trainer Oliver Hille bezeichnen Talabani als überaus freundlich. „Er ist beeindruckend engagiert, ein sehr gut ausgebildeter Fußballer und dabei sehr bescheiden“, sagt Hille. Von Nachteil sei zu Beginn gewesen, dass der Iraker kein Wort deutsch sprach. Mittlerweile werde er akzeptiert und respektiert. Der Fußballer nimmt Sprachkurse, hat aber nach wie vor Verständigungsprobleme.

Talabani, der einen schulischen Abschluss dem Fußball geopfert hat, würde gern eine Ausbildung zum Verkäufer oder Friseur absolvieren und in Göttingen mit Mamhussaini eine Existenz aufbauen. Noch sind aber hohe Hürden zu überwinden, auch bürokratische, berichtet Mamhussaini, die sich mit Mutter, Schwester und Mann eine Wohnung in Grone teilt. Eine eigene Wohnung wäre schön, aber es fehlt das Geld.

Die deutschen Behörden erkennen ihre Ehe nicht an, erzählt Mamhussaini. Die beiden könnten in den Irak zurückkehren und dort erneut heiraten - das wollen sie aber auf keinen Fall. Auch Dänemark sei eine Option, aber wie dorthin gelangen als Asylbewerber? Talabani hat keinen Ausweis, nur eine Bescheinigung. Es geht um nicht weniger als die Ehe und das Bleiberecht.

Die Kampf des 1. SC 05 um den Klassenerhalt wirkt dagegen unwichtig. „Wenn wir ein Gegentor kassieren, brechen wir oft ein“, beklagt Talabani. Am Mittwoch um 18.30 Uhr gibt es für ihn und 05 beim MTV Wolfenbüttel die nächste Bewährungschance.

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